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Imatinib als möglicher Ansatz: Dr. Christian Schmidt-Lauber erhält Promotionspreis für seine Arthritis-Forschung

Prodekan Prof. Peter Preusser (l.) übergab Dr. Christian Schmidt-Lauber die Preisurkunde (Foto: FZ)

Münster (mfm/tw) – Der Promotionspreis der Medizinischen Fakultät der Universität Münster ist an Dr. Christian Schmidt-Lauber verliehen worden. Der 28-jährige befasste sich in seiner Doktorarbeit mit dem Einsatz des Wirkstoffes Imatinib bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis.
Imatinib blockiert die Wirkung bestimmter Enzyme und wird erfolgreich zur Behandlung von Leukämien eingesetzt. Weil Imatinib auch Signalwege blockiert, die bei der rheumatoiden Arthritis – der häufigsten Gelenkentzündung – eine Rolle spielen, könnte es auch hier therapeutisch genutzt werden. Aber: Was in der Theorie und im Reagenzglas funktioniert, hilft bei Patienten nur wenig. „In klinischen Studien konnte die Wirksamkeit, die sich in Laborexperimenten vielversprechend gezeigt hatte, nicht reproduziert werden“, erläutert Schmidt-Lauber. „Dieser Diskrepanz zwischen Erwartung und Ergebnis bin ich auf den Grund gegangen.“
Der Doktorand löste den Scheinwiderspruch auf, indem er untersuchte, wie Imatinib ins Zellinnere gelangt – denn anders als manch anderer Wirkstoff ist Imatinib auf Transportmechanismen angewiesen, um die Zellmembran zu durchdringen. Durch Laborversuche fand der Forscher heraus, dass Imatinib vor allem vom Transportprotein MATE1 ins Zellinnere geschleust wird. Im Reagenzglas funktioniert der Transport unter normalen Bedingungen gut, aber bei einer entzündlichen Situation, wie sie bei der rheumatoiden Arthritis vorliegt, sind weniger MATE1-Proteine vorhanden. Außerdem funktionieren sie bei einer Entzündung nur eingeschränkt.
„Die rheumatoide Arthritis verläuft meistens schubweise“, so Schmidt-Lauber. „Wenn Imatinib am dringendsten benötigt wird, gelangt es nur sehr schwer an den Wirkort. Für den Einsatz strukturell ähnlicher Medikamente ist es wichtig, die Verfügbarkeit am Wirkort zu prüfen. So können Medikamente ausfindig gemacht werden, die bei den umliegenden Bedingungen auch an der richtigen Stelle verfügbar sind.“
Wissenschaftliche Untersuchungen wie die von Schmidt-Lauber misst auch das forschende Pharmaunternehmen Pfizer große Bedeutung zu: „Auf diese Weise können zielgerichtete Therapien zur Behandlung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen weiter optimiert werden“, sagt Priv.-Doz. Dr. Peter-Andreas Löschmann, medizinischer Direktor des Herstellers.  „Junge Forscherinnen und Forscher tragen mit ihrem offenen Blick und innovativen Forschungsansätzen ganz wesentlich zum Erkenntnisgewinn bei. Wir sind stolz, dass wir dieses Engagement unterstützen können“, so Löschmann weiter. Der Promotionspreis wird seit vielen Jahren mit 2.500 Euro von Pfizer dotiert.
Schmidt-Lauber wuchs in Oldenburg auf. Nach dem Abitur ging er zunächst im Europäischen Freiwilligendienst nach Frankreich, anschließend studierte er von 2007 bis 2014 Humanmedizin an der Universität Münster. Während seines Studiums verbrachte er unter anderem ein akademisches Jahr an der amerikanischen University of Massachusetts Medical School. Seit Mai arbeitet Schmidt-Lauber als Assistenzarzt in der Nephrologie (der Fachabteilung für Nierenerkrankungen) des Universitätsklinikums Erlangen.

Video zum Promotionspreis (zum Abspielen anklicken):

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