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Der richtige Augenblick für neuartige Kunststoffe: Seraphine Wegner erhält hohe „Momentum“-Förderung

Leitet am Institut für Physiologische Chemie und Pathobiochemie eine eigene Arbeitsgruppe: Prof. Seraphine Wegner (Foto: R. Schleutker)

Hannover/Münster - Mit ihrer „Momentum“-Förderung für Erstberufene gibt die Volkswagen-Stiftung Professorinnen und Professoren neue Spielräume: Sie unterstützt die Forschenden dabei, Strategiekonzepte, die Forschung und forschungsbasierte Lehre inhaltlich und strategisch weiterentwickeln. Zu den zwölf Geförderten der aktuellen Bewilligungsrunde gehört auch eine Professorin der Universität Münster: Seraphine Wegner vom Institut für Physiologische Chemie und Pathobiochemie. Sie erhält 940.000 Euro für die Entwicklung neuartiger Kunststoffe.

Im Wissenschaftsalltag bleibt oft wenig Zeit, um innezuhalten und die eigene Professur strategisch weiterzudenken. Hier setzt das Förderprogramm „Momentum – Förderung für Erstberufene“ der Volkswagen-Stiftung an. Das Angebot richtet sich an Universitätsprofessorinnen und -professoren, bei denen der Antritt ihrer ersten Lebenszeitprofessur drei bis fünf Jahre zurückliegt. In Bezug auf die Fachdisziplin ist das Programm nach allen Seiten offen.

„Momentum“ unterstützt keine einzelnen Forschungsprojekte, sondern Ideen, wie eine Professur sich fachlich und strategisch weiterentwickeln kann. Finanziert werden können dafür je nach Vorhaben zum Beispiel zusätzliche Sach- und Geräteausstattung, Personalmittel für Postdocs, technische Mitarbeitende und studentische Hilfskräfte, Auslandsaufenthalte, neue forschungsbasierte Lehrformate sowie Wissenschaftskommunikation. „Wir wollen die Geförderten genau in dem Moment stärken, in dem sie ihre Professur wirklich prägen können – mit Zeit, Ressourcen und dem Rückenwind, auch Risiken einzugehen“, sagt Dr. Selahattin Danisman, Förderreferent der Volkswagen-Stiftung.

Bei Seraphine Wegner fließen die Mittel in das Vorhaben „Enzyme-Embedded Synthetic Cells enabling Environmental Self-Degradation of Microplastics“. Es geht um Kunststoffe. Die sind inzwischen überall zu finden - und genau das ist das Problem: Sie werden kaum biologisch abgebaut, sondern zerfallen oft zu Mikroplastik, das in der Umwelt bleibt. Prof. Wegner will deshalb ein neues Kunststoffmaterial entwickeln. Dafür kombiniert sie ihr Wissen über künstlich nachgebaute, stark vereinfachte Zellsysteme mit ihrer Expertise aus der Material- und Nanoforschung. Sie will einen Kunststoff entwickeln, in dem plastikabbauende Enzyme in winzigen "Kapseln" stecken. Solange der Kunststoff intakt ist, bleiben die Enzyme eingeschlossen und inaktiv. Erst wenn der Kunststoff zu Mikroplastik zerfällt und mit Wasser in Kontakt kommt, öffnen sich die Kapseln: Die Enzyme werden aktiv und bauen das Plastik ab.

"Momentum"-Förderung

"Momentum" bezeichnet einen entscheidenden Augenblick und ist zugleich die englische Bezeichnung der physikalischen Größe für Impuls. In diesem Sinn sind mit dieser Initiative Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer frühen Phase nach der Berufung adressiert. Ziel ist es, ihnen in dieser Karrierephase Möglichkeiten zur inhaltlichen und strategischen Weiterentwicklung ihrer Professur zu eröffnen.

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