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Innovation in der psychiatrischen Lehre: Mit KI-Avataren zum besseren Arzt-Patienten-Gespräch
Münster (ukm/lwi) - Wie führt man ein psychiatrisches Erstgespräch mit einem Menschen, der unter einer psychischen Erkrankung leidet? Genau das haben jetzt Medizinstudierende der Universität Münster am Universitätsklinikum Münster virtuellen Patientinnen und Patienten geübt. Hinter letzteren steckt Künstliche Intelligenz (KI). Über fünf Tage führten mehr als 160 angehende Ärztinnen und Ärzte videobasierte Erstgespräche mit den KI-Avataren „Frau Mayer" und „Herr Schneider", die typische Symptome einer Angst- beziehungsweise Zwangsstörung schilderten. Das Ziel des Anamnesegesprächs im Lernzentrum „LIMETTE“ ist es, eine der wichtigsten ärztlichen Kernkompetenzen zu stärken: das Gespräch mit Patientinnen und Patienten.
„Wir haben dafür in der Übung zwei relativ häufige Erkrankungsbilder gewählt: eine Angststörung und eine Zwangsstörung. Die Studierenden sprechen mit den Avataren, versuchen, herauszufinden, was das Problem ist, eine Diagnose zu stellen und eine Therapieempfehlung zu geben“, sagt Projektleiterin Miriam Aust, Psychologin und Psychotherapeutin aus dem Bereich Lehrentwicklung in der münsterschen Uniklinik für Psychische Gesundheit.
Das Gemeinschaftsprojekt der Klinik und des Instituts für Ausbildung und Forschungsangelegenheiten (IfAS) der Medizinischen Fakultät stellt damit einen zusätzlichen Baustein zu bisherigen Übungsszenarien dar. „Das Format ist ein didaktisches Tool, ein Skills-Training, das als Ergänzung zu bestehenden Lehrformaten gedacht ist, in dem sich die Studierenden ausprobieren können“, sagt Liah Liethmann, ebenfalls Projektleiterin und im IfAS als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Soziale Kompetenzen in der medizinischen Ausbildung zuständig. „Natürlich gibt es weiterhin Trainings mit Schauspielerinnen und Schauspielern sowie Gespräche mit echten Patientinnen und Patienten.“
Perspektivisch ermöglicht das Format, auch sensible oder seltener auftretende psychiatrische Gesprächssituationen mit allen Studierenden unter vergleichbaren Bedingungen zu trainieren. So lassen sich wichtige Kompetenzen vermitteln, ohne Patientinnen oder Patienten oder Schauspielende zusätzlich zu beanspruchen.
Warum die KI eine gute zusätzliche Unterstützung bietet
Dass nun zusätzlich Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt, hat vor allem zwei Gründe: „Wir haben den Bedarf dafür gespürt, weil die Studierenden oft schon beim Erstkontakt mit realitätsnah spielenden Simulationspatienten gemerkt haben, dass sie eigentlich schon mehr Training für diese Situation gebraucht hätten“, sagt Dr. Helmut Ahrens, Ärztlicher Leiter der „LIMETTE“. Zudem ermöglichen die KI-Avatare gemeinsam mit Lehrenden, die das Gespräch live beobachten, ein umfassendes Feedback in den anschließenden Reflexionsgesprächen – das beurteilt dann nicht nur die „zwischenmenschliche“ Interaktion aus Patientensicht, sondern beinhaltet auch fachlich eine differenzierte und kompetente Rückmeldung.
„Derzeit geben sowohl Mensch als auch Maschine eine Rückmeldung, weil der kollegiale Austausch noch immer etwas anderes ist als das Feedback einer Maschine. Doch die KI-Avatare arbeiten mit einem Prompt, der die aktuellen psychiatrischen Leitlinien und Feedbackregeln kennt und jederzeit freundlich, konstruktiv und zugewandt Verbesserungsvorschläge geben kann. Das ist für einen Menschen in diesem Maße und in dieser Konsistenz auf Dauer nicht möglich“, ordnet Ahrens die Vorteile ein. Seine Vision ist es, Studierende auch zuhause konkrete Szenarien niedrigschwellig und mehrfach trainieren lassen zu können, um sie bestmöglich auf den Berufsalltag vorzubereiten.


