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KI ergänzt CT: Ohnehin erfasste Werte sagen Überleben nach Eingriff bei Leberzirrhose voraus

Freude am CT-Gerät: Das Forschungsteam mit Erstautor Christian Römer (M.), das den „Best Scientific Paper Award“ der CIRSE gewonnen hat (Foto: Uni MS/E. Wibberg)

Münster(mfm/jg) – Das sind TIPS, die wirklich helfen: Hinter der Abkürzung verbirgt sich ein „transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt“, den Patientinnen und Patienten erhalten, die an einer Leberzirrhose mit Pfortaderhochdruck leiden. Aus der Computertomographie, die vor dem Eingriff ohnehin durchgeführt wird, ermittelt eine KI-Software Daten zur Körperzusammensetzung. Mit ihnen lassen sich die Überlebenschancen der Person nach dem Eingriff vorhersagen, wie Forschende der Universität Münster herausgefunden haben. Die Studie wurde jetzt auf dem Kongress der Cardiovascular and Interventional Radiological Society of Europe (CIRSE) in Kopenhagen – dem weltweit größten Treffen der interventionellen Radiologie – mit dem „Best Scientific Paper Award“ ausgezeichnet. Der Preis geht damit erstmals nach Münster.

Bei einer Leberzirrhose vernarbt das Lebergewebe zunehmend. Dadurch kann der Druck in der zur Leber führenden Pfortader steigen und es drohen lebensgefährliche Blutungen. Abhilfe schafft der TIPS: Interventionelle Radiologen setzen bildgesteuert einen Stent ein, der als Kurzschluss durch die Leber den Druck senkt. Bevor der TIPS eingelegt wird, erhalten die Patientinnen und Patienten eine CT-Untersuchung des Bauchraums, mit der der Eingriff geplant wird: „Dabei werden nicht nur Bilder des Körperinneren angefertigt“, erläutert Christian Römer, Erstautor der Studie. „Aus den Aufnahmen kann eine KI-Software zudem automatisch Muskeln, Fettgewebe und Organe im ganzen Körper vermessen. In der Studie sind wir der Frage nachgegangen, ob diese Werte den Krankheitsverlauf nach der Einsetzung des TIPS prognostizieren.“

Die Antwort lautet „ja“: In seiner Studie hat das Team bei mehr als 300 Patientinnen und Patienten der münsterschen Uniklinik festgestellt, dass sie länger überlebten, wenn ein geringerer Anteil ihres Bauchfetts in und zwischen den Muskeln lag. Das galt unabhängig von Alter, Geschlecht und dem bei Leberkrankheiten üblicherweise erhobenen MELD-Score. „Das Lebervolumen hingegen war der einzige Wert, der ein späteres Versagen des Shunts vorhersagte“, so Römer. „Das war unerwartet. Die Ursache ist noch offen, aber wir erforschen sie bereits.“

Für die Methode ist keine zusätzliche Untersuchung nötig, da die CT-Bilder vor dem Eingriff ohnehin erstellt werden. „Künftig könnten die Daten mit im Radiologie-Befund stehen, um Risikopatientinnen und -patienten früher zu erkennen und die Nachsorge anzupassen“, denken Römer und das Forschungsteam bereits über den bestmöglichen Einsatz im klinischen Alltag nach. Zuvor muss das Ergebnis der Studie noch an anderen Zentren bestätigt werden. Die Studie entstand in Zusammenarbeit der Klinik für Radiologie und der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie (Medizinische Klinik B) des Universitätsklinikums Münster.

Die CIRSE hat ein Interview mit Römer zu den Hintergründen der Studie veröffentlicht: https://www.cirse.org/publications/cirse-insider/best-paper-award-winner-cirse-2026/

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