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Vielschichtigem Schmerz besser begegnen: Jan Linnemann erhält Möller-Promotionspreis
Münster (mfm/jg) – Tumorinduzierte Knochenschmerzen sind eines dieser Leiden, die in fast alle Bereiche des Lebens ausstrahlen: Neben den Schmerzen haben viele Betroffene unter anderem Schlafprobleme oder ändern soziale Verhaltensweisen. Derzeitige Therapieoptionen können bei tumorinduzierten Knochenschmerzen und ihren mannigfaltigen Folgen mitunter nur unzureichend helfen – was auch an einer eingeschränkten Übertragbarkeit von Daten aus der präklinischen Forschung in die klinische Praxis liegt. Dr. Jan Linnemann hat in seiner Doktorarbeit ein komplexes Modell entwickelt, das schmerzassoziierte Verhaltensweisen im Rahmen präklinischer Schmerzzustände im Tiermodell umfangreicher abbildet. Dafür hat er den Promotionspreis der Maria-Möller-Stiftung inklusive 1.000 Preisgeld erhalten.
„Knochenschmerzen, die durch Metastasen hervorgerufen werden, überkommen die Betroffenen oft als durchbruchartige quälende Attacken“, erläutert Linnemann. „Die Patientinnen und Patienten sind häufig in ihrem Alltag und ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt.“ Dass Schmerzen dieser Art die klinische Behandlung vor Probleme stellt, ist nach Auffassung von Schmerzforschenden auch den herkömmlichen Methoden der präklinischen Forschung geschuldet: So beruhen die Studien, die mit Nagetieren durchgeführt werden, oft auf reflex-basierten Verhaltensanalysen. Das heißt: Der Schmerz wird lediglich anhand einer körperlichen Reaktion, zum Beispiel auf die Stimulierung einer verletzten Extremität, gemessen.
„Dabei handelt es sich insbesondere bei Ratten um emotional intelligente Tiere – mit denen wir neben weiteren komplexen Verhaltensweisen beispielsweise Sozialverhalten untersuchen können“, so der Preisträger. Diesen Fakt machte er sich zunutze: „Per Video haben wir die dämmerungsaktiven Tiere in einem Homecage-System aus Plexiglas in ihrem gewohnten Umfeld beobachtet.“ So konnte das Forschungsteam, dem Linnemann angehörte - die Arbeitsgruppe „Translationale Schmerzforschung“ von Prof. Esther Pogatzki-Zahn an der Uniklinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie - analysieren, wie sich das Ruheverhalten oder die soziale Teilhabe durch die Krankheit verändert. „Natürlich lassen sich diese Parameter nicht ohne Einschränkung auf den Menschen übertragen. Aber wir konnten durch sie ein umfangreicheres Bild zum individuellen Schmerzzustand der Nager erhalten.“
Der nächste Schritt könnte nun darin bestehen, die modernen Methoden für die Untersuchung der Wirksamkeit verschiedener Schmerzmedikamente im präklinischen Kontext zu verwenden. Dieser Aufgabe wird sich aber jemand anderer stellen müssen: Linnemann selbst hat sich vorerst für die medizinische Praxis entschieden. Bei den Kliniken der Stadt Köln arbeitet er als Unfallchirurg und Notarzt.
Der Promotionspreis der Maria-Möller-Stiftung würdigt im Semestertakt die beste onkologische Doktorarbeit, die an der Medizinischen Fakultät der Universität verfasst wurde. Die Auswahl der zu prämiierenden Studie überlässt die Stiftung, die Dr. Gerd Möller 2005 im Andenken an seine Frau gründete, einer Fachjury aus der münsterschen Uni-Medizin.
