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Darmbakterien als Krankheitsursache identifiziert: Prof. Martin Kriegel erhält den sechsstellig dotierten „Lupus Insight Prize“

Rheuma-Experte Prof. Martin Kriegel forscht zu einem möglichen Zusammenhang von Darmbakterien und der Autoimmunerkrankung Lupus – für seine Forschungsverdienste erhielt er den Lupus Insight Prize 2021 (Foto: WWU/Erik Wibberg)

Münster (mfm/mw) – Der Darm: Alles Gute kommt von innen – eigentlich. Dass dem nicht immer so ist, weiß der Mikrobiom-Experte Prof. Martin Kriegel von der Universität Münster: Er fand Belege dafür, dass Bakterien des Darms (Mikrobiom) bei Menschen mit Lupus-Erkrankung Auslöser für die krankhafte Abwehrreaktion des Immunsystems sein können. Für diese neuen Forschungsergebnisse wurde der gebürtige Kieler jetzt mit dem „Lupus Insight Prize 2021“ der Lupus Research Alliance (LRA), ausgezeichnet. Damit verbunden ist ein Preisgeld von 100.000 Dollar - für das Kriegel schon gute Verwendung hat.
Manchmal bekämpft der Körper sich selbst. Bei Autoimmunerkrankungen wie dem systemischen Lupus Erythematodes (SLE) attackieren Immunzellen das körpereigene Gewebe – bevorzugt Gelenke, Haut, Nieren, Gefäße, Gehirn, Lunge, und Leber - und verursachen Entzündungen. Zu den Auslösern, auch Trigger genannt, zählten bislang Viruserkrankungen, Medikamente und Umwelteinflüsse - insbesondere UV-Bestrahlung. Nun hat Prof. Kriegel eine weitere Ursache dieser Krankheit gefunden, von der in Deutschland rund 40.000 Menschen betroffen sind. Bakterien, die aus dem Darm auswandern, könnten an der Entwicklung einer krankhaften Abwehrreaktion des Immunsystems beteiligt sein. „Die im Mausmodell identifizierten Bakterien konnten auch in Organen bei Betroffenen bestätigt werden. Zudem konnte die Autoimmunerkrankung im Tiermodell mit einer Impfung gegen die wandernden Bakterien bekämpft werden. Ob Impfungen oder andere gezielte Behandlungsansätze gegen Darmmikroben in der Zukunft neue Therapiemöglichkeiten für Patienten mit Rheuma darstellen, muss noch intensiv untersucht werden. Es ist aufgrund der Ergebnisse zumindest vorstellbar", sagt der Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, der am Institut für Muskuloskelettale Medizin der WWU tätig ist und die Sektion Rheumatologie und Klinische Immunologie der Medizinischen Klinik D am UKM leitet.
Mit dem sechsstelligen Preisgeld möchte Kriegel, der neben der deutschen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, seine bisherigen Forschungsprojekte erweitern und den genauen Trigger-Mechanismus zwischen Darmbakterien und Autoantikörpern untersuchen. Aktuell untersucht er, ob eine Ernährungstherapie den Ausbruch der Erkrankung – die als nicht heilbar gilt - verhindern könnte. Der dem Rheumatologen zugesprochene Lupus Insight Prize wird jährlich verliehen durch die größte Gesundheitsorganisation in der SLE-Forschung, der Lupus Research Alliance (LRA). Der Verband zeichnet jährlich weltweit Forscherinnen und Forscher mit neuen herausragenden Erkenntnissen im Kampf gegen Lupus aus. Dabei steht weniger der theoretische Wissenszuwachs im Fokus der Bewertung: Wichtiger ist laut LRA, ob und wie das Wissen in die Therapie und Praxis umgesetzt werden kann.