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„Ein Traum wird wahr“: NRW-Ministerin Brandes eröffnet Forschungsneubauten der Universitätsmedizin Münster

In Anwesenheit von Ina Brandes (3.v.l.), Kultur- und Wissenschaftsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, wurden heute die Forschungsneubauten MedForCe und BBIM offiziell in Betrieb genommen. Prof. Claudia Rössig (stv. Ärztliche Direktorin des UKM), Dekan Prof. Frank Ulrich Müller, Oberbürgermeister Tilman Fuchs, Prof. Alex W. Friedrich (Ärztlicher Direktor des UKM), Rektorin Prof. Susanne Menzel-Riedl und Dr. Christoph Hoppenheit (Kaufmännischer Direktor des UKM) freuten sich mit dem Gast aus Düsseldorf über die fristgerechte Fertigstellung (v.l.n.r.; Foto: Uni MS/F. Kochinke)

BBIM (vorderer Kubus) und MedForCe (hintere drei Kuben) aus der Vogelperspektive

Münster (mfm/tb) – Für die Grundsteinlegung ging es zehn Meter in die Tiefe, für das Richtfest 17 Meter in die Höhe. Nach sechs Jahren Bauzeit sind die beiden großen Forschungsneubauten der Universitätsmedizin Münster nun auf dem vorgesehenen Niveau angekommen: Im Erdgeschoss des rund 16.500 qm Nutzfläche umfassenden Ensembles nahm heute [08.10.] Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die offizielle Eröffnung des Medizinischen Forschungs-Centrum, kurz MedForCe, und des Body & Brain Institute Münster (BBIM) vor. In die Errichtung der beiden miteinander verbundenen Gebäude flossen rund 250 Millionen Euro, an denen sich – eine Seltenheit in der föderalen deutschen Wissenschaftslandschaft – auch der Bund beteiligte.

Domagkstraße 24 und 40 lauten die neuen postalischen Adressen für ein Dutzend Forschungsgruppen, die Institute für Medizinische Mikrobiologie, für Hygiene, und für Virologie, dazu für das Humangenetik-Centrum und weitere Einrichtungen wie die Zentrale Biobank. Rund 700 Mitarbeitende des Universitätsklinikums Münster (UKM) und der Universität Münster arbeiten schon jetzt im MedForCe und im BBIM – und somit in hochmodernen Laboren und Büros. Mindestens 200 weitere kluge Köpfe werden ihnen noch folgen. 

Ina Brandes MdL, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen: „Mit MedForCe und dem Body and Brain Institute entstehen in Münster optimale Voraussetzungen für medizinische Spitzenforschung. Rund 900 Forscherinnen und Forscher werden hier künftig gemeinsam an den großen Fragen der Medizin arbeiten – von Infektions- und Krebsforschung bis zu neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen. Besonders wichtig ist die unmittelbare Nähe von Forschung und Klinik: Neue Erkenntnisse sollen möglichst schnell bei den Patientinnen und Patienten ankommen. Genau deshalb investiert das Land Nordrhein-Westfalen 216 Millionen Euro gezielt in moderne Forschungsgebäude und Freiräume für exzellente Forschung. Ich bin überzeugt: MedForCe und BBIM werden den Wissenschafts- und Medizinstandort Münster nachhaltig stärken und den Menschen in Nordrhein-Westfalen und weit darüber hinaus zugutekommen.“

Über die Ein- und Umzüge in das aus vier Kuben bestehende Ensemble am Coesfelder Kreuz freut sich vor allem Prof. Frank Ulrich Müller, denn die Medizinische Fakultät, der er als Dekan vorsteht, zeichnet im Konstrukt der Universitätsmedizin Münster verantwortlich für Forschung und Lehre. Das BBIM dient ausschließlich Forschungszwecken, das MedForCe überwiegend. „Mit der neuen Infrastruktur finden nicht nur langjährige Kompromisse ein Ende: Es werden Synergien geschaffen, die die hiesige medizinische Forschung ganz erheblich nach vorne bringen werden“, freut sich der Dekan auf wegweisende wissenschaftliche Arbeiten aus den Neubauten. Müllers Fazit: „Für die medizinische Forschung am Standort wird ein Traum wahr“.

Das Land Nordrhein-Westfalen hat knapp 216 Millionen Euro für Bau und Ersteinrichtung der beiden Gebäude investiert, der Bund beteiligt sich mit rund 32 Millionen Euro an der Errichtung des BBIM. Eine solche seltene „Mischfinanzierung“ gibt es nur für Projektanträge von herausragender Bedeutung – diese konnten die Initiatoren nachweisen: Einem Konsortium von zehn Forschenden der Universität Münster ist es ab 2017 gelungen, mit ihrem innovativen Konzept zunächst ein Votum des Wissenschaftsrates und in dessen Folge eine gemeinsame Förderung zu bekommen. Der interdisziplinäre Ansatz des BBIM setzt auf Translation, also auf kurze, schnelle Wege vom Krankenbett zum Labor und zurück. Fragestellungen, die bei Patienten auftauchen, sollen unmittelbar in die Forschung einfließen.

