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Interreg-Forschungsprojekt entwickelt Robotik für komplexe Gefäßverschlüsse
Münster (ukm/lwi) - Chronische Gefäßverschlüsse (Chronic Total Occlusions, CTO) verursachen weltweit jährlich mehr als 100.000 Todesfälle und rund sechs Millionen nicht tödliche Komplikationen. Neue Technologien können dazu beitragen, medizinische Eingriffe in diesem Feld sicherer, präziser und schonender zu gestalten. Bereits seit Februar arbeiten verschiedene Partner aus Deutschland und den Niederlanden im Projekt ORION (Occlusion Recanalization with Intelligent Optical Navigation) gemeinsam an einer innovativen Lösung für die Behandlung komplexer Gefäßverschlüsse. Das auf drei Jahre angelegte Forschungs- und Entwicklungsprojekt verfügt über ein Gesamtvolumen von 2,7 Millionen Euro und wird aus dem Förderprogramm Interreg VI A Deutschland-Nederland finanziert.
Ende Juni hat das Kick-Off im Universitätsklinikum Münster (UKM) stattgefunden. Anlässlich des Projektstartes hat das Konsortium, bestehend aus Medizinische Fakultät der Universität Münster, UKM, beemo GmbH, Benchmark Electronics B.V., FH Münster, Flux Robotics B.V. und Stichting Saxion, die nächsten Schritte abgestimmt.
Im Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit der internationalen Partner aus Forschung, Gesundheitswesen und Medizintechnik steht die Entwicklung neuer technologischer Ansätze für die Behandlung von CTO. Deren Therapie stellt Ärztinnen und Ärzte häufig vor große Herausforderungen. Aktuell werden oftmals starre Führungsdrähte manuell durch stark verkalkte Gefäße geführt – ein komplexes Verfahren, das mit Risiken wie Gefäßverletzungen oder erfolglosen Eingriffen verbunden sein kann. Mit ORION wird ein neuer technologischer Ansatz angestrebt. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Robotersystems, das speziell auf die sichere und präzise Behandlung von CTO ausgelegt ist. Die Technologie verbindet moderne Bildgebung, künstliche Intelligenz und robotische Unterstützung. Basierend auf CT-Aufnahmen wird ein dreidimensionaler Behandlungspfad erstellt und in Echtzeit mit Live-Röntgenbildern kombiniert. So soll ein flexibler Mikrokatheter magnetfeldgesteuert durch die betroffenen Gefäßbereiche navigiert werden.
Erste präklinische Daten deuten auf viele mögliche Verbesserungen hin: Das neue Verfahren könnte das Risiko von Gefäßverletzungen deutlich senken, die Dauer der Eingriffe reduzieren und gleichzeitig die Strahlenbelastung für Patientinnen und Patienten sowie medizinisches Personal erheblich verringern.
„Dieses neue Verfahren hat das Potenzial, die Behandlung komplexer Gefäßverschlüsse zu revolutionieren“, sagt Prof. Alexander Oberhuber, unter dessen Leitung das System in den kommenden drei Jahren technologisch weiterentwickelt und umfassend validiert werden soll. Neben dem medizinischen Fortschritt stehen dabei auch die Vernetzung sowie die Stärkung grenzüberschreitender Zusammenarbeit im Fokus.
„Das ORION-Projekt zeigt, welches Innovationspotenzial entsteht, wenn Wissenschaft, Medizin und Wirtschaft ihre Expertise über Ländergrenzen hinweg zusammenbringen. Gemeinsam stärken wir so aus der deutsch-niederländischen Region heraus die Innovationskraft, schaffen die Grundlage für medizinische Lösungen von morgen und bieten Patientinnen und Patienten einen echten Mehrwert“, sagt Prof. Alex Friedrich, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM.
Die Projektergebnisse werden über Veranstaltungen, digitale Kommunikationsmaßnahmen und weitere Transferaktivitäten kontinuierlich einer breiten Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht.
