Systematische Analyse von snRNA-kodierenden Genen enthüllt häufige RNU2-2 Varianten in dominant und rezessiv erblichen Entwicklungsstörungen

Abbildungstext: Spleißosom und U2 snRNA, generiert mit BioRender.

News Centrum für Medizinische Genetik

Das Spleißosom ist ein großer Komplex, der aus vielen Proteinen und kleinen RNA-Molekülen, den sog. „small nuclear RNA“ (snRNA), besteht. Dieser große Komplex katalysiert die Entfernung von Introns, die Verknüpfung von Exons und somit die Bilder von reifer mRNA. Pathogene Varianten in Genen, die snRNA kodieren, wurden kürzlich mittels Genomsequenzierung als eine wichtige und bislang nicht erfasste Ursache für neurologische Entwicklungsstörungen identifiziert. Pathogene Varianten in dem snRNA-kodierenden Gen RNU4-2 ist zurzeit ein der häufigsten Ursachen für monogene syndromale Entwicklungsstörungen und/oder intellektuelle Beeinträchtigungen.

Das Centrum für Medizinische Genetik hat sich nun an einer großen internationalen Studie beteiligt, bei der eine weitere snRNA, RNU2-2, mit autosomal-dominant und autosomal-rezessiv erblichen neurologischen Entwicklungsstörungen assoziiert wurde. Unter Leitung von Prof. Christel Depienne (Neurogenetics - Institut für Humangenetik, Essen), Prof. Gaetan Lesca (Lyon) und Dr. Caroline Nava (Paris) konnten diese beiden syndromalen Entwicklungsstörungen mit der Plan France Médecine Génomique (PFMG) Kohorte und weiteren internationalen Kollaborationen charakterisiert werden. Außerdem wurde der Effekt der krankheitsursächlichen Varianten auf das Splicing untersucht und deren epigenetische Signaturen erfasst. Diese umfangreichen Untersuchungen betonen die Relevanz von krankheitsursächlichen Varianten in snRNA-kodierenden Genen bei der Pathogenese von syndromalen Entwicklungsstörungen und zeigt deutlich die rasante Entwicklung des Forschungsgebiets der sog. „RNUopathies“ und den hohen Stellenwert der Genomsequenzierung,  

Die Forschungsergebnisse wurden unter dem Titel „Systematic analysis of snRNA genes reveals frequent RNU2-2 variants in dominant and recessive developmental and epileptic encephalopathies“ in Nature Genetics (https://www.nature.com/articles/s41588-026-02547-5) veröffentlicht.