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Brücken zwischen Forschung und Klinik stärken: Unimedizin Münster begrüßt erste Kohorte im Clinician-Scientist-Programm CareerS

Die erste Kohorte forschender Ärztinnen und Ärzte im neuen Clinician-Scientist-Programm CareerS Münster mit Dekan Prof. Frank Ulrich Müller, Programmsprecher Prof. Michael Schäfers und dem Ärztlichen Geschäftsführer der Ärztekammer Westfalen-Lippe Dr. Markus Wenning (hinten v.l.) sowie Mitgliedern des Programmkomitees (vorne r.) (Foto: WWU/Erk Wibberg)

Prof. Michael Schäfers, Sprecher des münsterschen Clinician-Scientist-Programms, betonte in seinem Festvortrag die Notwendigkeit, einen Kulturwandel in den Kliniken in Gang zu setzen, um Brücken zwischen Grundlagenforschung und klinischer Medizin zu stärken (Foto: WWU/Erk Wibberg)

Münster (cim/dn) - 14 Assistenzärztinnen und Assistenzärzte, die Patientenversorgung und Forschung im Berufsleben kombinieren wollen, haben als erste Kohorte im neuen Karriereprogramm Clinician Scientist CareerS der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster eine Förderung erhalten. Mit dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützten Programm stärkt die Fakultät ihr Förderangebot für wissenschaftlich aktive Ärztinnen und Ärzte – im Fachjargon „Clinician Scientists“. Bei einer Festveranstaltung zum Auftakt des Programms betonten der Dekan der Medizinischen Fakultät Prof. Frank Ulrich Müller und der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Münster Prof. Alex W. Friedrich die Bedeutung von forschungsstarkem ärztlichen Nachwuchs für das Ziel, Forschung und Klinik in der Universitätsmedizin noch enger miteinander zu verzahnen.

Verzahnung von Forschung, Lehre und Klinik als Kern der Universitätsmedizin

„In der Medizin geht es um Menschen – in keinem anderen Fach ist es so wichtig, neben dem Erkenntnisfortschritt auch die Anwendung des Wissens im Auge zu behalten“, sagte Frank Ulrich Müller. Der direkte Patientenkontakt sei das, was klinisch relevante Aspekte in der Forschung in den Fokus rücke und dazu führe, dass Erkenntnisse auch in neuen Behandlungsmöglichkeiten mündeten. Gerade die Förderung des medizinischen Nachwuchses spiele für die Weiterentwicklung der Universitätsmedizin eine ganz wichtige Rolle. Um die Einheit von Forschung, Lehre und Krankenversorgung leben zu können, gelte es, dem andauernden Trend zur Kommerzialisierung, dem die universitäre Medizin seit Jahren unterliege, entgegenzuwirken. Eine Reform sei politisch im Gange, aber noch nicht konkret ausformuliert und noch lange nicht umgesetzt. Daher habe die Medizinische Fakultät die Verzahnung von Forschung, Lehre und Klinik in verschiedenen, auf Clinician Scientists unterschiedlicher Karrierestufen ausgerichteten Formaten über viele Jahre hinweg gefördert und angeschoben und unterstütze auch das jetzt gestartete Programm CareerS und dessen Verstetigung in erheblichem finanziellen Umfang.

Auch Alex W. Friedrich betonte: „Wir sind in einem besonderen Moment, weil sich die Landschaft der Gesundheitsversorgung in den nächsten Jahren stark verändern muss und wird.“ Die Definition und Grundhaltung, dass Leistung bedeute, „viel“ zu machen, werde sich wandeln müssen. Die Entwicklungen im Gesundheitssystem böten jetzt die Chance, die universitäre Medizin so zu verändern, wie es notwendig sei, um die Zukunft der Versorgung zu entwickeln. Das neue Karriereprogramm Clinician Scientist CareerS, unterstütze die münstersche Strategie, für die Mitarbeitenden im Klinikbetrieb Raum zum Forschen zu schaffen. Erst dieser Raum ermögliche, wofür die Universitätsmedizin eigentlich da sei: in der Zusammenarbeit verschiedener Fächer und Einrichtungen Wissen zu generieren und es direkt in die Patientenversorgung einfließen zu lassen.

