WB 2012: Vorträge und Referenten

Ein Alumni-Tag ist keine Fachtagung - was im Umkehrschluss keineswegs heißt, dass nicht auch eine solche Veranstaltung interessante Einblicke in Forschung und Lehre bieten könnte. Sechs Impulsreferate können Sie beim "Welcome [back]" 2012 erleben. Und für alle können wir eines versprechen: Sie werden sich nicht langweilen ...
Hier erfahren Sie mehr über die Inhalte und Referenten.

Prof. Dr. Michael Madeja
(Foto: HS)

Prof. Dr. med. Michael Madeja: "Was wir von der Hirnforschung erwarten können - und was nicht"
Michael Madeja ist Neurowissenschaftler, Professor an der Universität Frankfurt/Main und Geschäftsführer der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Im Jahr 2010 veröffentlichte er „Das kleine Buch vom Gehirn“, das sich laut Wikipedia an nicht vorgebildete Leser wendet „und die Funktionen des Gehirns, seine Erkrankungen und die Methoden der Hirnforschung in leicht verständlicher Weise darstellt“.
Seine Kariere begann der gebürtige Ostwestfale (*1962 in Bad Driburg) in Münster, wo er Medizin studierte, promoviert wurde und mehrere Jahre als Assistent arbeite. Die Studierenden wählten ihn zum "Lehrer des Jahres". Für den Ehemaigenverein MedAlum - dessen Mitglied er ist - erinnerte er sich in diesem Interview an seine Zeit in Westfalen.

Univ.-Prof. Dr. Dr. hc.
Helge Karch (Foto: FZ)

Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Dr. h.c. Helge Karch: "EHEC & Co. - der nächste Ausbruch kommt bestimmt"
Dass Hochschullehrer bundesweite Bekanntheit erlangen, ist äußerst selten. Für den Mikrobiologen Helge Karch war es im Sommer 2011 soweit, beim EHEC-Ausbruch: Der gebürtige Pfälzer (*1953) gilt als Experte zu diesem Thema und hat über Jahrzehnte eine Probenbank mit allen weltweit bekannten EHEC-Stämmen aufgebaut. Mit diesem Know-how gelang es dem Direktor des münsterschen Hygiene-Instituts und seinem Team, in kurzer Zeit den neuen EHEC-Erreger zu identifizieren.
Dies wiederum war die Grundlage für die Entwicklung eines Schnelltests, den Karch im Internet veröffentlichte und daher jedes entsprechend ausgestattete Labor einsetzen konnte. Wie viele seiner Kollegen sagt auch Karch: Bei Pandemien ist nicht die Frage, ob, sondern wann sie auf uns zukommen.

PD. Dr. med. dent.
Anne Wolowski (Foto: privat)

PD Dr. med. dent Anne Wolowski: "Psychosomatische Störungen in der Zahnmedizin - gibt es die?"
Zahnschmerzen, Beschwerden im Kiefer-, Gesichtsbereich oder Schwierigkeiten mit dem Zahnersatz haben doch immer einen somatischen Hintergrund? Davon sind nicht nur die meisten Patienten überzeugt, auch so mancher Kollege vertritt diese monokausale Auffassung. Bereits Mitte der 70iger Jahre haben aber Marxkors und Müller-Fahlbusch erkannt, dass die Zusammenhänge viel komplexer sind. Ihre Erkenntnisse mündeten in eine in dieser Form bundesweit einzigartigen Forschungsstelle für Psychosomatik und Psychopathologie in der Zahnheilkunde. Seit 1992 wird diese Tradition im Sinne der psychosomatischen Grundversorgung von Anne Wolowski fortgeführt.
Es ist ein Anliegen dieser Sprechstunde, die oft sehr diffusen Krankheitsbilder entsprechend ihrer unterschiedlich gewichteten Ätiologie klar zu differenzieren, um auch auf dieser Basis Verständnis und Toleranz bei Patienten, aber auch Kollegen, für oft vielfältige Einflussfaktoren zu erwirken. Wer auch immer den Satz geprägt hat - es stimmt: „Am Zahn hängt noch ein ganzer Mensch."
Mehr zu A. Wolowski: Laudatio zum Walther-Engel-Preis

