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Grippeimpfung bei Rheuma: Neue Studie zeigt hohe Sicherheit und guten Schutz

Konnte mit ihrer Studie nachweisen, dass eine Rheumaerkrankung kein Ausschlusskriterium für eine Grippe-Impfung ist: Priv.-Doz. Dr. Rebecca Hasseli-Fräbel (Foto: Nadezda Felsing)

Münster (mfm/ajs) - Die Influenza-Impfung ist für Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (ERE) sicher und gut verträglich. Das zeigt eine neue bundesweite, prospektive Langzeitstudie der Universität Münster. 633 Betroffene aus ganz Deutschland nahmen daran teil. In 95 Prozent der Fälle hatte die Impfung keinen negativen Einfluss auf die Krankheitsaktivität. Schwere Nebenwirkungen oder Krankenhausaufenthalte traten nicht auf. Nur 8,9 Prozent der in die Studie eingeschlossenen und geimpften Patientinnen und Patienten erkrankten im Verlauf der Grippesaison 2023/24 an Influenza – niemand davon schwer. Diese Ergebnisse wurden jetzt in der internationalen Fachzeitschrift „Vaccines“ veröffentlicht. 

Patientinnen und Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für Influenza-Infektionen und deren Komplikationen. Das liegt an der Grunderkrankung sowie an immunsuppressiven Therapien, also solchen, die die körpereigene Immunabwehr herunterfahren, wie der Einsatz von Biologika. Grippeinfektionen können zudem Krankheitsschübe auslösen. Gleichzeitig fehlten bislang belastbare Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit der Influenza-Impfung in dieser Patientengruppe, was bei Betroffenen wie auch bei Ärztinnen und Ärzten womöglich zu Zurückhaltung führte. Dies war auch der Fall, weil Menschen mit Rheuma häufig von Impfstoff-Zulassungsstudien ausgeschlossen sind.

Viele Betroffene verzichten daher aus Angst vor Krankheitsschüben auf die Grippeimpfung. Die neuen Daten sprechen klar gegen die Befürchtungen: Nur etwa fünf Prozent der Teilnehmenden der neuen Studie berichteten über vorübergehende Schübe nach der Impfung; therapeutische Anpassungen waren äußerst selten notwendig. Das bestätigt auch PD Dr. Rebecca Hasseli-Fräbel, die als stellvertretende Leiterin der Sektion Rheumatologie und Klinische Immunologie des Universitätsklinikums Münster tätig ist. „Unsere Ergebnisse zeigen sehr deutlich: Die Influenza-Impfung verschlechtert den Krankheitsverlauf bei der großen Mehrheit der Betroffenen nicht“, so die Medizinerin. Sogar das Gegenteil sei der Fall: Der Impfstoff schütze wirksam vor schweren Influenzaverläufen.

Ein Großteil der Studienteilnehmenden wurde mit immunsuppressiven oder immunmodulierenden Medikamenten behandelt – darunter auch Biologika. Dennoch traten weder schwere Impfreaktionen noch schwere Influenza-Verläufe auf. Selbst bei gleichzeitiger Gabe weiterer Impfungen blieb die Verträglichkeit der Impfung gegen Grippe hoch.

Ein wichtiger Befund der Studie, die durch die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) unterstützt wurde: Patientinnen und Patienten, die im Jahr vor der Impfung häufiger oder länger Krankheitsschübe hatten, erkrankten trotz der Impfung etwas öfter an Influenza. Alter, Begleiterkrankungen oder die Art der Rheuma-Therapie spielten dagegen keine entscheidende Rolle. „Das ist kein Argument gegen die Impfung“, betont Hasseli-Fräbel, die auch Sprecherin der DGRh-Kommission „Impfungen und Infektionen bei rheumatischen Erkrankungen“ ist. „Gerade Patientinnen und Patienten mit instabiler entzündlich-rheumatischer Erkrankung sollten gezielt beraten und besonders geschützt werden, da sie ein höheres Risiko für schwere Verläufe und Komplikationen der Infektion haben können.“ Mehr als 90 Prozent der Probandinnen und Probanden gaben an, sich auch künftig gegen Influenza impfen lassen zu wollen. Gleichzeitig zeigte die Befragung: Nur rund 60 Prozent hatten Informationen zur Grippeimpfung direkt von einer Ärztin oder einem Arzt erhalten. Die Studie belegt damit auch die zentrale Rolle ärztlicher Beratung für eine höhere Impfbereitschaft.

PubMed-Link zur Studie

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