„Ich will verstehen, warum Therapien wirken – und warum sie Nebenwirkungen machen.“

Ein Interview mit Carolin Krekeler

28.05.2026

Dr. Carolin Krekeler ist Assistenzärztin an der Medizinischen Klinik A des UKM und seit Januar 2024 Teil des Clinician-Scientist-Programms CareerS. In ihrer Arbeit verbindet sie klinische Tätigkeit in der Hämatologie mit translationaler Forschung zu innovativen Immuntherapien.

Dr. Carolin Krekeler (Foto: UKM)

Wie kommt es zu Ihrer Begeisterung für die Forschung?
In der stationären Versorgung behandle ich vor allem Patientinnen und Patienten mit hämatologischen Erkrankungen wie Leukämien und Lymphomen. Viele von ihnen erhalten hochinnovative Therapien, die sich noch in der klinischen Entwicklung befinden. Bei vielen dieser Studientherapien verstehen wir die Wirkmechanismen noch nicht vollständig: Warum spricht ein Patient gut an, ein anderer nicht? Warum treten bestimmte Nebenwirkungen auf? Mein Antrieb ist es, genau hier anzusetzen, um die Behandlung langfristig sicherer und besser zu machen.

Woran forschen Sie aktuell?
Im Zentrum meines Projekts steht die CAR-T-Zelltherapie bei Lymphomen. Dabei werden körpereigene Immunzellen der Patientinnen und Patienten gentechnisch so verändert, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und zerstören können. Eine schwerwiegende, bislang nur unzureichend verstandene Nebenwirkung dieser Therapie sind neurologische Komplikationen, die von Schreibstörungen bis hin zu Koma reichen können. In meinem Projekt untersuche ich die Hypothese, dass die T-Zellen in Kampf gegen die Krebszellen ganz viele Botenstoffe freisetzen, die wiederum Immunprozesse im Gehirn überaktivieren und so neurologische Symptome auslösen. Ziel ist es, Mechanismen besser zu verstehen und mögliche prädiktive Marker oder therapeutische Ansatzpunkte zu identifizieren.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Für mich steht fest, dass ich auch langfristig die Kombination aus Klinik und Forschung verfolgen möchte. Gerade in der Onkologie ist dieser Brückenschlag essenziell, um neue Erkenntnisse zügig in die Patientenversorgung zu überführen. Mein aktuelles Projekt wird sich voraussichtlich nicht vollständig innerhalb der Förderlaufzeit abschließen lassen, sodass ich perspektivisch über weitere Fördermöglichkeiten nachdenken werde. Unabhängig davon möchte ich klinische Fragestellungen weiterhin systematisch wissenschaftlich bearbeiten – sei es im Rahmen translationaler Projekte oder klinischer Studien.

Dieser Beitrag stammt aus dem Jahresbericht 2025 des Westdeutschen Tumorzentrums.