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Das Eiserne Kreuz als letzter Ausweg: ARTE-Doku über den WWU-Augenarzt Helmut Machemer

Helmut Machemer (Foto: Stadtarchiv Stadtlohn)

Münster (mfm/lt) – „Ich habe euren Vater sehr geliebt“. Das ist das Einzige, was Erna Machemer ihren Söhnen je über die Beziehung zu ihrem Mann Helmut sagen wird. Da sind die Söhne schon lange erwachsen – und der Vater schon lange tot. Helmut Machemer, Forscher und Augenarzt an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster, meldete sich 1939 freiwillig zum Kriegsdienst - nicht aus Vaterlandsliebe oder blindem Gehorsam, sondern vor allem, um seine Familie zu schützen: Seine Frau Erna war Jüdin. In einer Dokumentation hat ARTE die Lebensgeschichte des Arztes, Ehemannes, Vaters und Soldaten Helmut Machemer rekonstruiert. Der Film zeigt eine zerrissene Biografie – und was es wert sein kann, das eigene Leben zu riskieren.

In „Eine Familie unterm Hakenkreuz“ erzählt Hans Machemer, einer der Söhne von Erna und Helmut, von der Beziehung seiner Eltern, festgehalten in unzähligen Briefen, die der Sohn selbst erst lange nach dem Tod seiner Mutter fand. Die Briefe malen das Bild einer innigen Liebe, die an den politischen und sozialen Missständen der 1930er und 1940er Jahre zu zerbrechen droht, denn Erna Machemer war Halbjüdin, was sie unter den Nationalsozialisten zu einer Ausgestoßenen und ihren Mann zu einem „jüdisch Versippten“ macht. Aus Angst, seine Frau und seine drei Söhne zu verlieren, zieht Helmut Machemer als Feldarzt an die Front. Denn es gibt einen Ausweg, und stehen die Chancen dafür auch noch so schlecht – eine „Deutschblütigkeitserklärung“.

Deutsche Reichsbürger können durch den Beweis besonderer Tapferkeit die „Arisierung“ von Familienangehörigen beantragen. Und so zieht der Münsteraner Machemer ins Feld, um dort Orden zu sammeln. Er wird über drei Jahre die Schrecken des Angriffskrieges hautnah miterleben, zahllose Verwundete versorgen und noch mehr Tote sehen. Und am Ende wird er den größten Preis bezahlen. Die Dokumentation „Eine Familie unterm Hakenkreuz“ ist noch bis zum 27. Juli 2021 in der Arte-Mediathek verfügbar.

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