Das SP-Programm an der Medizinischen Fakultät Münster

Das Simulationspatient*innen-Programm (SP-Programm) an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster ist das größte seiner Art im deutschsprachigen Raum. Mit aktuell fünf professionellen SP-Trainer*innen und einem Pool von rund 180 SP (Kinder und Erwachsene) werden pro Semester ca. 1.280 Simulationen im „Studienhospital“ und 7.300 Simulationen in der „Limette“ in insgesamt 25 curricularen Lehrveranstaltungen durchgeführt.
Zielsetzung und didaktische Grundlagen

SP übernehmen die Rolle von Patient*innen, Zugehörigen und Schwangeren in realitätsnahen Interaktionen mit Studierenden der Human-/Zahnmedizin, Hebammenwissenschaft sowie Psychotherapeut*innen und Pflegenden. Dabei simulieren sie Krankheitssymptome für Anamnesen, körperliche Untersuchungen, Beratungssituationen und Aufklärungsgespräche. Diese Simulationen ermöglichen ein praxisnahes Training von Kommunikations- und Untersuchungssituationen. Invasive Maßnahmen an SP wie z. B. Zugänge oder Katheter legen sind ausgeschlossen.
Die Lehrveranstaltungen sind nach didaktischen und lerntheoretischen Prinzipien konzipiert, wobei ein zentrales Element das aktive Lernen durch Simulation und Beobachtung darstellt. Dadurch ist es möglich, die Studierenden in einem geschützten Rahmen an die Zone of Proximal Development heranzuführen. Hierbei werden sowohl medizinisch-fachliche als auch kommunikativ-soziale Kompetenzen und die Entwicklung einer professionellen Identität gefördert.
Qualitätssicherung und Evidenz

Die Qualität der Lehrveranstaltungen wird durch strukturierte Schulungen der SP, kontinuierliche Evaluationen sowie die Begleitung durch SP-Trainer*innen gewährleistet. Zudem orientiert sich das SP-Programm an wissenschaftlich fundierten Strukturqualitätsindikatoren, die Aspekte wie Realitätsnähe, Standardisierung und Feedbackprozesse definieren.
Internationale Studien belegen, dass simulationsbasiertes Training die klinischen, kommunikativen und sozialen Kompetenzen von Medizinstudierenden signifikant verbessert (McGaghie et al., 2011; McInerney et al., 2022; Elendu et al., 2024).
Damit leistet das Münsteraner SP-Programm einen wesentlichen Beitrag zur patient*innen-sicheren und kompetenzorientierten medizinischen Ausbildung.
Individualisierte und standardisierte Simulationen
Das SP-Programm bietet sowohl individualisierte Simulationen für Lehrzwecke im „Studienhospital“ und standardisierte Simulationen für Prüfungs-/Assessmentsituationen in der „Limette“.
Für individualisierte Simulationen entwickeln SP auf Grundlage medizinischer Krankheitsbeschreibungen individuelle Rollencharaktere und deren Biografien. Dadurch entstehen vielfältige, realitätsnahe Interaktionssituationen, die Diversität abbilden und für die Studierenden ein breites Trainingsspektrum eröffnen.
Standardisierte Simulationen werden vorwiegend in Prüfungs-Assessmentsituationen eingesetzt, um durch vereinheitlichte Rollen, Besetzungen und Darstellungsweisen faire und vergleichbare Bedingungen für alle Studierenden zu gewährleisten.
Kontakt
sp.programm@uni-muenster.de
Quellen
- McGaghie WC, Issenberg SB, Cohen ER, Barsuk JH, Wayne DB. (2011). Does simulation-based medical education with deliberate practice yield better results than traditional clinical education? Academic Medicine, 86(6), 706–711.
- McInerney N, Nally D, Khan MF, Heneghan H, Cahill RA. (2022). Performance effects of simulation training for medical students – a systematic review. GMS Journal for Medical Education, 39(5), Doc51.
- Elendu C, Amaechi DC, Okatta AU, et al. (2024). The impact of simulation-based training in medical education: A review. Medicine, 103(27), e38813.
