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Markierung von Hirntumoren: Multizentrische Studie überprüft Einsatz von 5-ALA nun auch bei Kindern

Prof. Walter Stummer leitet die multizentrische deutschlandweite Studie zur Marker-Funktion von 5-ALA bei kindlichen Hirntumoren (Foto: W. Gerharz)

Münster (ukm/mfm) - Je vollständiger ein Tumor operativ entfernt werden kann, desto größer sind die Chancen, dass es nicht zu einem Rückfall kommt: Das ist die medizinische Regel insbesondere bei Hirntumoren. Eine körpereigene Substanz namens 5-Aminolävulinsäure wird seit Jahren dazu eingesetzt, diese Tumoren vor einer Operation zu markieren und so das chirurgische Ergebnis zu verbessern. Belegt ist das bisher nur für die Anwendung bei Erwachsenen. Eine multizentrische Studie unter Leitung des Medizinprofessors Walter Stummer von der Universität Münster überprüft den Einsatz nun auch bei Operationen von kindlichen Hirntumoren.

 Dass die Verwendung von 5-Aminolävulinsäure (kurz: 5-ALA) vor neurochirurgischen Hirntumor-OP gute Möglichkeiten bietet und vor allem die Überlebenszeit der Patienten verlängert, konnte Prof. Stummer bereits 2006 in einer randomisierten internationalen Studie nachweisen. „Ob die Ergebnisse von damals aber 1 zu 1 auf kindliche Hirntumore übertragen werden können, möchte die Arbeitsgruppe aus Neurochirurgen der bedeutendsten Zentren in Deutschland nun mit einer Studie herausfinden“, so der Direktor der münsterschen Uniklinik für Neurochirurgie. „Für die Kleinsten fehlt es uns an Erfahrungswerten. Kindliche Hirntumore unterscheiden sich von Tumoren bei Erwachsenen. Und gerade weil das Gehirn bei Kindern noch in der Entwicklung ist, müssen wir hier noch sensibler vorgehen, um einerseits das bestmögliche Operationsergebnis zu erzielen, aber andererseits maximal schonend vorzugehen.“

5-ALA ist eine fluoreszierende Substanz, die wenige Stunden vor der Resektion eines Hirntumors bei Erwachsenen oral verabreicht wird. Nach Einnahme lagert es sich im malignen Gewebe des Tumors an. Der Neurochirurg kann dann unter der OP eine UV-Lampe zuschalten, sodass das Tumorgewebe rot-violett leuchtet. „Das macht gesundes Gewebe klar von bösartigem unterscheidbar und minimiert das Risiko, Hirnregionen zu verletzen“, so Stummer.  

Weil der Stoffwechsel von Kindern sich von dem eines Erwachsenen unterscheidet, ist es nötig, die Sicherheit in der Anwendung von 5-ALA speziell für den jungen Organismus eines Kindes nachzuweisen. „Wir konnten kürzlich das erste Kind erfolgreich mit 5-ALA operieren und damit den ersten Patienten in unsere Studie einschließen. Wir sind sehr gespannt, ob sich, wie wir es eigentlich erwarten, 5-ALA auch in der neurochirurgischen Hirn-OP bei Kindern als Gewinn erweist“, sagt der WWU-Professor. An der Studie nehmen Experten aus den neurochirurgischen Zentren von Universitätsklinika in Essen, Tübingen, Düsseldorf, Leipzig und München teil. Insgesamt sollen 80 junge Patienten eingeschlossen werden. Unterstützt wird die Studie durch das Biotechnologie-Unternehmen Photonamic.

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