Neurobiology of affective disorders: 5 year longitudinal deep phenotyping of the Marburg/Münster Cohort Study (MACS)

Durchgeführt von: Translationale Psychiatrie

In Kooperation mit: der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Marburg

Laufzeit: Seit 2020

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DA 1151/9-1, 146.200 €)

 

Der langfristige Krankheitsverlauf von affektiven und psychotischen Erkrankungen spielt eine entscheidende Rolle bei ihrer Diagnose, Behandlung und Prognose in der klinischen Praxis. Die Erkrankungen stellen vor allem wegen der hohen Prävalenz multipler Episoden und anhaltender Symptomatik eine hohe Belastung und Beeinträchtigung der psychosozialen Funktionsfähigkeit dar. Die Forschung zu affektiven Störungen konzentrierte sich bisher jedoch weitestgehend auf querschnittliche Untersuchungen und vor allem im Bereich der Hirnbildgebung gibt es einen deutlichen Mangel an Längsschnittstudien. Nötig für die Beantwortung von Fragen zu Ätiologie und Krankheitsverlauf sind jedoch groß angelegte Längsschnittstudien, die mehrere Datenbereiche wie klinische Daten, bildgebende Verfahren und Bioproben über lange Zeiträume erheben.

Mit der im Rahmen FOR2107 Studie implementierten Infrastruktur können bereits mehrere Limitationen vorangegangener Studien berücksichtigt und addressiert werden: Es werden große Datenmengen erhoben, es wird ein Längsschnittdesign genutzt, ProbandInnen werden umfassend phänotypisiert und es werden multimodale Analysen durchgeführt. Schon jetzt liefert die Kohorte unschätzbare, einmalige und hoch relevante Daten zu psychischen Störungen und ihrem Verlauf über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Während ein Nachbeobachtungszeitraum von 2 Jahren bereits wichtige Einblicke in den mittelfristigen Krankheitsverlauf liefert, ist der Zeitraum aber noch nicht lange genug, um wichtige Fragen zum langfristigen Krankheitsverlauf zu beantworten, wie beispielsweise die Untersuchung von Konvertern (von gesunden Kontrollen zum Ausbruch einer Erkrankung, diagnostische Verschiebungen von Depression zu Bipolarer Störung oder anderen Störungen), das Auftreten von Komorbiditäten, den Einfluss von Lebensereignissen auf den Krankheitsverlauf oder langfristige Ergebnisse mit Blick auf das Funktionsniveau. Daher ist das Hauptziel des Projekts „Neurobiology of affective disorders: 5 year longitudinal deep phenotyping of the Marburg/Münster Cohort Study (MACS)“ eine Ausweitung des Beobachtungszeitraums der Studie auf fünf Jahre, und somit Rekrutierung und detaillierte Charakterisierung der bereits erhobenen Kohorte von ProbandInnen mit psychischen Erkrankungen sowie gesunden KontrollprobandInnen.

Dabei sollen alle relevanten Datenbereiche der früheren Erhebungszeitpunkte (multimodale MR-Bildgebung, Biomaterialien, Neuropsychologie, tiefgehende klinische Phänotypisierung) einbezogen und nach identischen Protokollen erhoben werden. Die bisher genutzte Batterie für die klinische Phänotypisierung wurde zudem um einige Maße erweitert, mit denen Daten z.B. zur globalen und sozialen Funktionsfähigkeit, zur Persönlichkeit und zum klinischen Verlauf im Intervall erfasst werden können. Der klinische Verlauf der Patienten im Intervall wird dabei unter Verwendung eines Life-Chart-Ansatzes detailliert erhoben und anhand einer Reihe von Variablen bewertet, darunter z.B. die Anzahl und Polarität der Episoden, Dauer der Episoden, Anzahl und Dauer der Krankenhausaufenthalte, Medikamenteneinnahme, Anzahl der Kontakte mit Psychiater oder Psychotherapeut, Anzahl und Dauer von Krankschreibung oder Berentung aufgrund der psychischen Erkrankungen.