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PDGF-Signalweg als neuer Behandlungsansatz: Studie zu therapieresistenten kindlichen Tumoren

Konnte mit seiner Arbeitsgruppe wichtige Erkenntnisse zu EMTR-Erkrankungen bei Kindern gewinnen: Prof. Kornelius Kerl (Foto: privat)

Die Abbildung zeigt einen schematischen Überblick über die Ergebnisse des Projekts (Quelle: K. Kerl)

(München/Münster-wss) - Embryonale Tumoren mit mehrreihigen Rosetten (ETMR) gehören zu den seltensten und zugleich aggressivsten Hirntumoren im frühen Kindesalter. Trotz intensiver Therapie ist die Prognose bislang sehr schlecht. Ein Forschungsprojekt der Universität Münster unter der Leitung von Prof. Kornelius Kerl liefert nun wichtige neue Erkenntnisse darüber, warum diese Tumoren besonders therapieresistent sind. Die von der Wilhelm-Sander-Stiftung mit 200.000 Euro geförderte und in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlichte Studie zeigt zugleich neue therapeutische Ansatzpunkte auf. 

Das Team um Prof. Kerl konnte erstmals auf Einzelzellniveau nachweisen, dass ETMR aus mehreren unterschiedlichen Tumorzellzuständen bestehen, die frühen Phasen der neuronalen Entwicklung ähneln. Besonders die sogenannten stammzellenähnlichen Tumorzellen erwiesen sich als hoch resistent gegenüber einer Chemotherapie. 

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die entscheidende Rolle der Tumormikroumgebung: Spezielle Gefäßzellen, sogenannte Perizyten, bilden gemeinsam mit stammzellennahen Tumorzellen eine geschützte Nische im Tumor. Über PDGF-abhängige Signalwege stabilisieren sie den therapieresistenten Zustand der Tumorzellen und begünstigen so deren Überleben unter Chemotherapie. Die Abkürzung PDGF steht für „Platelet-derived growth factor“, auf Deutsch: Wachstumsfaktor aus Thrombozyten („Blutplättchen“).

„Unsere Daten zeigen, dass ETMR-Tumorzellen ihre Umgebung aktiv umprogrammieren und so ein Milieu schaffen, das ihr Überleben auch unter Chemotherapie begünstigt“, erklärt Prof. Kerl, der am Universitätsklinikum Münster den Bereich Experimentelle Pädiatrische Hämatologie und Onkologie leitet. „Gleichzeitig konnten wir nachweisen, dass diese Wechselwirkungen gezielt gestört werden können.“ In innovativen 3D-Modellen menschlicher Hirnorganoide sowie in Mausmodellen führte die pharmakologische Hemmung des PDGF-Signalwegs zu einer deutlichen Reduktion perizytenähnlicher Zellen und zu einer verminderten Tumorvariabilität. Damit identifiziert die Studie einen vielversprechenden neuen therapeutischen Ansatz für eine bislang kaum behandelbare Tumorart. 

PubMed-Link zur Studie

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