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Neue Ansätze für männliche Verhütung: Universität Münster beteiligt sich am Projekt „ContraPur“

Das münstersche ContraPur-Team (v.l.n.r.): hinten Prof. Dominik Heider (Medizinische Informatik - IMI), Ina Klockner und Prof. Frank Tüttelmann (Centrum für Medizinische Genetik - CMG), vorne: Thibault Masai (CeRA), Ciara Parry (IMI), Priv.-Doz. Dr. Sandra Laurentino (CMG) und Prof. Nina Neuhaus (CeRA) (Foto: privat)

Münster (mfm/ajs) – Pille, Spirale, Hormonimplantat: Die meisten Verhütungsmethoden richten sich an Frauen. Forschende aus fünf deutschen Universitäten wollen auf diesem Gebiet neue Wege eröffnen: Im interdisziplinären Forschungsverbund „ContraPur“ arbeiten sie an einer neuartigen, nicht-hormonellen Verhütungsmethode für Männer. Auch die Universität Münster ist an dem Verbund beteiligt – ebenso wie Bonn, Gießen, die LMU München und die RWTH Aachen. 

Die Universität Münster ist mit vier Projektleitungen bei ContraPur vertreten und knüpft an eine lange Historie der Verhütungsmittelforschung am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie (CeRA) an. Erst Anfang des Jahres startete der Forschungsverbund „Contraception.MS“, der ebenfalls neue nicht-hormonelle Verhütungsmethoden erforscht. Während dort unter anderem Ionenkanäle in Spermien im Fokus stehen, nimmt ContraPur den Spermientransport im Hoden in den Blick. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Vorhaben drei Jahre lang mit insgesamt rund drei Millionen Euro.

Das Interesse an einem Wandel der verfügbaren Verhütungsmethoden hat auch gesellschaftliche Hintergründe: Insbesondere bei jüngeren Generationen wächst der Wunsch nach Verhütungsmethoden mit geringeren Nebenwirkungen sowie nach nicht-hormonellen Alternativen. Hinzu kommt der Bedarf an vielfältigeren und gleichberechtigten Optionen, die unterschiedliche Lebensrealitäten, Geschlechter und kulturelle Kontexte berücksichtigen.

Hier setzt das Projekt ContraPur an: Ziel ist es, die zugrundeliegenden molekularen und physiologischen Prozesse im Hoden zu entschlüsseln und langfristig gezielt zu beeinflussen. Perspektivisch könnte es möglich werden, den Spermientransport vorübergehend zu blockieren und Männer zeitweise „unfruchtbar“ zu machen, ohne ihre Fruchtbarkeit dauerhaft zu beeinträchtigen. „Mit ContraPur verfolgen wir einen völlig neuen Ansatz in der Verhütungsforschung“, erklärt Prof. Marc Spehr, Inhaber des Lehrstuhls für Chemosensorik an der RWTH Aachen und Koordinator des Forschungsverbundes. „Wir wollen eine sichere, reversible und nicht-hormonelle Methode entwickeln, die Männern neue Möglichkeiten der Familienplanung eröffnet und gleichzeitig zu einer gerechteren Verteilung der Verantwortung beiträgt.“

Im Zentrum des Forschungsprojekts steht ein bislang wenig verstandener biologischer Prozess, der den Transport von Spermien im Hoden reguliert: die sogenannte purinerge Signalübertragung. Ausgelöst wird dieser Prozess durch das körpereigene Molekül ATP, das vor allem als universelle „Energiewährung“ der Zelle bekannt ist. Neuere Studien aus dem Kreis der Projektbeteiligten zeigen, dass ATP auch eine zentrale Rolle bei der Auslösung von Kontraktionen in den Muskelzellen spielt, die die Samenkanälchen umgeben. Diese Kontraktionen führen dazu, dass reife, aber noch unbewegliche Spermien innerhalb des Hodens transportiert werden. Forschende der beteiligten Universitäten wollen die Gene, Proteine und Mechanismen untersuchen, die an der durch ATP ausgelösten Kontraktion der Peritubulärzellen in der Wand der Samenkanälchen beteiligt sind. Das Projekt ist als eng verzahntes Forschungsprogramm angelegt und umfasst mehrere Teilprojekte.

Zunächst werden genetische und molekulare Grundlagen purinerger Signalwege im menschlichen Hoden analysiert (Teilprojekt 1). Hierfür wird die Expertise in Münster im Hinblick auf Zellbiologie, Genetik und Informatik gebündelt. Angestrebt wird ein Verständnis davon, wie die Kontraktion der Samenkanälchen reguliert wird. Aufbauend darauf untersuchen die Forschenden in experimentellen Modellen die räumlich-zeitlichen Profile der ATP-Freisetzung sowie die zugrundeliegenden Mechanismen (Teilprojekt 2). Weitere Arbeiten widmen sich den Wechselwirkungen zwischen testikulären Peritubulär- und Immunzellen im Hoden (Teilprojekt 3) sowie den Zusammenhängen zwischen der Plastizität von Peritubulärzellen und Veränderungen im purinergen Signalnetzwerk (Teilprojekt 4), die eine Schlüsselrolle beim Spermientransport spielen.

Ein besonderer Fokus liegt zudem auf der Identifikation und Entwicklung potenzieller Wirkstoffe: In späteren Projektphasen sollen Arzneimittel gezielt entworfen, synthetisiert und pharmakologisch getestet werden (Teilprojekt 5).

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