Forschungskolloquium: PD Dr. Heiko Stoff (Hannover) - Die Vertikalisierung der Medizin: Das Projekt Medizinischer Akademien in den 1960er Jahren

Ort: Hörsaal des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, Von-Esmarch-Str. 62, 48149 Münster

Zeit: 18:00 - 19:30 Uhr

Bis im Jahr 1960 der Wissenschaftsrat explizit auch die Gründung neuer Medizinischer Akademien vorschlug, hatten in Westdeutschland Widerstände gegen Neugründungen von Hochschulen überwogen. Hierzu war zuvor eigens ein Ausschuss eingerichtet worden, der einen praxisorientierten Unterricht, Dauerstellen für Abteilungsleiter, eine Kollegialstruktur und Teamarbeit vorschlug. Von den vom Wissenschaftsrat empfohlenen sieben Medizinische Akademien wurden allerdings nur drei tatsächlich realisiert: die Medizinische Akademie Lübeck (1964), die Medizinische Hochschule Hannover (1965) und die Medizinisch-Naturwissenschaftliche Hochschule in Ulm (1967).

Vor allem in Ulm und Hannover wurde dabei versucht, personifiziert durch Thure von Uexküll und Fritz Hartmann, durch die Versöhnung ganzheitlicher und technisch-naturwissenschaftlicher Praktiken Antworten auf das „Unbehagen in der Medizin“ zu finden. Dabei sollten einerseits die Medizin durch Anthropologie, Sozialmedizin und Psychosomatik neu ausgerichtet werden, andererseits hierarchische Strukturen an den Universitätskliniken abgebaut werden. Spezialisierung und anthropologischer Standpunkt sollten explizit in Übereinstimmung gebracht werden und, wie es in einem Pressebericht hieß, die mechanistische Medizin durch eine ganzheitliche und interdisziplinäre „Vertikalisierung der Medizin“ abgelöst werden.

Alle Interessierten sind herzlich willkommen!

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