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Nano-Partikel als Wirkstoff-Träger: Ina Friedrich erhält Promotionspreis der Maria-Möller-Stiftung
Münster (mfm/ajs) – Wie lassen sich Immunzellen in einem bösartigen Tumor so „umprogrammieren“, dass sie den Tumor gezielt von innen bekämpfen? Mit diesem Thema hat sich die münstersche Nachwuchsforscherin Dr. Ina Fredrich in ihrer Dissertation beschäftigt. Zehn Monate lang arbeitete die 28-jährige dafür in einem Labor in Boston an einer speziellen Form der Krebstherapie. Ihre Doktorarbeit „Highly active myeloid therapy for cancer“ im Bereich der Onkologie wurde nun von der Medizinischen Fakultät der Universität Münster mit dem Promotionspreis der Maria-Möller-Stiftung ausgezeichnet. Der Award ist mit 1.000 Euro dotiert
Bei der Entwicklung der Krebstherapie war ein Prozess besonders zentral: Im Labor setzten die Forschenden verschiedene therapeutische Wirkstoffe in winzige Nano-Partikel ein. Diese Partikel können anschließend gezielt ins Blut eingebracht werden, wodurch sie sich dann im Tumor ansammeln. Dort werden die Nano-Partikel mitsamt der passenden Therapie von Immunzellen aufgenommen – und können so deren „Verhalten“ verändern. Ziel ist es dabei, möglichst viele der Abwehrzellen gegen den Krebs zu aktivieren.
In Ina Fredrichs Forschungsarbeit erwies sich eine Kombination aus drei unterschiedlichen Substanzen als besonders effektiv bei der „Umprogrammierung“ der Abwehrzellen. Sie und ihr Team testeten diese Zusammensetzung zunächst in einer Zellkultur. Anschließend wurde die Therapie in präklinischen Studien auch bei erkrankten Mäusen angewandt – mit vielversprechenden Ergebnissen. „Die neue Therapie praktisch anzuwenden und in einigen Fällen Erfolge zu sehen, hat uns ein sehr gutes Gefühl gegeben“, so Fredrich. In der Onkologie könnte die Therapie vielseitig Anwendung finden: Fredrich testete das Verfahren bei den Mäusen an zwei Tumormodellen, die von einem Darm- und von einem Lungenkrebs abstammten. In einem Nachfolgeprojekt gelang die Anwendung auch bei einem Gehirntumor.
Krebserkrankungen sind in Deutschland nach wie vor eine häufige Todesursache: Allein im Jahr 2024 starben laut dem Statistischen Bundesamt 230.400 Menschen in Deutschland an Krebs. Ina Fredrich und ihr Team hoffen, dass die von ihnen gewonnenen Erkenntnisse in Zukunft auch in weiteren Projekten der Onkologie Anwendung finden. Mittlerweile ist die Doktorandin wieder in Münster. Derzeit schreibt sie die Masterarbeit für ihr zusätzliches Studium der Experimentellen Medizin. Für den anschließenden Berufsstart hat sie schon klare Pläne: „Ich hoffe, nach meinem Abschluss im Herbst in der Forschung bleiben zu können – am liebsten im Bereich der Radiologie.“
Seit 2008 zeichnet die Maria-Möller-Stiftung zweimal jährlich herausragende Dissertationen von Studierenden der münsterschen Medizinischen Fakultät aus, welche sich mit onkologischen Themen befassen. Der Rechtsanwalt Dr. Gerd Möller gründete die Stiftung in Gedenken an seine Frau Maria, die 2006 an Brustkrebs starb. Durch den Promotionspreis will die Stiftung sowohl Impulse für die Krebsforschung geben als auch Fortschritte auf dem Gebiet der Onkologie würdigen.
