Studie Frühgeborenen-Retinopathie (ROP)

Unter der Studienleitung von Nataliia Mala wird in unserem Studienzentrum eine Machbarkeitsstudie zur Weitwinkel-Fundusdokumentation im Rahmen des Screenings auf Frühgeborenenretinopathie (ROP) durchgeführt. Es handelt sich dabei um eine prospektive, monozentrische, explorative Machbarkeitsstudie ohne Randomisierung, ohne Verblindung, ohne Placebo und ohne konkurrierende Intervention.

Die Frühgeborenenretinopathie ist eine vasoproliferative Netzhauterkrankung unreifer Frühgeborener und weltweit eine der führenden Ursachen für Erblindung im Kindesalter. Eine zuverlässige Dokumentation der Netzhaut ist daher für die Diagnostik und Verlaufskontrolle von großer Bedeutung. Als Goldstandart der Diagnostik gilt die binokuläre indirekte Ophthalmoskopie (BIO). Keines der derzeit verfügbaren Systeme vereint jedoch alle wünschenswerten Kriterien, insbesondere niedrige Anschaffungskosten, breite Verfügbarkeit, geringe Belastung für das Kind und eine hochwertige Weitwinkel-Fundusdokumentation.

Im Rahmen der Studie soll geprüft werden, ob anhand eines Smartphone-basierten Fundusvideos, das während der Standard-BIO-Untersuchung aufgenommen wird, eine diagnostisch verwertbare Weitwinkel-Funduscollage der Netzhaut bei Frühgeborenen rekonstruiert werden kann. Neben der technischen Machbarkeit werden insbesondere die erfasste Netzhautfläche, die Bildqualität, sowie die diagnostische Übereinstimmung der Befunde mit einer BIO-Referenzbefundung untersucht.

Für die Studie sollen insgesamt 40 Teilnehmende rekrutiert werden, darunter 20 Frühgeborene und 20 gesunde erwachsene Freiwillige. Die Kontrollgruppe (Erwachsene) dient dabei der technischen Algorithmus-Validierung und nicht als diagnostische Kontrollgruppe im engeren Sinne.

Die Teilnehmenden müssen die folgenden Ein- und Ausschlusskriterien erfüllen:

Gruppe A (Frühgeborene)

Einschlusskriterien: 

1. Frühgeborene mit Indikation zum ROP-Screening gemäß S2k-Leitlinie DOG/BVA 024-010

2. Kreislauf- und respiratorisch stabil genug für eine reguläre ROP-Screening-Untersuchung zum geplanten Zeitpunkt (Entscheidung durch den betreuenden Neonatologen)

3. Schriftliche informierte Einwilligung der Sorgeberechtigten.

Ausschlusskriterien: 

1. Akute kardiorespiratorische Instabilität, die eine Standard-ROP-Untersuchung zum geplanten Zeitpunkt verhindert. 

2. Vorbestehende relevante okuläre Erkrankungen außerhalb der ROP-Fragestellung, die die Fundusfotografie verhindern (z. B. ausgeprägte Tunica vasculosa Lentis,Hornhauttrübung, congenitale Cataracta). 

3. Fehlende Einwilligung der Sorgeberechtigten zur Bearbeitung der Videoaufnahme

Gruppe B (Erwachsene)

Einschlusskriterien: 

1. Alter ≥ 18 Jahre. 

2. Klare brechende Medien, ausreichende Pupillenweite in Mydriasis 

3. Schriftliche informierte Einwilligung. 

 

 

 

Ausschlusskriterien: 

1. Kontraindikation zur Mydriasis (z. B. bekannter enger Kammerwinkel, Engwinkelglaukom). 

2. Schwangerschaft oder Stillzeit 

3. Relevante Medientrübungen, Öl- oder Gastamponade, Netzhautablösung > 1 Quadrant erhöhte Lichtempfindlichkeit, die die Netzhautuntersuchung erschwert 

4. Fehlende Einwilligung.
 

Studienablauf

Die Untersuchung umfasst im Wesentlichen folgende Schritte:

  • Untersuchung der Frühgeborenen: Die Frühgeborenen werden im Rahmen des regulär indizierten ROP-Screenings untersucht. Nach der üblichen Pupillenerweiterung und Vorbereitung erfolgt zunächst die standardmäßige BIO. Direkt im Anschluss wird mit einem Smartphone, das über eine spezielle Halterung mit der Untersuchungseinrichtung verbunden ist, pro Auge ein kurzes Video der Netzhaut aufgenommen.
  • Untersuchung der erwachsenen Freiwilligen: Nach der Pupillenerweiterung erfolgt eine reguläre Untersuchung der Netzhaut. Anschließend wird ebenfalls ein kurzes Video der Netzhaut aufgenommen.
  • Auswertung der Videoaufnahmen: Die aufgenommenen Videos werden pseudonymisiert auf einem gesicherten Studienserver gespeichert und anschließend mithilfe einer speziell entwickelten Software ausgewertet. Dabei werden zunächst geeignete Fundusaufnahmen aus den Videos herausgefiltert und hinsichtlich ihrer Bildqualität bewertet. Ähnliche Aufnahmen werden anschließend zusammengeführt und optimiert.
  • Erstellung einer Weitwinkel-Funduscollage: Abschließend werden die ausgewählten Einzelaufnahmen anhand der charakteristischen Gefäßverläufe der Netzhaut zu einer zusammenhängenden Funduscollage zusammengesetzt. Dadurch soll eine möglichst umfassende Darstellung der Netzhaut aus dem aufgenommenen Smartphone-Video entstehen.

Weitere Informationen finden sie hier im DRKS.

Bei Fragen zu dem Projekt melden Sie sich gerne bei der Studienleitung.

Nataliia Mala
Klinik für Augenheilkunde
Universitätsklinikum Münster
T +49 152 5791 0937
nataliia.mala@ukmuenster.de