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Von Menschen und Pixeln: Anna Junga setzt auf digitale Methoden in der medizinischen Lehre

Anna Junga erlebt, wie der Campus wächst: zunächst als Studentin, heute als Dozentin und Forscherin. Bald zieht sie in das neue Studienlabor am Coesfelder Kreuz ein. Die große Lern-Lounge wird in wenigen Monaten von Studierenden genutzt werden (Foto: Uni MS/N. Gais)

Münster (upm/kk) - Wenn Dr. Anna Junga über ihre Arbeit spricht, geht es um die medizinische Lehre und Forschung und wie diese ineinandergreifen. Die 30-Jährige gehört zu einer Generation junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die medizinische Ausbildung an der Universität Münster in die Zukunft führen. Virtual Reality (VR), künstliche Intelligenz und digitale Lehrmethoden sind für sie selbstverständlich. Doch eines stellt sie klar: „Kein digitales Werkzeug kann und soll den direkten Patientenkontakt ersetzen.“

Aufgewachsen in Recklinghausen, war Anna Junga die Erste in ihrer Familie mit Abitur. Bereits zu Schulzeiten faszinierten sie die Naturwissenschaften ebenso wie der Gedanke, eines Tages Ärztin zu werden. Gleichwohl war sie skeptisch, denn die Zulassungschancen auf einen Studienplatz in Münster galten als gering. 2014 erhielt sie die Zusage, was sie als „ein großes Privileg“ wahrnahm. Sie studierte Humanmedizin, promovierte und engagierte sich im Institut für Ausbildung und Studienangelegenheiten. Als Hilfskraft und Mitglied der Initiative „MeDocs“ erkannte sie, wie eng Forschung und Lehre verbunden sind. Diese Erfahrungen legten den Grundstein für ihre heutige Arbeit. Seit Ende 2020 ist sie dort als Dozentin und Wissenschaftlerin tätig und leitet inzwischen die Abteilung „Digitale Lehrmethodik“. Damit übernahm sie in ihrer beruflichen Laufbahn bereits früh eine Schlüsselrolle in der innovativen Ausbildung.

Mit Pascal Kockwelp, Prof. Dr. Markus Holling, Prof. Dr. Benjamin Risse und Prof. Dr. Bernhard Marschall erhielt sie im August 2025 den Sonderpreis der Ulrich-Bernath-Stiftung für Fernstudienforschung für ein Projekt, das ihr besonders am Herzen liegt: das VR-gestützte Kompetenztraining zur Hirntoddiagnostik. Das Team entwickelte eine Simulation, die es Studierenden ermöglicht, diesen Vorgang realitätsnah zu üben. „Mithilfe der VR-Brille tauchen Studierende in eine Intensivstation oder Notaufnahme ein. Sie begegnen virtuellen Patientinnen und Patienten, untersuchen, befragen und behandeln sie. So treffen sie eigenständig Entscheidungen und lernen sicher, realitätsnah und ohne Risiko“, erklärt Anna Junga. Auf den Sonderpreis folgte ein weiterer Preis für Lehrende der „Gesellschaft für Medizinische Ausbildung“. Auf diese Auszeichnung ist sie besonders stolz, da er Persönlichkeiten und ihre Arbeit ehrt.

Für sie sind Preise jedoch nicht entscheidend. Was sie antreibt, ist die Lehre selbst. „Viele Forschungsfragen ergeben sich direkt aus der Lehre. Neue Erkenntnisse können wir sofort in Lehrprojekten ausprobieren.“ Eine Ausbildung, die auf drei Säulen ruht, ist ihr wichtig: Patientenkontakt, praktische Übungen mit sogenannten Simulationspatientinnen und -patienten sowie der gezielte Einsatz von VR und künstlicher Intelligenz.

Wie wichtig ihr die Praxis ist, zeigt sich auch außerhalb der Universität: Neben ihrer Tätigkeit an der Fakultät arbeitet Anna Junga als Urologin in einer Praxis in Herten. Der direkte Kontakt zu den Patientinnen und Patienten ist für sie ein wertvoller Ausgleich – und eine stete Erinnerung daran, „wofür wir all das tun“. Dass Arbeit für sie oft auch Hobby bedeutet, erzählt sie mit einem Schmunzeln. Abends sitzt sie gerne noch am Schreibtisch und schreibt Fachartikel. „Das klingt vielleicht nach Workaholic. Aber es macht Spaß, mit anderen Menschen Neues zu schaffen.“ Doch Anna Junga hat auch andere Seiten. Sie strickt, häkelt und renoviert gern. Früher war sie mit dem Gameboy unterwegs, heute ist sie in der Gaming-Szene zu Hause und besucht digitale Ausstellungen.

Ihr Lebensmotto: „Ich probiere es einfach aus. Wenn es klappt, umso besser. Und wenn nicht, habe ich es immerhin versucht.“ Diese Haltung, gepaart mit Neugier und Durchhaltevermögen, zieht sich wie ein roter Faden durch ihren Werdegang. Dass sie an der Universität Münster studiert sowie promoviert hat und inzwischen hier lehrt und forscht, erfüllt sie mit Stolz. Bald will Anna Junga ihre Habilitation beginnen. Sie zeigt, dass moderne Medizin mehr ist als Hightech und Algorithmen. Sie lebt von Menschen, die für sie brennen.

Autorin: Dr. Kathrin Kottke (zuerst erschienen in der Broschüre „Zwölf Monate, zwölf Menschen“)

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