News

Das aktuelle "Paper of the Month" (08/2019) geht an: Dr. Jonathan Repple und Greta Karliczek aus der Translationalen Psychiatrie

Dr. Jonathan Repple (Erstautor), Dr. Nils Opel (Letztautor) und Prof. Udo Dannlowski (v.l.n.r.; Foto: Marco Mauritz)

Für den Monat August 2019 geht das "Paper of the Month" der Medizinischen Fakultät der WWU Münster an:

Dr. Jonathan Repple und und Greta Karliczek aus dem Institut für Translationale Psychiatrie für die Publikation:

Variation of HbA1c affects cognition and white matter microstructure in healthy, young adults
BY: Repple, Jonathan; Karliczek, Greta; Meinert, Susanne; et al.
Molecular Psychiatry, 2019 ; Published online: Aug 2019

Begründung der Auswahl:

HbA1c ist ein humaner Serummarker, der bei Patienten mit Diabetes mellitus als Hinweis für eine Beeinträchtigung der kognitiven Leistung, verbunden mit einer veränderten Integrität der weißen Substanz des Gehirns, postuliert wurde. Es galt die Hypothese zu untersuchen, ob ein erhöhter HbA1c-Spiegel mit einer veränderten Gehirnstruktur und -funktion bei gesunden Probanden korreliert oder nicht. Dazu wurden der HbA1c-Spiegel und die kognitive Leistung sowie die Mikrostruktur der weißen Substanz bei gesunden, jungen Erwachsenen untersucht. Die Untersuchungen ergaben, dass die HbA1c-Spiegel signifikant invers mit der kognitiven Leistung korrelierten. Als wichtigste Erkenntnis konnte gezeigt werden, dass eine niedriggradige HbA1c-Variation unter dem diagnostischen Schwellenwert für Diabetes sowohl mit der kognitiven Leistung als auch der Integrität der weißen Substanz bei gesunden, jungen Erwachsenen zusammenhängt.

Diese Ergebnisse unterstreichen die nachteiligen Auswirkungen von metabolischen Risikofaktoren auf die Gehirnphysiologie und stellen einen signifikanten wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn der psychiatrischen Hirnforschung dar.

Zu Hintergrund, Fragestellung und Bedeutung der Publikation:

Der Serummarker HbA1c ist in Patienten mit Diabetes mellitus mit der weißen Substanz und der kognitiven Leistung assoziiert. Ob dieser Marker auch bei jungen Nichtdiabetikern mit Hirnstruktur und Funktion assoziiert ist, ist bisher unklar.

HbA1c-Level (Spanne 4,1 - 6,3 %) waren signifikant negativ assoziiert mit kognitiven Maßen. Höhere HBa1c Level korrelierten negativ mit Fraktioneller Anisotropie (FA), einem Wert der mittels Diffusions-Tensor-Bildgebung bestimmt wird und die Mikrostruktur der weißen Hirnsubstanz wiederspiegelt. Diese Ergebnisse wurden kontrolliert für Alter, Geschlecht, BMI, Ethnie und Maß an Bildung. FA in vielen Trakten der weißen Substanz war wiederum positiv mit den kognitiven Testmaßen assoziiert. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich in Analysen von Patienten mit einem HbA1c unter 5,7 %.

Die Ergebnisse betonen den schädlichen Einfluss von metabolischen Risikofaktoren auf Gehirnstruktur und -funktion. Mehr präventive Maßnahmen scheinen notwendig und sollten eventuell auch schon bei Menschen mit einem HbA1c-Wert unter bisherigen Schwellenwerten in Betracht gezogen werden.

Background and fundamental question of the publication:

The metabolic serum marker HbA1c has been associated with both impaired cognitive performance and altered white matter integrity in patients suffering from diabetes mellitus. However, it remains unclear if higher levels of HbA1c might also affect brain structure and function in healthy subjects.

We found that HbA1c levels (range 4.1–6.3 %) were significantly inversely correlated with measures of cognitive performance in 1206 healthy, young subjects. Higher HbA1c levels were associated with significant and widespread reductions in fractional anisotropy (FA), a diffusion-tensor-imaging marker of white matter microstructure, controlling for age, sex, body mass index, ethnicity, and education. FA reductions were furthermore found to covary with measures of cognitive performance. The same pattern of results could be observed in analyses restricted to participants with HBA1c levels below 5.7 %.

These findings highlight the detrimental impact of metabolic risk factors on brain physiology and underscore importance of intensified preventive measures independent of the currently applied diagnostic HbA1c cutoff scores.

Die bisherigen ausgezeichneten "Papers of the Month" finden Sie HIER.

Folgendes könnte Sie auch interessieren: