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Vorteile sowohl für Patienten als auch für die Forschung: neues Total-Body-PET-CT offiziell eingeweiht
Die Klinikdirektoren der Nuklearmedizin, Prof. Michael Schäfers (l.), und der Radiologie, Priv.-Doz. Dr. Michael Köhler, vor dem neuen Total-Body-PET-CT. Beide Kliniken arbeiten interdisziplinär zusammen, um die maximale Expertise für PET und CT zusammenzubringen (Foto: UKM/E. Wibberg)
Münster (ukm/lwi) - Es ist die bislang größte Eigeninvestition in ein medizinisches Gerät am Universitätsklinikum Münster (UKM): Am Dienstag hat die Klinik für Nuklearmedizin ihr neues Total-Body-PET-CT mit einem Rundgang samt anschließender Eröffnungsveranstaltung feierlich eingeweiht. Das Gerät in Münster ist eines von aktuell nur fünf in ganz Deutschland.
Was verbirgt sich hinter der Bezeichnung Total-Body-PET-CT? PET steht für „Positronen-Emissions-Tomografie“, die mithilfe injizierbarer, schwach radioaktiver Substanzen, sogenannter Tracer, verschiedene Stoffwechselprozesse und molekulare Signale innerhalb des Körpers sichtbar macht, zum Bespiel zur Erkennung von Tumoren und Metastasen im ganzen Körper. Kombiniert wird das PET mit einem High-End Computertomographen (CT). Dabei werden Schichtbilder der Organe und Strukturen aus dem Körperinneren durch Röntgenstrahlen erzeugt, die mit dem molekularen Signal des PET überlagert werden. Vereinfacht gesagt ermöglicht die Kombination aus PET und CT es also, nicht nur zu sehen, was sich im Körper befindet, sondern auch, was darin wo passiert. Um die maximale Expertise für PET und CT zusammenzubringen, wird das PET-CT am UKM von der Nuklearmedizin gemeinsam mit der Klinik für Radiologie betrieben. Bei letzerer kümmert sich Oberarzt Priv.-Doz. Dr. Philipp Schindler in leitender Funktion um den eigenen Bereich der Hybridbildgebung.
Was ist das Besondere an einem Total-Body-PET-CT? Während in bisher genutzten PET-CT lediglich 15 bis 20 Zentimeter des Körpers in axialer Richtung gleichzeitig abgebildet werden können, deckt das neue Gerät jetzt 106 Zentimeter und damit den Rumpf mit allen inneren Organen einschließlich des Gehirns zeitgleich ab. „Molekulare und zelluläre Prozesse, die wir bisher nur bruchstückhaft erfassen konnten, lassen sich nun im Gesamtsystem Mensch dynamisch und mit beeindruckender Präzision darstellen“, fasst Prof. Michael Schäfers, Direktor der Uniklinik für Nuklearmedizin, die neue Dimension der Technik zusammen. Als diagnostisches Verfahren ist das neueste PET-CT damit von großer Bedeutung für viele medizinische Bereiche, wie etwa die Onkologie, die Neurologie oder die Kardiologie.
Vorteile für die Untersuchten
Für Patientinnen und Patienten bedeutet der Einsatz des Total-Body-PET-CT eine präzisere Diagnostik bei gleichzeitig deutlich geringerer Strahlenexposition sowie enorm verkürzten Untersuchungszeiten – und noch mehr, wie Prof. Philipp Backhaus, Oberarzt und Leiter der Bildgebung der Klinik für Nuklearmedizin, ergänzt: „Gleichzeitig wird auch ein Sprung in der individualisierten, auf den Patienten abgestimmten Therapie möglich, da wir mit einer Ganzkörperverteilung den Erfolg unserer radioaktiven, aber auch anderer Therapien besser steuern und vorhersagen können.“ Zudem ermöglicht das Total-Body-PET-CT eine gezieltere Bewertung des Behandlungserfolgs im Nachgang.
Auch für die klinische Forschung der Universität Münster ergeben sich neue Perspektiven, da komplexe Zusammenhänge im gesamten Körper erstmals ganzheitlich und gleichzeitig sichtbar gemacht werden können. „Die Interaktion zwischen Organen, Zellen und molekularen Signalwegen im gesunden und erkrankten Menschen wird quasi live im ganzen Körper sichtbar“, sagt Schäfers. Er weiß um den großen Fortschritt der Technik. Seit den frühen Tagen des PET in Deutschland, in den 1990er-Jahren, ist er in dem Thema involviert und erinnert sich, dass anfangs nicht einmal ein relativ kleines Organ wie das Herz in Gänze zu erfassen war. „Heute sprechen wir nicht mehr von einem Gesichtsfeld von zehn Zentimetern, sondern von ein bis zwei Metern, verbunden mit völlig neuen mathematischen Modellierungsmöglichkeiten der dynamischen Verteilung der Tracer im ganzen Körper“, sagt Schäfers, der daher nicht nur als Arzt, sondern auch als Wissenschaftler gespannt auf den Beginn dieser neuen Ära am UKM und an der Uni Münster blickt.






