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Das "Paper of the Month" (03/2026) geht an: Dominik Koesling und Claudia Bozzaro aus dem Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin
Für den Monat März 2026 geht das „Paper of the Month“ der Medizinischen Fakultät der Universität Münster an:
Dominik Koesling und Prof. Claudia Bozzaro aus dem Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin:
Chronic pain and unrecognized grief: epistemic barriers to personal and social recognition
McCarroll, CJ; Lin, YT; (…); Bozzaro, C
Mar 2026 | MEDICINE; HEALTH CARE AND PHILOSOPHY
Begründung der Auswahl:
Das Paper adressiert epistemische Barrieren, welche die Berücksichtigung des Zusammenhangs von Trauer und chronischen Schmerz erschweren.
Zu Hintergrund, Fragestellung und Bedeutung der Publikation:
Betroffene von chronischen Schmerzen erleben im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung vielfältige Verlusterfahrungen – vom Arbeitsplatz über soziale Beziehungen bis hin zu Lebensplänen. Die mit derartigen Verlusterfahrungen einhergehende Trauer wird in der Behandlung chronischer Schmerzpatientinnen und -patienten bislang nur unzureichend berücksichtigt.
Gegenstand der Untersuchung ist die komplexe Verbindung von Trauerprozessen und chronischen Schmerzen. In der Analyse wurden vier epistemische Barrieren identifiziert, welche das Erkennen von Trauer bei chronischen Schmerzen behindern. Einige dieser Barrieren betreffen gängige Annahmen darüber, was typische Fälle von Trauer und Schmerz sind. Die getroffenen Annahmen erweisen sich als einseitig und unterschätzen die Komplexität dieser Erfahrungen. Darüber hinaus bestehen weitere Barrieren aufgrund falscher Vorstellungen über die zeitlichen Verläufe von Trauer und chronischen Schmerzen. Zudem ist die fehlerhafte Einordnung von Trauer bei chronischen Schmerzen als Depression zu nennen.
Um die Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzen zu verbessern, kann es hilfreich sein, ihre Trauer anzuerkennen und als solche zu adressieren. Aus diesem Grund wird empfohlen, chronisch Schmerzkranken angemessene psychologische Unterstützung anzubieten, die auch auf ihre Trauerbedürfnisse ausgerichtet ist.
Background and fundamental question of the publication:
Individuals afflicted with chronic pain encounter a broad spectrum of losses associated with their condition, encompassing various aspects of their lives, including professional engagements, social interactions, and future life plans. The grief associated with such losses has thus far been inadequately addressed in the treatment of patients with chronic pain.
The present study focuses on the complex relationship between griefing processes and chronic pain. The analysis identified four epistemic barriers that hinder the recognition of grief in the context of chronic pain. Some of these barriers originate from common assumptions about the conceptualisation of grief and pain. These assumptions are one-sided and fail to acknowledge the complexity of these experiences. Moreover, additional barriers arise from misconceptions about the temporal progression of grief and chronic pain. Furthermore, the erroneous categorisation of grief in the context of chronic pain as depression must be noted.
In order to enhance the quality of care for individuals afflicted with chronic pain, it is imperative to recognise and address their grief in a meaningful manner. Consequently, it is recommended that individuals experiencing chronic pain be offered appropriate psychological support that also addresses their grief-related needs.
Förderung:
Details zu externen Förderern sind in der Publikation aufgeführt.
Die bisherigen ausgezeichneten „Papers of the Month“ finden Sie HIER.
