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WWU an 9 von 13 Projekten beteiligt: Netzwerk Universitätsmedizin startet vertiefte Forschungsarbeit zu Covid-19

Logo des Netzwerkes Universitätsmedizin (Abb.: BMBF)

Berlin/Münster - Mit dem „Nationalen Netzwerk der Universitätsmedizin zu Covid-19“ bündelt und stärkt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Forschungsaktivitäten der deutschen Universitätsmedizin zur Bewältigung der aktuellen Pandemie. Insgesamt 150 Millionen Euro stellt das BMBF hierfür bereit. Das Netzwerk hat dreizehn vordringliche Themen festgelegt, zu denen nun klinikübergreifende Forschungsprojekte starten, wie Bundesforschungsministerin Anja Karliczek heute in Berlin mitteilte. An neun dieser 13 Forschungsschwerpunkte sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Münster beteiligt.

„Wir brauchen wirkungsvolle Konzepte, um die Menschen, die an Covid-19 erkranken, bestmöglich behandeln zu können. Und wir müssen die besten Strategien finden, um die Ausbreitung der Pandemie einzudämmen. Ich bin überzeugt davon, dass die heute vom Netzwerk Universitätsmedizin vorgestellten Forschungsarbeiten hierzu einen wichtigen Beitrag leisten werden. Ich wünsche den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern viel Erfolg bei ihrer Arbeit“, so Karliczek. Das Netzwerk Universitätsmedizin, kurz: NUM, ist in dieser Form einmalig. Die deutschen Medizinischen Fakultäten und Universitätskliniken sind flächendeckend Teil des Verbundes.

Das Netzwerk hat zum Ziel, Daten, Erkenntnisse, Maßnahmenpläne, Diagnostik- und Behandlungsstrategien der Universitätsmedizin und gegebenenfalls weiterer Akteure zusammenzuführen und auszuwerten. Die NUM-Beteiligten tauschen ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit der Behandlung von Covid-19-Erkrankten aus und lernen so fortlaufend miteinander und voneinander. Gemeinsam lösen sie drängende Fragen für die Verbesserung der Behandlung und entwickeln Behandlungsstrategien und -konzepte, die eine bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten sichern. Außerdem suchen sie nach den besten Wegen, die Pandemie unter Kontrolle zu halten. „Für diesen unermüdlichen Einsatz danke ich allen beteiligten Akteuren“, zitiert die BMBF-Pressemitteilung die Ministerin.

An diesen neun Projekten des Netzwerkes Universitätsmedizin wirken Forscherinnen und Forscher der WWU Münster mit:

AKTIN - „Echtzeit-Versorgungsforschung mit dem AKTIN-Notaufnahmeregister (AKTIN-EZV)“

(Projektleiter: Prof. Philipp Kümpers)

Das AKTIN-Notaufnahmeregister wird für die Pandemie-Forschung angepasst und erweitert. Das Register verbessert die notfallmedizinische Versorgungsforschung, weil es Strukturen und Prozesse klinikübergreifend einheitlich sichtbar macht. Es soll genutzt werden, um das Versorgungsgeschehen aus der ersten Covid-19-Pandemiewelle zu analysieren und tagesaktuelle Daten aus Notaufnahmen bereitzustellen. Diese können für epidemiologische Auswertungen und Covid-19-spezifische Forschungsfragen genutzt werden. Gleichzeitig sind mit dem Register wiederkehrende Epidemiewellen und daraus möglicherweise resultierende Versorgungsengpässe im Sinne eines Frühwarnsystems frühzeitig zu erkennen.

B-FAST - „Bundesweites Forschungsnetz Angewandte Surveillance und Testung“

(Projektleiter: Prof. Alexander Mellmann)

Surveillance umfasst die Beobachtung, Analyse, Interpretation und Berichterstattung von Gesundheitsdaten. Die Corona-Pandemie zeigt, dass unterschiedliche Test- und Überwachungsstrategien für die Gesamtbevölkerung, die Schulen und Kitas, eventuelle Risikobereiche und Kliniken benötigt werden. B-Fast entwickelt eine Plattform, in der solche Strategien erprobt werden können. Dafür führt es unterschiedliche Analysen und Bewertungen zusammen. So unterstützt es Strategien, die nicht nur in der akuten Krise helfen, sondern auch auf künftige Pandemien übertragen werden können.

