Arbeitsgruppe Lünemann

Kernpunkt unserer Arbeitsgruppe ist die Übertragung von grundlagenorientierter immunologischer Forschung in klinische Fragestellungen (Translation), aber auch die Nutzung von Erkenntnissen aus der klinischen Praxis in der Forschung (reverse Translation). Derzeit verfolgt die Arbeitsgruppe folgende Forschgungsschwerpunkte:

  • Antigenprozessierung bei T-Zell-vermittelter ZNS-Autoimmunität

    Autoreaktiven T-Zellen wird eine Schlüsselrolle in der Pathogenese der MS zugeschrieben. Die Mechanismen für ihre Aktivierung und Enzephalitogenität sind jedoch nur unvollständig verstanden. In experimentellen Tiermodellen der MS, der experimentellen autoimmunen Enzephalomyelitis (EAE), untersuchen wir Antigenprozessierungswege, die für die Aktivierung von enzephalitogenen T-Zellen verantwortlich sind (Keller et al., Proc Natl Acad Sci USA 2017; Keller et al., Autophagy 2017). In transgenen Tiermodellen sowie in human immunologischen Studien sollen die molekularen Mechanismen und das therapeutische Potential von pharmakologischen Substanzen zur Blockierung dieses Antigenprozessierungsweges untersucht werden.



  • Autophagie-vermittelte Schädigungsprozesse bei Neuroinflammation

    Die Aktivierung von ZNS-residenten Gliazellen (Mikroglia und Astrozyten) ist ein charakteristisches Merkmal vieler immunologisch-vermittelter ZNS Erkrankungen und trägt zu deren Chronifizierung bei. Autophagie ist ein Schlüsselmechanismus in der Regulation von Zellmetabolismus in neuronalen Zellen und von Immunantworten in Zellen des angeborenen und erworbenen Immunsystems. Die Rolle von Autophagie für Immunfunktionen in Gliazellen ist bislang nicht verstanden (Keller et al., Front Immunol 2017). In induzierbar-transgenen Tiermodellen untersuchen wir  die Funktion von Autophagieproteinen in Mikroglia und Astrozyten unter physiologischen Bedingungen und in Modellen für entzündliche ZNS Erkrankungen. Ziel dieser Studien ist ein besseres Verständnis von Gliazell-Immunfunktionen bei entzündlicher Gewebeschädigung des ZNS und die Identifizierung von Zielproteinen und molekularen Netzwerken zur effektiveren Behandlung chronisch-entzündlicher ZNS Erkrankungen.

  • Antikörper-vermittelte Effektorfunktionen bei entzündlich-neurologischen Erkrankungen

    Antikörper spielen eine zentrale Rolle in der Pathogenese und sind ein fester Bestandteil des therapeutischen Armamentariums bei neuroinflammatorischen Erkrankungen. Effektorfunktionen von Antikörpern werden durch deren konstante Region (Fc-Domäne) vermittelt und reguliert durch Fc-assoziierte Glykanstrukturen (Fc-Glykan). Wir untersuchen IgG Fc-gesteuerte Effektorfunktionen in Patienten mit Antikörper-vermittelten neurologischen Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems (Tackenberg et al., Proc Natl Acad Sci U S A. 2009; Comabella et al., J Neuroimmunol 2010; Maurer et al., J Clin Invest 2012; Lunemann et al., Nat Rev Neurol 2015; Quast et al., Neurol Neuroimmunol Neuroinflamm 2015; Quast et al., J Clin Invest 2015; Quast et al., J Neuroinflamm 2016; Quast et al., Ann Clin Transl Neurol 2016; Peschke et al., Front Immunol 2017). Ziel dieser Untersuchungen ist ein besseres Verständnis der Rolle von Antikörper-vermittelter Gewebeschädigung sowie des Wirkungsmechanismus und der Wirksamkeit von Antikörpern in der Therapie neuroinflammatorischer Erkrankungen.

Ausgewählte Publikationen

Keller CW, Sina C, Kotur MB, Ramelli G, Mundt S, Quast I, Ligeon LA, Weber P, Becher B, Münz C, Lünemann JD. ATG-dependent phagocytosis in dendritic cells drives myelin-specific CD4+ T cell pathogenicity during CNS inflammation. Proc Natl Acad Sci U S A. 2017;114(52):E11228-E11237.

Keller CW, Loi M, Ewert S, Quast I, Theiler R, Gannagé M, Münz C, De Libero G, Freigang S, Lünemann JD. 2017. The autophagy machinery restrains iNKT cell activation through CD1d internalization. Autophagy 2017;13:1025-1036.

Quast I, Keller CW, Hiepe F, Tackenberg B, Lünemann JD. Terminalcomplement activation is increased and associated with disease severity in CIDP. Ann Clin Transl. Neurol. 2016;3:730-735.

Quast I, Keller CW, Maurer MA, Giddens JP, Tackenberg B, Wang LX, Münz C,Nimmerjahn F, Dalakas MC, Lünemann JD. Sialylation of IgG Fc-domain impairs complement-dependent cytotoxicity. J Clin Invest. 2015; 125:4160-4170

Maurer MA, Rakocevic G, Leung CS, Quast I, Lukačišin M, Goebels N, Münz C,Wardemann H, Dalakas M, Lünemann JD. Rituximab induces sustained reduction of pathogenic B cells in patients with peripheral nervous system autoimmunity. J Clin Invest. 2012; 122:1393-1402.

Die vollständige Literaturliste von Prof. Dr. med. Jan Lünemann bei Pubmed.


Förderung

Swiss National Science Foundation (Project 31003A_169664)

 

Kooperationen

National

  • Prof. Harald Neumann (Institut für Rekonstruktive Neurobiologie, Universität Bonn)
  • Prof. Falk Nimmerjahn (Department Biologie, Universität Erlangen-Nürnberg)
  • Prof. Marco Prinz (Institut für Neuropathologie, Universität Freiburg)


International

  • Prof. Manuel Comabella und Prof. Xavier Montalban (MS Zentrum Vall d’Hebron, Autonome Universität Barcelona, Spanien)
  • Prof. Marinos Dalakas (Klinik für Neurologie, Thomas Jefferson Universität, Philadelphia, USA)
  • Prof. Paul Crocker (Abteilung für Immunologie, Universität zu Dundee, UK)
  • Prof. Stephan von Gunten (Institut für Pharmakologie, Universität Bern, Schweiz)
  • Prof. Jens Kuhle und Prof. Ludwig Kappos (Klinik für Neurologie, Universitätsspital Basel, Schweiz)
  • Prof. Burkhard Becher, Prof. Melanie Greter, Prof. Christian Münz (Institut für Experimentelle Immunologie, Universität Zürich, Schweiz)