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Die Verwandlung: Für Kafkas Klassiker verwandelt sich das Studienhospital Münster erneut in eine Theaterbühne

Szenenfoto aus den Proben (Foto: F+G)

Münster - "Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt." Mit diesem klaren, schnörkellosen Satz beginnt eine der berühmtesten Erzählungen der Weltliteratur. Und genau so geradlinig protokolliert Franz Kafka das weitere Schicksal seines Protagonisten. Das münstersche Theaterensemble „Freuynde + Gaesdte“, bekannt durch seine ungewöhnlichen Spielorte, bringt den Text jetzt auf die Bühne - als Auftakt zum Themenjahr 2014 unter dem Motto "Metamorphosen".
Kafkas tragikomische Geschichte vom kleinen Handlungsreisenden, der über Nacht zum - ja, zum was eigentlich? - zum Käfer, zur Kakerlake, zur gigantischen Milbe mutiert, ist so tiefsinnig wie unterhaltsam, so leichtfüßig wie abgründig. Das Lachen bleibt dem Leser im Halse stecken, und das Mitleid mit dem mutierten Gregor kippt immer wieder in fassungsloses Schmunzeln über die Absurdität der Ereignisse.
Umso glücklicher sind F+G darüber, für diese Inszenierung ein fünfköpfiges Ensemble zusammengestellt zu haben, das Erfahrung im Umgang mit abseitigen Charakteren hat: Gabriele Brüning (Mutter Samsa) ist für Münsteraner Theaterbesucher durch ihre vielschichtigen Porträts grenzgängiger Frauenfiguren von Fräulein Else bis Unica Zürn eine feste Größe. Konrad Haller (Vater Samsa) hat als Gastschauspieler an den Städtischen Bühnen und am Borchert-Theater gewirkt und glänzte im (von ihm geleiteten) Kleinen Bühnenboden unter anderem in der Gangstergroteske "Bunny & Kleidt". Beide sind jetzt erstmals in einem F+G-Stück zu sehen.
Ihnen zur Seite agieren drei bewährte Ensemblemitglieder: Johan Schüling, der nach "Valerio" in Leonce und Lena und "Maaario" in Dantons Tod mit dem mutierten Gregor Samsa einen weiteren Charakter im Niemandsland zwischen Idiotie und Lebensklugheit verkörpert; Anke Winterhoff, die als Gregors Schwester Grete eine ebenso gravierende (wenn auch weniger auffällige) Verwandlung durchläuft; und Ensembleleiter Zeha Schröder, der nicht nur als Regisseur, sondern auch als Erzähler und Strippenzieher im Hintergrund agiert.
Bewährt ist auch der Spielort: Nach der Nahtod-Doku "Mehr Licht" (2011) ist zum zweiten Mal ein F+G-Stück im SimuScape des Studienhospitals Münster der Medizinischen Fakultät zu Gast - eine weitere Fallstudie auf der Grenze zwischen Krankenakte und psychedelischem Erfahrungsbericht.

Details zu den Spielterminen (11.-16.03, 09./10.04., 12./13.04.2014) gibt es hier. Für die März-Aufführungen sind die Vorverkaufskarten bereits vergriffen.

Nachtrag: Theaterkritik der Aufführung in der "Münsterschen Zeitung" vom 12.03.2014

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