KI-AIM2: Sichere Datenräume für die Medizin von morgen

Ob Laborwerte, Diagnosen oder Arztbriefe – in der modernen Medizin entstehen täglich enorme Datenmengen. Sie sind ein wertvoller Schatz für Forschung und innovative, KI-gestützte Anwendungen. Gleichzeitig zählen sie zu den sensibelsten personenbezogenen Informationen überhaupt. Das Verbundprojekt KI-AIM2 verfolgt das Ziel, diesen Datenschatz sicher nutzbar zu machen. Durch intelligente Anonymisierung und die KI-gestützte Erzeugung realitätsnaher, künstlicher Datensätze ohne Bezug zu einzelnen Personen schafft das Projekt eine verlässliche Grundlage für vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz in der Medizin.
„Wir stehen vor der Aufgabe, medizinische Daten so aufzubereiten, dass sie sowohl datenschutzkonform nutzbar als auch wissenschaftlich belastbar sind“, sagt Dr. Michael Storck, Leiter des Medizinischen Datenintegrationszentrums (MeDIC) am Institut für Medizinische Informatik der Universität Münster und Projektleiter von KI-AIM2. „Nur wenn beides zusammenkommt, entsteht echter Mehrwert für Forschung und Versorgung.“
Bereits im Vorgängerprojekt KI-AIM wurde mit der Privacy-Plattform Cinnamon das technologische Fundament gelegt. Die Plattform anonymisiert strukturierte medizinische Daten, kann sie bei Bedarf synthetisch nachbilden und bewertet automatisiert Risiken für die Privatheit der Daten sowie die Nutzbarkeit des Datensatzes. Die Software wurde als Open Source veröffentlicht und ist damit transparent und frei nutzbar und weiterentwickelbar.
Eine wichtige Rolle spielte dabei das Hauttumorzentrum der Klinik für Hautkrankheiten Münster (HTZ) am Universitätsklinikum Münster. Aus klinischer Perspektive bewertete es die Funktionalität und Nutzbarkeit der Plattform in der Forschung, definierte die medizinische Evaluation, stellte relevante Daten bereit und validierte die Ergebnisse. So wurde sichergestellt, dass die entwickelten Lösungen nicht nur technisch ausgereift, sondern auch wissenschaftlich relevant und anwendbar sind.
Mit KI-AIM2 wird Cinnamon nun technisch und inhaltlich weiter ausgebaut. Die Plattform soll künftig über internationale Standards, die den sicheren digitalen Austausch von Gesundheitsdaten zwischen IT-Systemen ermöglichen, direkt an Krankenhaus- und Gesundheitsinformationssysteme angebunden werden können. Das erleichtert die Integration in bestehende IT-Strukturen erheblich. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf unstrukturierten Daten: Da ein Großteil klinischer Informationen als Freitext vorliegt, werden Verfahren entwickelt, um auch Arztbriefe und Befundtexte automatisiert und datenschutzkonform zu anonymisieren. Darüber hinaus entsteht eine Infrastruktur, mit der anonymisierte Daten kontinuierlich für das Training von KI-Anwendungen bereitgestellt werden können.
KI-AIM2 wird von einem interdisziplinären Konsortium aus Wissenschaft, Gesundheitswesen und Industrie getragen. Neben dem MeDIC und dem HTZ in Münster sind unter anderem das Berlin Institute of Health, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz sowie Industriepartner wie die DH Healthcare GmbH und die Health Data Technologies GmbH und als assoziierte Partner die Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung (TMF) und das MeDIC in Augsburg beteiligt. Gemeinsam verfolgen die Partner das Ziel, den sicheren Austausch medizinischer Daten zu erleichtern, Forschungsprozesse zu beschleunigen und Deutschland sowie Europa als Innovationsstandort für Künstliche Intelligenz und Datenschutz zu stärken.
„Wenn wir medizinisches Wissen schneller in bessere Diagnosen und Therapien übersetzen wollen, brauchen wir verlässliche und sichere Daten“, betont Storck. „KI-AIM2 schafft genau diese Grundlage zum Nutzen aller Patientinnen und Patienten.“
Mit dem Start von KI-AIM2 wird die erfolgreiche Arbeit des Vorgängerprojekts fortgeführt. Der Standort Münster wird über einen Zeitraum von insgesamt fünf Jahren mit knapp 950.000 Euro durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. „Diese langfristige Unterstützung ermöglicht es uns, nachhaltige Software zu entwickeln“, so Storck. „Wir schaffen eine technische Grundlage, die weit über das Projekt hinaus Bestand haben soll.“
