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Ausbau der Forschung, stärkere Vernetzung: Dekan Prof. Schmitz über seine Ziele

Medizin-Dekan Prof. Wilhelm Schmitz

Münster (mfm/tb) – Der Stachel sitzt tief, daraus macht er keinen Hehl, der neue Dekan der Medizinischen Fakultät: Trotz erstklassiger Gutachterbewertung kam der vom Fachbereich maßgeblich mitgetragene CEDAD-Antrag bei der Exzellenzinitiative nicht zum Zuge. Warum er gute Chancen für die nächste Runde sieht und welche Schwerpunkte das Dekanat künftig setzen will, erläutert Prof. Wilhelm Schmitz in der aktuellen Ausgabe des "Pulsschlages". Lesen Sie hier die - im Heft aus Platzgründen gekürzte - vollständige Fassung des Interviews.
Unmittelbar nach Ihrer Wahl zum Dekan haben Sie angekündigt, sich auf den Ausbau der Forschung konzentrieren zu wollen. Gibt es dort also Defizite?
Nein - im Gegenteil. In der Forschung sind wir sehr gut aufgestellt, was auch das Gutachten zum CEDAD-Projekt belegt. Aber die Forschungslandschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert. Einerseits gibt es mehr Wettbewerb, andererseits überall weniger Geld. Dementsprechend müssen wir auch unsere Anstrengungen intensivieren und unser Forschungsprofil weiter schärfen. Und vor allem gibt es eine konkrete Zielmarke, auf die wir hinarbeiten müssen, das ist die dritte und vorerst wohl letzte Runde der Exzellenzinitiative im Jahr 2011.
Wie wollen Sie die Forschung konkret vorantreiben?
Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen. Oberstes Ziel dabei ist eine noch stärkere Vernetzung nach innen und außen, denn wie überall gilt auch in der Forschung, dass man im Team mehr erreicht. So haben wir als Beratungs- und Koordinierungsgremium ein „Scientific Advisory Board“ gegründet, das seine Arbeit bereits aufgenommen hat. Die Mitglieder verfügen über umfangreiche Erfahrungen im Forschungsmanagement, z.B. bei DFG-Begutachtungen. Die Themen des Boards sind vielfältig. In erster Linie geht es um die Vorbereitung des Antrags zur Exzellenzinitiative, aber z.B. auch um die Nachfolge für den Sonderforschungsbereich 293.
Ein großer Schwerpunkt des Dekanats ist auch die Nachwuchsförderung, und die muss schon bei der Promotion ansetzen, denn sie ist meist die „Schnittstelle“ für einen Berufsweg in der Forschung. Wir wollen zudem die Bildung selbstständiger Forschergruppen fördern, die aus eigener Kraft arbeiten, also nicht zwangsläufig an eine Förderung gekoppelt sind. Des Weiteren brauchen wir mehr Möglichkeiten für Mitarbeiter, sich zeitweilig von klinischen Aufgaben freistellen zu lassen, zusätzlich zum bereits bestehenden Programm beim IZKF. Davon versprechen wir uns eine noch stärkere Verzahnung von klinischer und Grundlagenforschung.
Eine weitere Maßnahme ist die Einrichtung eines „Helpdesks“, also einer Stelle, die Wissenschaftler bei der Einwerbung von Drittmitteln unterstützt. Deren Beantragung ist ja fast schon eine Wissenschaft für sich. Umgekehrt planen wir den Ausbau des Bonussystems für erfolgreiche Anträge. Leistung zu fördern und auch anzuerkennen, ist seit Jahren ein erklärter Anspruch der Fakultät.
Schlagen sich diese Ziele auch im Zuschnitt des Dekanats nieder?
Ja. So ist der Forschungsdekan, Herr Prof. Wieacker, explizit auch für die Nachwuchsförderung zuständig. Und die Prodekanin für Struktur und Entwicklung, Frau Prof. Pfeiffer, wird sich verstärkt auch um die geschlechtliche Gleichstellung kümmern. Unsere Fakultät steht hier vergleichsweise gut da, aber der Frauenanteil muss weiter steigen, zumal in Führungspositionen. Daher freut es mich auch besonders, dass dem Dekanat jetzt wieder eine Frau angehört. Neu geschaffen wurde ein Ressort für Bau und Bauplanung, das in Händen von Herrn Prof. Preusser liegt. Hintergrund ist, dass in diesem Bereich in den nächsten Jahren zentrale Entscheidungen anstehen.
Und wenn es 2011 mit dem Exzellenzcluster trotzdem nicht klappt?
Natürlich wäre das eine Enttäuschung, denn um Aussicht auf Erfolg zu haben, müssen wir in vielen Bereichen in Vorleistung gehen, sei es baulich oder bei der Besetzung von Professuren. Aber dazu ist zweierlei zu sagen: Erstens ist der Wettbewerb eine gute Zielmarke, aber auch nicht mehr. Die erwähnten Maßnahmen sind im Prinzip entkoppelt davon; sie bringen uns so oder so voran.