Geschützte Zeit und ein Kulturwandel für Forschung und Klinik

Ziel des neuen Karriereprogramms ist es, die in Münster bereits bestehenden Fördermöglichkeiten für Medizinerinnen und Mediziner zu integrieren, weiterzuentwickeln und zu ergänzen, um auf allen Karrierestufen eine Verbindung von Forschung und Klinik zu ermöglichen und Perspektiven bis zur Professur zu eröffnen. Ein Kernaspekt der Förderung ist die Finanzierung geschützter Forschungszeit, in der die Kandidatinnen und Kandidaten nicht in der Klinik eingesetzt werden.

„Im Klinikbetrieb sind wir Getriebene in engem Zeitkorsett“, erklärte der Programmsprecher und Nuklearmediziner Prof. Michael Schäfers in seinem Festvortrag. „Wir brauchen Zeit – und zwar geschützte Zeit – sowohl für die Forschung als auch für die Patientenversorgung.“ Nur so sei es möglich, sich auf die jeweilige Tätigkeit zu konzentrieren und dann wieder Brücken zwischen beiden Bereichen zu bauen. Neben Ärzten mit Kompetenzen in der naturwissenschaftlichen Forschung sei es ebenso wichtig, auch Naturwissenschaftler im medizinischen Kontext zu fördern und beide Berufsgruppen zusammenzubringen. Für die Zukunft der Universitätsmedizin komme es jetzt darauf an, einen Kulturwandel in den Kliniken in Gang zu setzen. Dabei gehe es darum, Forschung und Klinik als gleichwertige Arbeitsbereiche anzuerkennen, gleichzeitig die wissenschaftliche Aktivität wieder zu stärken und beides nicht mehr getrennt zu denken.

Forschung und Klinik während der fachärztlichen Weiterbildung verbinden

Die jetzt gestarteten Fördermodule bieten dem medizinischen Nachwuchs Unterstützung, um speziell die fordernde Karrierephase der fachärztlichen Spezialisierung erfolgreich mit eigenständiger Forschung kombinieren zu können. Neun Assistenzärztinnen und Assistenzärzte erhalten eine Förderung im Modul CareerS Starter, die es ihnen ermöglicht, ihre Interessen in der Forschung in einer frühen wissenschaftlichen Karrierephase über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr zu verfolgen. Fünf weitere Medizinerinnen und Mediziner erhalten Unterstützung durch das Modul CareerS Boost, in dem sie über einen Zeitraum von drei Jahren parallel zur fachärztlichen Weiterbildung forschen und sich wissenschaftlich qualifizieren können. Mit Trainingsangeboten, einer individuellen Betreuung durch erfahrene Ärzte und Forscher sowie einem starken wissenschaftlichen Netzwerk bietet das Programm umfassende strukturierte Unterstützung für die Karriereentwicklung. Erstmals eröffnet es zudem die Möglichkeit, sich als Teil einer größeren Gruppe regelmäßig mit Kolleginnen und Kollegen in der gleichen Karrieresituation auszutauschen – den Startschuss dazu gab der erste CareerS Club, bei dem sich die Geförderten gleich im Anschluss an das Festprogramm trafen.

Einen wichtigen Beitrag, um die Kandidatinnen und Kandidaten in dieser Phase, in der sie sowohl umfangreiche klinische als auch wissenschaftliche Kompetenzen erwerben müssen, zeitlich zu entlasten, bildet die Anerkennung von Forschungstätigkeit auf die fachärztliche Weiterbildungszeit durch die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL). „In der fachärztlichen Weiterbildung geht es um den gesicherten Erwerb von Kompetenz“, betonte der Ärztliche Geschäftsführer Dr. Markus Wenning bei der Auftaktveranstaltung. Die in der Weiterbildungsordnung vorgegebene fachspezifische Weiterbildungszeit sei dafür eigentlich nur ein Anhaltspunkt und könne im Einzelfall kürzer ausfallen. Daher erkennt die ÄKWL bis zu zwölf Monate Forschungstätigkeit auf die fachärztliche Weiterbildungszeit an, wenn die Weiterbildungsinhalte trotz einer verkürzten klinischen Tätigkeit vollständig absolviert werden können. „Wir machen mit dieser Regelung in der Universitätsmedizin schon seit zehn Jahren gute Erfahrungen“, berichtete Markus Wenning. Die rechtliche Grundlage dafür bilden die in der europäischen Richtlinie festgelegten Mindestzeiten für die Weiterbildung, die niedriger sind als die in der deutschen Weiterbildungsverordnung verlangten Zeiten.

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