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Praxisnähe im doppelten Sinn: „Forschungspraxis“ der Uni Münster soll hausärztliche Versorgung optimieren
In der Forschungspraxis des münsterschen Instituts für Allgemeinmedizin hat die „GinDidi-Studie“ als Pilotprojekt begonnen. Erste Untersuchungsergebnisse kann das Betreuerteam unter Leitung von Prof. Tanja Grammer (r.) bereits gemeinsam begutachten (Foto: Uni MS/E. Wibberg)
Münster (mfm/ajs) – Wer besonders gefährdet ist, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln, soll künftig besser betreut werden. Wie das gelingen kann, untersucht die Universität Münster jetzt mit einer neuen Studie, der „Gesundheitsuntersuchung mit intelligenter Diagnostik und digitaler Unterstützung“, kurz: GinDidi. Mit diesem Vorhaben fällt zugleich der Startschuss für die neu eingerichtete „allgemeinmedizinischen Forschungspraxis“ – ein Großprojekt der Uni, das darauf abzielt, die hausärztliche Betreuung von Patientinnen und Patienten in verschiedenen Feldern zu optimieren.
Die zwölfmonatige GinDidi-Studie schließt als Pilotprojekt 36 Patientinnen und Patienten ein. Sie sollen auf ihre Anfälligkeit gegenüber Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen hin gecheckt werden; dafür wurden explizit Menschen mit erhöhtem Risiko ausgewählt. Über die GinDidi-Studie hinaus sollen in der „allgemeinmedizinischen Forschungspraxis“ in den kommenden Jahren weitere Untersuchungen herausfinden, welche Anpassungen und Reformen im Praxisalltag besonders sinnvoll sind. Ein Hintergrund der vom Institut für Allgemeinmedizin der Universität Münster (IAM) betriebenen Einrichtung ist, dass die Realität hausärztlicher Praxen in bisherigen Studien nur selten realitätsnah abgebildet wurde. Durch die buchstäblich patientennahe „Forschungspraxis“ soll sich das ändern. Anders als in einer regulären Hausarztpraxis können sich Patientinnen und Patienten bei dem Projekt vorerst nicht selbst vorstellen: Untersucht und behandelt werden sie in wissenschaftlichen Studien.
Buchstäbliche Praxisnähe entsteht auch durch das große Netzwerk von hausärztlichen Praxen, mit denen das Institut für Allgemeinmedizin kooperiert: Insgesamt sind es rund 150 „Forschungspraxen“, die sich quer durch das gesamte Münsterland von Ahaus nahe der niederländischen Grenze bis ins südöstliche Oelde erstrecken. Die in verschiedenen Studien aktiven Praxen bilden somit das gesamte Spektrum von Großstadt bis Landgemeinde ab. Neue Ansätze können mithilfe dieses Netzwerks nicht nur erprobt, sondern anschließend auch direkt in die hausärztliche Versorgung übertragen werden. Unter bestimmten Bedingungen können Patientinnen und Patienten der angedockten Hausarztpraxen an den Studien teilnehmen. Auch für die forschungsaktiven Standorte erwachsen aus der Kooperation Vorteile: Sie haben die Möglichkeit, neue Konzepte in Diagnostik, Prävention, digitaler Unterstützung und Gesprächsführung frühzeitig kennenzulernen – und die eigene Arbeit wissenschaftlich begleiten zu lassen.
Besonders im Fokus steht bei dem Gesamtprojekt die Gesundheitsprävention: „Unser Ziel ist es, mit innovativen Konzepten Menschen zu einem möglichst langen, aktiven und zufriedenen Leben zu verhelfen“, sagt Prof. Tanja Grammer, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin. „Gesunde Lebensführung und gute ärztliche Betreuung können die Lebensdauer um rund zehn Jahre erhöhen“, berichtet die Expertin.
Um die hausärztliche Betreuung zu verbessern, sollen neben modernen Untersuchungen auch Schulungen in zwischenmenschlichen Kompetenzen stattfinden. So wird die Gesprächsstrategie des „Motivational Interviewing“ auch in der gerade angelaufenen GinDidi-Studie erprobt. Der Ansatz zielt darauf ab, im Kontakt zwischen dem medizinischen Personal und den Behandelten Hierarchien zu minimieren und gemeinsam zu überlegen, wie etwa die Lebensführung gesünder gestaltet werden kann. „Menschen sollen derart dazu angeregt werden, ihr Verhalten und ihre Lebensgewohnheiten aus eigener Motivation heraus zu verbessern und selbst positiven Einfluss auf die Gesundheit zu nehmen“, erläutert Prof. Grammer.
Untergebracht ist die Forschungspraxis aus logistischen Gründen im Erdgeschoss der HNO-Klinik der Uniklinik. Hier steht für die GinDidi-Studie sowie für alle anstehenden Forschungsprojekte eine moderne medizinische und IT-Infrastruktur zur Verfügung. Dazu zählen zum Beispiel spezielle medizinische Körperanalysegeräte zur Bestimmung der Körperzusammensetzung mittels bioelektrischer Impedanzanalyse sowie ein Ultraschallgerät für Gefäßuntersuchungen. Bei den ersten GinDidi-Probanden ist das Feedback positiv: „Als Risikopatientin für Schlaganfälle und Herzinfarkte finde ich es bereichernd, genauere Informationen über meinen Gesundheitszustand zu bekommen und zugleich einen Beitrag zur Verbesserung der hausärztlichen Versorgung zu leisten“, so die Patientin und Probandin Andrea Ueing.