Zweitens beteiligen sich nicht einzelne Fachbereiche an dem Wettbewerb, sondern Hochschulen, wobei für die Auszeichnung als Exzellenz-Universität zwei erfolgreiche Cluster-Anträge notwendig sind. Schon jetzt sprechen wir daher mit medizinnahen Fachbereichen wie Biologie oder Chemie intensiv über mögliche Themen. Auch die dadurch entstehende Vernetzung ist ein Pluspunkt jenseits der Initiative. Im Falle einer Ablehnung meine ich, dass der Verbund versuchen sollte, das Cluster mit eigenen Mitteln zu stemmen.
Kritiker bemängeln, dass die Politik, siehe Exzellenzinitiative, bisher nur die Forschung im Blick habe. Darüber werde die Lehre vernachlässigt.
An unserer Fakultät ganz sicher nicht. Die ist in der Lehre top, vor allem dank unseres reformfreudigen Studiendekans Dr. Marschall. Die stetig steigende Zahl von Bewerbern und die Evaluationen intern wie extern zeigen, dass sich diese Anstrengungen lohnen. Auch hier heißt die Devise natürlich: Stillstand ist Rückschritt. Innovationen wie das Studienhospital werden schnell zum Standard. Den eingeschlagenen Weg müssen wir daher konsequent fortsetzen. Besonderes Augenmerk werden wir dabei, wie schon jetzt, der allgemeinmedizinischen Ausbildung widmen. Und ohne schon Näheres verraten zu wollen: Bereits im kommenden Sommersemester wird es in den Hörsälen eine weitere Neuerung mit bundesweitem Modellcharakter geben.
Das alles sind ehrgeizige Ziele – für die Sie viele Mitstreiter benötigen. Wie wollen Sie die motivieren?
Trotz aller Leistungsanreize: Motivation basiert in erster Linie auf Akzeptanz, und die wiederum auf Transparenz. Wir werden daher auch in der internen Kommunikation neue Wege beschreiten. Konzepte dafür gibt es schon, die sind aber noch nicht spruchreif.
Allein mit Transparenz werden Sie aber keine Top-Leute nach Münster holen können?
Das ist richtig – und gilt besonders auf internationaler Ebene, denn im Ausland wird Spitzenkräften zumeist mehr geboten. Eine noch stärkere Internationalisierung ist aber wichtig und steht daher ebenfalls ganz oben auf der Arbeitsliste.
Erfreulicherweise haben wir heute mehr Spielräume bei der Vertragsgestaltung als früher. Bei einem feststehenden Etat erfordert das zugleich aber Umschichtungen an anderer Stelle. Die logische Konsequenz ist dann z.B. eine verringerte Zahl von Professuren. Dennoch halte ich die Anwerbung exzellenter Köpfe für unabdingbar. Denn die sind wiederum auch ein zentrales Kriterium für Fördergeber, so dass damit letztlich Arbeitsplätze, Finanzen und Strukturen gesichert werden.
Sie sind der erste hauptamtliche Dekan der Medizinischen Fakultät und einer von bisher nur ganz wenigen in Deutschland. Warum diese Neuerung?
Die Anforderungen an das Dekanamt sind stetig gewachsen. Das gilt nicht nur für die Aufgaben der Fakultät selbst, sondern auch für das Kooperationsmodell der Hochschulmedizin, das eine enge Abstimmung von Ärztlichem und Kaufmännischen Direktor sowie dem Dekan erfordert. Diese Anforderungen lassen sich schon zeitlich nicht mehr „nebenbei“ erfüllen. Das sieht auch das Land so und fordert die Fakultäten im Hochschulmedizingesetz NRW zur Einführung der Hauptamtlichkeit auf. Münster war hier Vorreiter, aber die anderen Standorte werden folgen.
Was hat sie persönlich an diesem Amt gereizt?
Ich bin mit Begeisterung Wissenschaftler und werde das auch bleiben. Seit meinem Wechsel nach Münster war ich aber in verschiedenen Funktionen auch immer wieder im Forschungsmanagement tätig, zuletzt als Forschungsprorektor der WWU. Dahinter steht die Auffassung, dass für wissenschaftliche Erfolge passende strukturelle Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen. Meine Erfahrungen in dieser Hinsicht möchte ich im Sinne von Fakultät und Universität in das Dekanamt einbringen.
Abschließend eine visionäre Frage: Wo sehen sie Medizinische Fakultät Münster in zehn Jahren?
Wissenschaft und insbesondere Medizin sind keine Bundesliga. Zudem fehlen bisher stimmige Vergleichskriterien. Gäbe es sie bis dahin: bundesweit unter den Top Ten, eher besser.
Wir danken für das Gespräch.
Das Interview führte Dr. Thomas Bauer.

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