Selbst Alumnus:
Dr. Bernhard Marschall

Dr. med. Bernhard Marschall, Studiendekan:
"Medizinstudium heute - und morgen"
Modulares Curriculum, problemorientiertes Lernen, TED-Abstimmungen im Hörsaal ... Selbst wenn Ihr eigenes Medizinstudium erst wenige Jahre zurückliegen sollte - Sie werden es kaum wiedererkennen. Vieles, sehr vieles, hat sich geändert in den letzten Jahren. Bei diesem Prozess gilt die Medizinische Fakultät Münster als besonders innovativ - ein Ruf, der viel zu tun hat mit der Arbeit des seit 2003 amtierenden Studiendekans Dr. Bernhard Marschall. Er berichtet in seinem Vortrag über aktuelle - und kommende - Trends der Medizinerausbildung.
Der Facharzt für Chirurgie, der, wenn es seine Zeit erlaubt, noch immer Einsätze als Notarzt fährt, ist bekannt für seine Reformfreude. So hatte er die Idee für das europaweit einmalige "Studienhospital Münster". Bekannt ist Marschall aber auch für exzellente Rhetorik und Power-Point-Vorträge der anderen Art. Lassen Sie sich überraschen.Mehr zu Dr. B. Marschall

Prof. Dr. Dr.
Bettina Pfleiderer
(Foto: privat)

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Bettina Pfleiderer: "Wenn die Patientin ein Patient ist: Genderaspekte in der Medizin"
Sie gilt als renommierte Hirnforscherin, befasst sich mit geschlechtsspezifischen Unterschieden und bringt mit ihrer Arbeitsgruppe „Cognition & Gender“ beides zusammen: Bettina Pfleiderer. Für ihre Arbeit hat die gebürtige Schwäbin fast im Jahrestakt Auszeichnungen erhalten, vom Maria-Sybilla-Merian-Preis (2003, als erste deutsche Wissenschaftlerin) bis zum Bundesverdienstkreuz (2010). Eins ihrer Anliegen: Der „kleine Unterschied“ soll in der Medizin größere Beachtung finden.
Denn die Frage „Männlich oder weiblich?“ kann hier eine überlebenswichtige sein: So belegen Studien, dass ein Herzinfarkt bei Frauen später erkannt wird als bei Männern. Umgekehrt erhalten Männer mit Altersdiabetes deutlich seltener eine optimale Behandlung zur Vermeidung von Folgeerkrankungen. Doch bislang erfahren Studierende in Deutschland zu wenig über die Bedeutung des biologischen und des sozialen Geschlechts (engl. „sex“ bzw. „gender“). Derzeit führt Prof. Pfleiderer daher ein Projekt über „Geschlechtersensible Lehrmodule in der Medizin“ durch.

Prof. Dr. Petra Scheutzel

Univ.-Prof. Dr. med. dent. Petra Scheutzel: "Zahnmedizin und Zahnmedizinstudium im Wandel"
Als vor über 100 Jahren, am 20. Juni 1908, das zahnärztliche Universitätsinstitut in Münster feierlich eröffnet wurde, war dies, wie dessen ersten Leiter, der Zahnarzt Max Apffelstaedt hervorhob, „nicht die Angliederung irgendeiner neuen Klinik an der Westfälischen Wilhelms-Universität, sondern die Einweihung unserer ersten Klinik überhaupt.“ Die Zahnklinik stellte als erstes klinisches Institut somit quasi die Keimzelle der erst 1925 gegründeten Medizinischen Fakultät der Universität Münster dar. Seitdem hat sich nicht nur die zahnmedizinische Ausbildung in Münster, sondern das Fach Zahnmedizin allgemein immens weiterentwickelt.
Wie es dabei zur Wandlung der Zahnmedizin von einer empirisch begründeten, primär-handwerklich-technisch ausgerichteten Disziplin zu einem komplexen, wissenschaftlich begründeten Teilgebiet der modernen Medizin, welche Errungenschaften aus Sicht der leidgeprüften Patienten wohl am entscheidensten waren und wie sich das zugehörige Studium verändert hat, ist Inhalt dieses Vortrages. Er nimmt Sie mit auf eine ebenso faszinierende wie lehrreiche und unterhaltsame Reise in die Geschichte der Zahnmedizin im Allgemeinen und der Zahnklinik in Münster im Besonderen.
Petra Scheuzel studierte selbst an der Universität Münster Zahnmedizin und ist dort heute Professorin für Zahnärztliche Prothetik. Seit vielen Jahren Lehrkoordinatorin für das Fach Zahnmedizin an der Medizinischen Fakultät, interessiert sie sich seit ihrer Doktorarbeit für medizinhistorische Themen und hat auf diesem Gebiet bereits viele Vorträge gehalten.