CEO-sys - „Aufbau eines Covid-19 Evidenz-Ökosystems zur Verbesserung von Wissensmanagement und Translation“

(Projektleiter: Prof. Alexander Zarbock)

Evidenzbasierte Medizin garantiert die bestmögliche Versorgung, da sie auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Zahlreiche deutsche Universitätsklinika stellen im Verbund mit dem internationalen Netzwerk Cochrane die wissenschaftlichen Grundlagen dafür bereit. In CEO-sys wird ein nationales Evidenznetzwerk zu Covid-19 aufgebaut - unter der Federführung von Cochrane Deutschland. Der sich dynamisch entwickelnde Daten- und Erkenntnisstand zu Covid-19 wird in diesem Evidenznetzwerk fortlaufend aufbereitet, bewertet und zielgruppengerecht vermittelt. Das schafft eine Basis für individuelle Therapieentscheidungen sowie institutionelle und öffentliche Versorgungsstrategien.

compass - „Coordination on mobile pandemic apps best practice and solution sharing“

(Projektleiter: Prof. Martin Dugas)

In dem Projekt wird eine Plattform aufgebaut, die konkrete Methoden und Werkzeuge für Pandemie-Apps koordiniert und bereitstellt. Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft schließen sich bundesweit dafür zusammen und verfolgen dabei einen Open Source-Ansatz. Gemeinsam koordinieren und bewerten sie die Pandemie-Apps und erstellen Handlungsempfehlungen. Das schafft auch eine Basis für digitale Lösungen, um bei künftigen Pandemien besser digital gerüstet zu sein.

DEFEAT PANDEMIcs - „Deutsches Forschungsnetzwerk Autopsien bei Pandemien“

(Projektleiterin: Prof. Eva Wardelmann)

Im Projekt wird ein deutschlandweites Obduktionsnetzwerk aufgebaut, in dem Daten, Biomaterialien und Erkenntnisse systematisch und standardisiert erfasst und zusammengeführt werden. Diese einzigartige Vernetzung der meisten pathologischen, neuropathologischen und rechtsmedizinischen Institute der deutschen Universitätsklinika sowie nicht-universitärer Partner ermöglicht ein tieferes Verständnis der Erkrankung und hilft, wirkungsvollere Therapieansätze zu entwickeln.

EViPan - „Entwicklung, Testung und Implementierung von regional adaptiven Versorgungsstrukturen und Prozessen für ein evidenzgeleitetes Pandemiemanagement koordiniert durch die Universitätsmedizin“

(Projektleiter: Prof. André Karch)

Um Covid-19-Patientinnen und Patienten zukünftig noch schneller und besser erkennen und behandeln zu können, wird ein nationales Pandemiemanagement benötigt. Es trägt auch dazu bei, Ansteckungen zur vermeiden und auf zukünftige Pandemien vorbereitet zu sein. Die Universitätskliniken stehen als international vernetzte Maximalversorger und Forschungseinrichtungen im Zentrum regionaler Gesundheitsnetzwerke. Im Projekt kooperieren sie mit dem Robert Koch-Institut und mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst und den Landesregierungen zur gemeinsamen Erreichung des Ziels.

FoDaPl - „Nationale Forschungsdatenplattform“

(Projektleiter: Prof. Martin Dugas)

In diesem Projekt wird eine bundesweit einheitliche, datenschutzkonforme Infrastruktur für die Speicherung von Covid-19 Forschungsdatensätzen geschaffen. In dieser Forschungsdatenplattform können beispielsweise Labordaten pseudonymisiert den Forschenden über sichere und transparente Verfahren zur Verfügung gestellt werden. Damit wird die Plattform eine zentrale Informationsquelle für unterschiedliche Forschungsarbeiten, die sich mit der Entwicklung besserer Behandlungsansätze für Covid-19 befassen.

Organo-Strat - „Organspezifische Stratifikation bei Covid-19“

(Projektleiter: Prof. Stephan Ludwig)

Durch das Projekt Organo-Strat soll ein Netzwerk etabliert werden, das im Labor entwickelte Organmodelle gemeinsam nutzt. Das ermöglicht, organspezifische Forschungsfragen durch ein abgestimmtes Vorgehen synergistisch zu bearbeiten. Dabei kommt es auf ein enges Zusammenspiel von Universitätskliniken und Hochsicherheitslabors an. Gewebe- und Autopsieproben sollen u.a. dazu genutzt werden, aussagekräftigere Studien zu Covid-19 und anderen Erkrankungen durchzuführen. Langfristig soll das Therapien ermöglichen, die individuell auf die Patientinnen und Patienten zugeschnitten sind.

RACOON - „Radiological Cooperative Network zur Covid-19 Pandemie“

(Projektleiter: Prof. Walter Heindel)

RACOON ist die erste deutschlandweite Radiologie-Plattform, bei der fast alle Universitätskliniken beteiligt sind. Hier werden Röntgenaufnahmen von Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Covid-19 zusammengeführt und mit den Krankheitsverläufen in Beziehung gebracht. Die Befunde werden mithilfe Künstlicher Intelligenz analysiert. Dadurch wird eine schnellere und präzisere Diagnose der Erkrankung und ihres Verlaufs möglich und eine Entscheidungsgrundlage für epidemiologische Studien, Lageeinschätzungen und Frühwarnmechanismen geschaffen.

 

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