Die Arbeitsgruppe "Experimentelle Nephrologie" der Medizinischen Klinik D nahm mit der Berufung von Prof. Dr. Eberhard Schlatter zum 01.10.1993 ihre Tätigkeit auf. Nach seiner Pensionierung nach fast 23 Jahren zum 01.08.2016 übernahm Prof. Dr. Giuliano Ciarimboli die Leitung.
Experimentelle Untersuchungen zur Physiologie und Pathophysiologie der Nieren
Schnitt durch die menschliche Niere

Den Nieren kommen ganz wesentliche Aufgaben bei der Aufrechterhaltung des Inneren Milieus zu: sie reinigen das Blut von schädlichen Stoffwechselprodukten und von mit der Nahrung oder als Medikamente aufgenommenen Schadstoffen; sie regulieren den Salz- und Wasserhaushalt und somit den Blutdruck; sie regen die Blutbildung an. Jeden Tag werden in den Nieren etwa 180 Liter Wasser filtriert. Mit dem Wasser werden auch etwa 1,5 kg Kochsalz und 150 g Zucker filtriert. Von diesen enormen Mengen werden normalerweise 99 % in den Nierenkanälchen wieder zurück gewonnen. Diese enorme Transportarbeit der Nieren ist notwendig, um ein Austrocknen des Menschen und den Verlust von wichtigen Salzen und Nährstoffen zu verhindern. Wichtige Stoffe wie Natriumchlorid, Zucker oder Aminosäuren gelangen zurück in den Blutkreislauf, ebenso das meiste Wasser. Stoffe, die tatsächlich ausgeschieden werden müssen, werden dagegen im Harn angereichert. Für die Rückgewinnung und Ausscheidung dieser Substanzen sind besondere Transportproteine in den Zellmembranen der hoch spezialisierten Nierenzellen, so genannte Transporter, Pumpen und Kanäle, verantwortlich. Diese Transportvorgänge werden in komplexen hormonellen Steuerkreisen geregelt und den jeweiligen Bedürfnissen angepasst. Störungen in diesen Vorgängen, die genetisch bedingt oder  erworben sein können, führen zu gravierenden Auswirkungen auf den ganzen Organismus bis hin zu lebensbedrohenden Zuständen, die eine künstliche Blutwäsche (Dialyse) oder eine Nierentransplantation notwendig machen.

Isolierte Hauptzelle des Sammelrohrs

In der Experimentellen Nephrologie werden seit nunmehr 23 Jahren die Funktion und Regulation von einigen dieser Transportproteine (wie z.B. Ionenkanäle, Wasserkanäle, organische Kationentransporter) unter normalen und pathologischen Bedingungen (z.B. unter Abstoßung nach Nierentransplantation) oder deren Beteiligung an nierenschädlichen Nebenwirkungen von Medikamenten untersucht. Hierzu werden verschiedene experimentelle Tiermodelle, Zellkultursysteme und humanes Gewebe verwendet und mit modernen Methoden der Zellbiologie, der Molekularbiologie, der Elektrophysiologie, der Fluoreszenzmikroskopie und der Bildgebung untersucht. Näheres hierzu finden Sie hier.