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Haut zu Hirn: Forscher-Team gelingt Erfolg bei reprogrammierten Zellen

Ausschnitt eines Hirnschnittes, in dem sich eine transplantierte induzierte neurale Stammzelle zwischen den Nervenzellen des Gehirns (blau) integriert und in ein komplexes, voll funktionsfähiges Neuron (grün) entwickelt hat (Abb.: Kathrin Hemmer, LCSB)

Münster (mfm) – Erfolgreiche „Umschulung“: Forschern aus Luxemburg und Münster ist es erstmals gelungen, aus Hautzellen erzeugte Nervenzellen langfristig stabil in das Gehirn von Mäusen zu integrieren. Sechs Monate nach der Implantation waren die Nervenzellen voll funktionsfähig in das Gehirn integriert. Diese erfolgreiche, weil langfristig stabile Implantation von Nervenzellen macht Hoffnung für zukünftige Therapien, bei denen kranke Nervenzellen des Gehirns - wie zum Beispiel bei der Parkinson-Krankheit - durch gesunde Nervenzellen ersetzt werden können. Ihre Ergebnisse haben die Forscher in der Fachzeitschrift „Stem Cell Reports“ publiziert.
Das Team um Prof. Dr. Jens Schwamborn und Kathrin Hemmer begann an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster, die Möglichkeit einer Zellersatztherapie bei neurodegenerativen Erkrankungen voran zu treiben. Nach dem Wechsel der beiden Forscher zum Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) an der Universität Luxemburg im Sommer 2013 blieben die bisherigen Kooperationen bestehen. Kranke und abgestorbene Nervenzellen des Gehirns werden bei dem Projekt durch neue Zellen ersetzt. So sollen Krankheiten wie Parkinson eines Tages geheilt werden. Der Weg zu einer erfolgreichen Therapie beim Menschen ist allerdings lang. „Therapieerfolge beim Menschen sind noch Zukunftsmusik, aber ich bin mir sicher, dass es erfolgreiche Zellersatztherapien geben wird. Unsere Forschungsergebnisse sind ein weiterer Schritt in diese Richtung“, erläutert Prof. Schwamborn, der als Stammzellforscher am LCSB eine Gruppe von 15 Wissenschaftlern leitet.
Mit den aktuellen Versuchen ist es dem Forscherteam gemeinsam mit Kollegen des Max-Planck-Instituts und der Universität in Münster sowie der Universität Bielefeld gelungen, aus Nervenzellen, die zuvor aus Hautzellen reprogrammiert wurden, stabiles Nervengewebe im Gehirn zu erzeugen. Der Trick der Stammzellforscher, Nervenzellen – sogenannte induzierte neuronale Stammzellen (iNSC) – aus körpereigenen Hautzellen im Reagenzglas zu erzeugen, verbessert die Verträglichkeit der implantierten Zellen erheblich.
Die behandelten Mäuse zeigten auch sechs Monate nach der Implantation in die Hirnregionen Hippocampus und Cortex keine nachteiligen Nebenwirkungen – im Gegenteil: Die implantierten Nervenzellen waren in das komplexe Netzwerk des Gehirns voll integriert. Die Nervenzellen zeigten normale Aktivität und waren mit den ursprünglichen Gehirnzellen über neu ausgebildete Synapsen, den Kontaktstellen zwischen Nervenzellen, verbunden.
Die Versuche belegen, dass die Wissenschaftler immer besser verstehen, wie man derartige Zellen behandeln muss, damit sie erfolgreich beschädigtes oder abgestorbenes Gewebe ersetzen können. „Auf den aktuellen Erkenntnissen aufbauend, werden wir uns jetzt gezielt um die Sorte von Nervenzellen kümmern, die bei der Parkinson-Krankheit im Gehirn abstirbt – die Dopamin produzierenden Nervenzellen“, erklärt Schwamborn. In Zukunft sollen implantierte Nervenzellen das fehlende Dopamin direkt im Gehirn der Patienten erzeugen und an die richtigen Stellen transportieren. So könnte es zu einer echten Heilung kommen, die bis heute nicht möglich ist. Erste Versuche an Mäusen dazu laufen bereits in den LCBS-Laboren.

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