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Gesundheitswesen im (Klima-)Wandel: Studierende von „Health for Future“ fordern mehr medizinisches Umweltbewusstsein

Auch das UKM war schon Objekt der HFF-Kritik: Im Juni traf sich die Ortsgruppe zu einer Mahnwache vor der Klinik und forderte diese zu mehr Umweltengagement auf (Foto: privat)

Münster(mfm/mw) – Die Klimakrise ist - auch - ein medizinischer Notfall: Nur auf einem gesunden Planeten können gesunde Menschen leben. Das sagen 30 münstersche Medizinstudierende – und tauschen wöchentlich Stethoskop, Kittel und Lehrbücher gegen Demoschilder und Mahnwachen, um die lebenserhaltende Maßnahmen für den Planeten Erde und die Menschen darauf einzufordern. Als Teil der bundesweiten Initiative “Health for Future“ (HFF) demonstriert die Gruppe regelmäßig vor dem Rathaus, dem Schloss oder auf dem Fahrrad für mehr Umweltbewusstsein in der Medizin und konnte sogar schon in der curricularen Lehre der Universität Fuß fassen.

Die Gesundheitsbranche war 2019 für 5,2 Prozent des weltweiten Ausstoßes von Treibhausgasen verantwortlich – das ist mehr als der Anteil des Flugverkehrs. Dieser deutliche ökologische „Fußabdruck“ hat weitreichende Folgen. Bekannte Auswirkungen der Erderwärmung sind Extremwetterereignisse wie Stürme und Hitzeperioden, Überschwemmungen und eine resultierende Knappheit an Ressourcen. Was vielen Menschen aber nicht klar ist: Die Luftverschmutzung durch die Nutzung fossiler Brennstoffe führt weltweit zu einer zunehmenden Zahl an Erkrankungen. Insbesondere die Feinstaubbelastung ist ein wesentlicher Grund für die erhöhte Sterblichkeit und Morbidität. Außerdem bringt die Klimakrise auch eine Verbreitung von Infektionskrankheiten und eine Intensivierung von Allergien mit sich. „Damit betrifft uns als Akteurinnen und Akteure im Gesundheitswesen die Klimakrise quasi doppelt. Und bedeutet für uns: Wir müssen handeln“, fordert Medizinstudentin Sina Sonntag, die seit Tag eins bei HFF Münster dabei ist.

Die HFF-Initiative teilt sich in Deutschland in 61 Ortsgruppen auf und gehört dem “For Future Bündnis“ an. Im November 2019 wurde die münstersche Ortsgruppe gegründet. Seitdem versteht sie sich als Aktionsforum für Interessierte aus allen Bereichen des Gesundheitssektors. Sonntag ist 21 Jahre jung und studiert im siebten Semester Medizin in der Domstadt. Sie fasst die Ziele der Organisation so zusammen: „Klimaschutz ist die beste Medizin. Mit unseren vielfältigen Projekten und Aktionen verfolgen wir das gemeinsame Ziel, die Klimakrise als gesundheitliche Bedrohung stärker in den Fokus zu rücken.“ Die Organisation hat keine hierarchische Struktur – alle Mitglieder begegnen sich auf Augenhöhe. Es gibt verschiedene Arbeitsgruppen (AG) mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Eine davon beschäftigt sich mit der Integration von “Planetary Health“, dem Gesundheitszustand der Zivilisation und der sie umgebenden Umwelt, in die universitäre Lehre. Weitere AG planen öffentliche Aktionen und vernetzen sich mit anderen Gruppen auf regionaler Ebene. Zudem ist ein weiteres Bestreben der Initiative, klima- und ressourcenschonende Veränderungen am Universitätsklinikum Münster sowie an anderen Kliniken und Praxen in und um Münster zu erreichen.

Konkret wurde es im Wintersemester 2020/21: Das neue Wahlfach “Diagnose Klimakrise“ tauchte erstmals im Stundenplan des klinischen Abschnittes auf. Die 20 verfügbaren Plätze waren sofort vergeben; der Kurs beschäftigte sich mit den komplexen Auswirkungen der Klimakrise auf die menschliche Gesundheit. Das Wahlfach wird von HFF-Mitgliedern angeboten und steht unter der Schirmherrschaft von Prof. Thorsten Kuczius, Umweltexperte am Institut für Hygiene.
Auch außerhalb des Semesters engagiert sich die HFF-Initiative. Es gibt offene Vortragsreihen über aktuelle Themen aus Umwelt und Medizin. Ein ebenso wichtiger Bestandteil der Arbeit ist die Organisation von Mahnwachen sowie anderen öffentlichkeitswirksamen Aktionen in Münster. Ein Beispiel: Nach Weihnachten wunderten sich Passanten über unzählige Tannenbäume an den Straßen, die mit Kreide eingekreist und mit dem Hashtag #SchützewasduzumAtmenbrauchst versehen waren. „Mit dieser Aktion haben wir symbolisch `Tatorte` kenntlich gemacht – als Hinweis auf die systemische Zerstörung der Natur, nicht auf individuelles Verhalten“, so Sonntag.

Die Ortsgruppe Münster der HFF-Initiative trifft sich am letzten Donnerstag jedes Monats. Interessierte aus dem Gesundheitsbereich, die beim nächsten Plenum dabei sein möchten, können sich per Mail melden: muenster@healthforfuture.de.

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