Die Arbeitsgruppe Neuropsychologie befasst sich mit Veränderungen der kognitiven Leistungen, des Verhaltens (z.B. zunehmende Apathie oder enthemmtes Verhalten) und des emotionalen Erlebens (z.B. Depressionen oder Angststörungen) bei Patienten und Patientinnen mit neurologischen Grunderkrankungen. Insbesondere die Erforschung kognitiver Veränderungen bei der Multiplen Sklerose (MS) und anderen entzündlichen Krankheiten des Nervensystems steht im Fokus. Kognitive Störungen sind ein Kardinalsymptom der MS, die nach Schätzungen bis zu 50% der Patienten und Patientinnen betrifft. Diese können sich auch in Abwesenheit von anderen neurologischen Symptomen bereits in den frühesten Stadien der MS manifestieren. Störungen zeigen sich insbesondere in einer reduzierten Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, Gedächtnisstörungen und in exekutiven Teilleistungsstörungen. Kognitive Beeinträchtigungen können einerseits Einfluss auf das tägliche Leben sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext nehmen, andererseits auch negative Auswirkungen auf die Fähigkeit zur Krankheitsbewältigung haben und somit psychische Folgeerkrankungen begünstigen. Ziel unserer Forschung ist es, den klinischen Nutzen und die praktische Anwendung neuropsychologischer Untersuchungen (z.B. für die Früherkennung, Differenzialdiagnose, Therapieplanung oder für die Prognose) für Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose aber auch für andere neurologischen Erkrankungen zu evaluieren und schrittweise zu optimieren. Hierzu gehören sowohl die Verbesserung bestehender klinischer Testverfahren und -batterien als auch die Entwicklung innovativer diagnostischer Verfahren und deren Validierung mittels Methoden der empirischen Psychologie und der kognitiven Neurowissenschaften. 

    Wir bieten an neuropsychologischer Forschung interessierten Studierenden der Psychologie und angrenzenden Fächern (z.B. Cognitive Sciences) die Möglichkeit, ein Forschungspraktikum in unserer Arbeitsgruppe zu absolvieren oder ihre Abschlussarbeit in einem der oben genannten Forschungsschwerpunkte anzufertigen.

    Forschungsschwerpunkte der Arbeitsgruppe sind:

    • Risikoeinschätzung und Prognose kognitiver Defizite bei MS

    • Charakterisierung der kognitiven und neuropsychiatrischen Profile der verschiedenen Verlaufsformen der MS

    • Evaluation des Einflusses von verlaufsmodulierenden Therapien auf die kognitive Testperformanz bei MS

    • Kognitive Veränderungen bei autoimmun-vermittelter limbischer Enzephalitiden

    • Primär-progressive Aphasien, typische und atypische Alzheimer-Demenzen

    Ausgewählte Publikationen

    Ciolac D, Gonzalez-Escamilla G, Radetz A, Fleischer V, Person M, Johnen A, Landmeyer NC, Krämer J, Muthuraman M, Meuth SG, Groppa S. Sex-specific signatures of intrinsic hippocampal networks and regional integrity underlying cognitive status in multiple sclerosis. Sex-specific signatures of intrinsic hippocampal networks and regional integrity underlying cognitive status in multiple sclerosis. Brain communications 2021 Aug 23;3(3):fcab198.

    Landmeyer NC, Dzionsko I, Brockhoff L, Wiendl H, Domes, G, Bölte J, .Krämer K, Meuth SG, Johnen A. (2020). The agony of choice? Preserved affective decision making in early multiple sclerosis. Frontiers in neurology, 2020 Sep 2;11:914.

    Landmeyer NC, Bürkner PC, Wiendl H, Ruck T, Hartung HP, Holling H, Meuth SG, Johnen A. Disease-modifying treatments and cognition in relapsing-remitting multiple sclerosis: A meta-analysis. Neurology 2020 Jun 2;94(22):e2373-e2383.

    Johnen A, Elpers C, Riepl E, Landmeyer NC, Krämer J, Polzer P, Lohmann H, Omran H, Wiendl H, Göbel K, Meuth SG. Early effective treatment may protect from cognitive decline in paediatric multiple sclerosis. European Journal of Paediatric Neurology, 23(6), 783-791. 2019 Nov;23(6):783-791.

    Johnen A, Schiffler P, Landmeyer NC, Tenberge JG, Riepl E, Wiendl H, Krämer J, Meuth SG. Resolving the cognitive clinico-radiological paradox–microstructural degeneration of fronto-striatal-thalamic loops in early active multiple sclerosis. Cortex 2019 Dec;121:239-252.

    Johnen A, Bürkner PC, Landmeyer NC, Ambrosius B, Calabrese P, Motte J, Hessler N, Antony G, König IR, Klotz L, Hoshi M-M, Aly L, Groppa S, Luessi F, Paul F, Tackenberg B, Then Bergh F, Kümpfel T, Tumani H, Stangel M, Weber F, Bayas A, Wildemann B, Heesen C, Zettl UK, Zipp F, Hemmer B, Meuth SG, Gold R, Wiendl H, Salmen A, German Competence Network Multiple Sclerosis (KKNMS).  & Salmen, A. (2018). Can we predict cognitive decline after initial diagnosis of multiple sclerosis? Results from the German National early MS cohort (KKNMS). J Neurol. 2019 Feb;266(2):386-397.

    Johnen A*, Landmeyer NC*, Bürkner PC, Wiendl H, Meuth SG, Holling H. Distinct cognitive impairments in different disease courses of multiple sclerosis—a systematic review and meta-analysis. Neurosci Biobehav Rev. 2017 Dec;83:568-578.

    *Geteilte Erstautorenschaft