Im BBIM stehen die Wechselwirkungen zwischen Hirn und Körper inhaltlich im Fokus; untersucht werden diese anhand von Krankheitsbildern, die sich als „Modellerkrankungen“ besonders gut eignen, typische Ursachen und Prozesse vertiefend zu erforschen. Beispiele sind die Multiple Sklerose, Autoimmunenzephalitiden (vom eigenen Immunsystem verursachte Entzündungen des zentralen Nervensystems) sowie Angststörungen. 

Im MedForCe gibt es keine thematischen Vorgaben, hier vergibt die Fakultät sogenannte „Forschungsverfügungsflächen“ an Arbeitsgruppen, die sich in internen Wettbewerbsverfahren durchgesetzt haben. Nach bestimmten Fristen wird geprüft, ob die Arbeitsergebnisse den Ankündigungen entsprechen – nur dann wird die „Vermietung“ verlängert.

„Kurze Wege“ ist wie bei der neuen Forschungsinfrastruktur auch ein Schlüsselbegriff bei dem Nutzen, den die Krankenversorgung am UKM aus den Neubauten zieht. Fachdisziplinen, die thematisch eng miteinander verwandt sind und für die kollegialer Austausch wichtig ist, werden im MedForCe endlich Nachbarn, nachdem sie jahrzehntelang getrennt und durch eine bis zu hundert Jahre alte Bausubstanz gehandicapt waren. Prof. Alex W. Friedrich, Ärztlicher Direktor des UKM, brachte die Vorteile bei der Eröffnung auf den Punkt: „Mit dem MedForCe rücken Forschung, spezielle Labordiagnostik und klinische Versorgung enger zusammen als je zuvor. Die hochmoderne Infrastruktur und die räumliche Nähe der verschiedenen Fachdisziplinen schaffen optimale Bedingungen, um wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in eine noch bessere Versorgung unserer Patientinnen und Patienten umzusetzen. Damit stehen auch Spezialuntersuchungen und Expertise der Universitätsmedizin für alle Partner in unserer Versorgungsregion aus einem Guss zur Verfügung.“

Mit dem MedForCe und BBIM finden Planungen ihren (Teil-)Abschluss, die weit zurückreichen - bis in die Achtziger. In diesem Jahrzehnt wurde das „neue“ Universitätsklinikum fertiggestellt, das aus Kostengründen aber unvollendet blieb. So entstanden nur zwei statt der ursprünglich vier geplanten Türme. Immer neue Umbauten, Anbauten, Container-Lösungen und Anmietungen mussten die Raumnot lindern. Mit einem Neubau an der Kreuzung Ring/Hüfferstraße sollten einige der Defizite angegangen werden. Dort stehen heute Wohnblöcke und nicht Labore, denn alle Einzelplanungen haben das UKM und Medizinische Fakultät in einen übergeordneten „Masterplan“ integriert. Der sah und sieht vor, den Campus, wo immer möglich, nach funktionalen Kriterien neu zu gliedern und so Synergien zu erzeugen.

Für das Grundstück gegenüber der Mensa am Coesfelder Kreuz sah der Plan den neuen „Forschungs-Campus Ost“ vor. Dort befand sich nur ein Schotterparkplatz, der sich nach jedem Regen in eine Seenlandschaft verwandelte. Ein Grundstückstausch machte den Weg frei für die Überplanung der Wüstenei und im Januar 2020 fiel mit dem 1. Spatenstich der Startschuss. Von den Teilnehmenden konnte niemand voraussehen, welche Herausforderungen noch auf das Projekt warteten: So wurde zwei Wochen nach der Veranstaltung die erste SARS-CoV-2-Infektion in Deutschland diagnostiziert. Durch innovative Vertragsgestaltungen und vorausschauende Projektsteuerung schafften es das UKM sowie das verantwortlich zeichnende Tochterunternehmen UKM IM GmbH, die Vorhaben auf Kurs zu halten: „Trotz Pandemie, Lieferengpässen und Preissteigerungen haben wir das MedForCe und BBIM im vorgesehenen Zeit- und Kostenrahmen realisiert“, betont Dr. Christoph Hoppenheit, Kaufmännischer Direktor des UKM – und weist noch auf einen anderen Aspekt der Baumaßnahme hin. „Gemeinsam mit den benachbarten Bauten - dem Studienlabor und dem Servicezentrum - markiert das Ensemble eine wichtige städtebauliche Weiterentwicklung am Coesfelder Kreuz. Die Neubauten verändern die Zufahrt zum Campus sichtbar und verleihen der Universitätsmedizin Münster ein neues Gesicht.“

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