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Bauchspeicheldrüsenkrebs besser verstehen: Rieke Schleinhege erhält Promotionspreis der Uni Münster
Münster (mfm/jg) – Nicht nur der Fachterminus liest sich kompliziert - auch der Forschungsstand zum duktalen Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse ist es: Die für diese Krebsart charakteristische Bildung von Bindegewebe rund um den Tumor kann dessen Wachstum entweder fördern – oder ganz im Gegenteil hemmen. Um die Entstehung und Funktion des Bindegewebes besser untersuchen zu können, hat Dr. Rieke Schleinhege in ihrer Doktorarbeit ein Labormodell entwickelt. Für ihre Erkenntnisse hat die Medizinische Fakultät der Universität Münster sie jetzt mit ihrem mit 1.000 Euro dotierten Promotionspreis ausgezeichnet.
Das duktale Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse ist mit einer besonders hohen Sterblichkeit verbunden. „80 Prozent der Tumormasse bestehen aus Bindegewebe. Ob es das Krebswachstum abschirmt und dadurch einschränkt oder das Wachstum fördert, ist umstritten“, erläutert die Preisträgerin. Um die Entstehung des Bindegewebes im Labor zu simulieren, hat sie ein In-vitro-Modell mit pankreatischen Sternzellen entwickelt, die als Hauptproduzenten des Bindegewebes gelten. „Anschließend konnten wir insbesondere die räumliche Struktur und die Protein-Zusammensetzung des Modells charakterisieren. Kollagene bilden den Hauptbestandteil des Bindegewebes“, so Schleinhege.
Neben der Entwicklung des Modells bietet ihre Arbeit neue Einblicke in die Regulierung und Funktion des Bindegewebes. Eine wichtige Erkenntnis betrifft die Interaktion mit den Tumorzellen: Diese breiten sich aus, indem sie entlang des faserartigen Netzwerks wandern, das die pankreatischen Sternzellen ausbilden. Zudem steigern verschiedene Wachstumsfaktoren wie TGF-β1 – und allen voran Vitamin C – die Produktion von Bindegewebe und besonders die Freisetzung von Kollagenen. Auf molekularer Ebene sorgt Vitamin C dabei für einen Einstrom von Calcium-Ionen in die Sternzellen: Gesteuert wird dieser Einstrom durch einen bestimmten Kanal in der Zellmembran. Hemmt man diesen Kanal, vermindert sich die Freisetzung des Bindegewebes.
„Die Bindegewebsentstehung besser zu verstehen, ist eine wichtige Grundlage, um weitere Therapieansätze zu entwickeln“, resümiert Schleinhege. Die gebürtige Papenburgerin, die im Rahmen des Zusatzstudiums Experimentelle Medizin in einer Arbeitsgruppe der Harvard Medical School am Massachusetts General Hospital zu einem verwandten Thema geforscht hat, möchte auch in Zukunft wissenschaftlich arbeiten. Aktuell absolviert sie ihre Ausbildung als Assistenzärztin in der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikum Münster. Ihre Doktorarbeit hat Schleinhege in der Arbeitsgruppe von Prof. Albrecht Schwab verfasst und wurde dabei durch das „Medizinerkolleg“ (MedK) der Medizinischen Fakultät gefördert.
