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Der Nickelallergie auf der Spur: Forscherteam identifizierte Rezeptor TLR4 als Auslöser

Einer der Autoren der Nickelallergie-Studie: Prof. Johannes Roth

Münster (mfm/tb) – So verlockend er auch glänzt - von ihrem Erbschmuck müssen viele Besitzer buchstäblich die Finger lassen: Allein in Europa leiden nach aktuellen Schätzungen rund 65 Millionen Menschen unter einer Nickelallergie - das entspricht der Einwohnerzahl Frankreichs. Die Wahrscheinlichkeit, dass Großmutters alter Weißgold-Ring das Metall enthält, ist groß; bei Nickelallergikern hinterlässt er dann ein juckendes Ekzem. Wie diese Form der Entzündung entsteht, war lange nicht vollständig geklärt; jetzt haben deutsche Forscher unter münsterscher Beteiligung einen entscheidenden Schritt zur Aufklärung beigetragen. Die neuen Erkenntnisse zur Nickelallergie sind in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Nature Immunology“ erschienen.
„Unsere Studie zeigt erstmals, dass das Nickel einen Rezeptor der so genannten 'angeborenen Immunität' aktiviert, nämlich den /toll-like receptor 4, /abgekürzt: TLR4. Dieser war bislang in erster Linie als Erkennungsstruktur für bestimmte Bakterien bekannt“, erläutert der münstersche Immunologe Prof. Dr. Johannes Roth. Die Bindung an den Rezeptor führt zur Freisetzung von entzündungsfördernden Botenstoffen, in deren Folge auch das spezifische Immunsystem aktiviert wird – was dann wiederum die Bildung eines Ekzems auslöst.
An der Aufklärung dieses Prozesses wirkten verschiedene deutsche Forschungseinrichtungen mit. Eine Gießener Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Matthias Goebeler und Dr. Marc Schmidt (Zentrum für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Justus-Liebig-Universität Gießen) leitete das Verbundprojekt. Die Grundlage dieser Arbeit ist eine fast schon 20 Jahre währende Kooperation von Goebeler und Roth, die während gemeinsamer Forschungsarbeiten an der Universität Münster begann. Roth ist heute Direktor des dortigen Instituts für Immunologie, wo er mit Privatdozent Dr. Thomas Vogl am Projekt mitwirkte. Beteiligt waren außerdem Wissenschaftler aus Mannheim, Freiburg und München.
Eine weitere wichtige Erkenntnis der Studie: Den Wissenschaftlern gelang es, auch die genaue Zielstruktur für Nickel an dem Rezeptor identifizieren. Diese Entdeckung könnte einen Durchbruch bei der Entwicklung neuer Therapien für die bislang nur schwer behandelbare Nickelallergie bedeuten. „Denn jetzt ist es prinzipiell möglich, spezifische TLR4-Hemmstoffe zu entwickeln, welche die Aktivierung des Rezeptors durch Nickel blockieren“, so Prof. Roth. Für die Betroffenen wären entsprechende Therapien auch deshalb eine große Hilfe, weil sie dem tückischen Metall kaum entgegen können. Zwar ist moderner Schmuck meist nickelfrei, doch droht Gefahr beispielsweise von Reißverschlüssen, Knöpfen, Konservendosen, Kosmetika, Nahrungsmitteln und sogar im Portemonnaie – in Form der 1- und 2-Euro-Münzen.
Titel der Publikation:
Schmidt M, Raghavan B, Müller V, Vogl T, Fejer G, Tchaptchet S, Keck S, Kalis C, Nielsen PJ, Galanos C, Roth J, Skerra A, Martin SF, Freudenberg MA, Goebeler M: Crucial role for human Toll-like receptor 4 in the development of contact allergy to nickel. Nature Immunology (im Druck; vorab online zu finden unter: http://dx.doi.org/10.1038/ni.1919)

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