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Neue Erkenntnisse für die Behandlung von Schlaganfällen: Tobias Djamsched Faizy erhält Wissenschaftspreis

Wurde mit dem Interventionspreis 2025 der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie ausgezeichnet: Prof. Tobias Djamsched Faizy. (Foto: Uni MS/M. Ibrahim)

Münster (mfm/ajs) – Jedes Jahr erleiden fast 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Die Durchblutungsstörung im Gehirn ist laut der Deutschen Schlaganfallhilfe die dritthäufigste Todesursache. „Dementsprechend wichtig ist es, die Behandlungsmethoden weiter zu erforschen, um in Notfällen angemessen handeln zu können“, sagt der münstersche Mediziner Prof. Tobias Djamsched Faizy. Für seine Forschungen an der Universität Münster erhielt er jetzt den Interventionspreis 2025 der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR). Der Award würdigt wissenschaftliche Arbeiten zu möglichst schonenden Therapieverfahren bei Hirnerkrankungen.

Prof. Faizy hat sich in seiner Forschung auf ein spezielles Behandlungsverfahren fokussiert: die Thrombektomie. Dabei wird ein Blutgerinnsel, das bei einem Schlaganfall ein Hirngefäß verstopft, mechanisch entfernt. So lässt sich die Durchblutung wiederherstellen. Doch nicht alle Patientinnen und Patienten profitieren von dem Eingriff: In manchen Behandlungen gelingt die Blutgefäßöffnung zwar, der Zustand der betroffenen Person verbessert sich aber nicht. Dieser Fall wird als „futile recanalization“ bezeichnet. Das kann zum Beispiel passieren, wenn durch den Schlaganfall bereits zu viel Hirngewebe dauerhaft geschädigt wurde. 

Um ein derartiges Therapieversagen besser zu verstehen, hat Prof. Faizy neue Ansätze der Schlaganfalltherapie untersucht. Ziel ist es, die Entfernung der Blutgerinnsel künftig gezielter einzusetzen.  Wie das gelingen könnte, zeigen verschiedene Studien des Mediziners, der als Oberarzt in der Sektion Interventionelle Neuroradiologie der Klinik für Radiologie des Universitätsklinikums Münster tätig ist: Demnach können sogenannte Bildgebungsmarker Hinweise auf eine mögliche Besserung oder Verschlechterung des klinischen Status des Patienten nach dem Eingriff geben. Dabei handelt es sich um messbare Merkmale in Aufnahmen, die mittels Computertomografie (CT) erstellt wurden und Hinweise auf den wahrscheinlichen Behandlungserfolg geben können.

Zu diesen Merkmalen zählt unter anderem der „Net Water Uptake“ der betroffenen Hirnregion - das heißt, wie viel zelluläres Wasser sich bereits im Schlaganfallgewebe gesammelt hat. Ist das Gewebe dadurch sichtbar geschwollen, weist dies auf größere Schäden hin. Mithilfe dieser Erkenntnisse können Ärztinnen und Ärzte im Ernstfall abwägen, welche Behandlung am sinnvollsten ist. Faizys Arbeiten deuten darauf hin, dass der klinische Nutzen einer Thrombektomie nicht allein von der technischen Gefäßöffnung abhängt. Maßgeblich sind auch das Ausmaß der Gewebeschädigung des Gehirns sowie die Blutversorgung im betroffenen Hirnbereich. Zudem könnten Medikamente, die Blutgerinnsel auflösen, laut den Studien des Forschers den Zustand mancher Patientinnen und Patienten verbessern. Dies kann demnach auch der Fall sein, wenn die mechanische Öffnung des Blutgefäßes nicht erfolgreich war. 

Auf Basis der nun ausgezeichneten Forschungsergebnisse möchte Prof. Faizy neue Auswertungsverfahren für CT-Bilder entwickeln. So sollen beispielsweise Methoden entstehen, die die Wassereinlagerungen im Gehirn automatisch erkennen und einordnen. Ziel ist es, Schlaganfallbehandlungen individueller an die Betroffenen anzupassen und die Heilungschancen zu maximieren.

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