Wie kommt es bei Brustkrebs zur Bildung von Metastasen?

Dr. Viktoriya Nikolova mit dem Maria-Möller-Förderpreis ausgezeichnet Wie kommt es zur Metastasierung von Brustkrebszellen? In ihrer Dissertation hat Dr. Viktoriya Nikolova einen wichtigen Beitrag zur Klärung dieser wichtigen Frage geleistet. Für ihre Forschungen ist die junge Ärztin, die an der Medizinischen Fakultät Münster promoviert hat, kürzlich mit dem Maria-Möller-Förderpreis ausgezeichnet worden. Ihre Forschungsarbeit über den „unterschiedlichen Einfluss membrangebundener und löslicher Formen von Sdc1 auf die Zellteilung und Metastasierung von Brustkrebszellen in vitro“ hat Viktoriya Nikolova an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Münster (UKM) verfasst. Eine von Dr. Martin Götte geleitete Arbeitsgruppe erforscht dort die Rolle eines bestimmten Proteins, des Heparansulfatproteoglykans Syndecan-1 (Sdc1), beim Brustkrebs. Syndecan 1 kommt in unterschiedlichen Formen vor. Durch Matrix-Metalloproteinasen (MMPs) und Heparanase – bestimmte Typen von Enzymen - kann ein Teil des in der Membran gebundenen Sdc1-Moleküls abgespalten und dieses somit in ein lösliches Effektormolekül umgewandelt werden. Diese unterschiedlichen Formen des Proteins wurden in der Zellkultur in menschliche Brustkrebszellen der MCF-7 Linie eingebracht. Die durchgeführten Experimente haben folgendes Ergebnis: Lösliches und membranständiges Sdc1 zeigte in verschiedenen Stadien des Tumorwachstums unterschiedliche Wirkung. Wird in den Brustkrebszellen ein hoher Anteil an membrangebundenem Sdc1 gebildet, ist ihre Fähigkeit, in gesundes Gewebe einzudringen, gering. Viel lösliches Sdc 1 dagegen begünstigt die Metastasierung. Die vermehrte Herstellung der Wildtyp-Form Sdc1 bewirkt einen Anstieg der Zellteilung, während die starke Expression der löslichen Form zu einer Unterdrückung der Zellteilung führt. Diese Erkenntnis hilft den behandelnden Ärzten, die jeweils passende Therapiestrategie auszuwählen. „In frühen Stadien erscheinen Ansätze vielversprechend, die darauf abzielen, die Rezeptoren für Syndecan 1 durch andere Glykosaminoglykane in Wechselwirkung mit Wachstumsfaktoren zu blockieren und so die Teilung der bösartigen Zellen zu unterdrücken“, erklärt die Wissenschaftlerin. „Anders verhält es sich in späten Stadien des Tumorwachstums. Hier können die Ersatz-Glykosaminoglykane die lösliche Form von Sdc1 imitieren und fördern die Metastasierung eher, als dass sie sie hemmen.“ In späten Stadien sollte daher, so die Forscherin, die antimetastatische Therapie durch eine kombinierte Gabe von Medikamenten erfolgen, welche die Abspaltung von Teilen des Sdc1-Moleküls durch Heparanase und Matrix-Metalloproteinasen hemmen und damit dessen Überführung in die lösliche Form verhindern.   Momentan hat für Viktoriya Nikolova ihre Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie, die sie am Maria-Josef-Hospital in Greven absolviert, oberste Priorität. „Sobald ich meinen Abschluss habe, würde ich aber gern in die Forschung zurückkehren“, sagt die junge Frau.  Bereits seit 2008 vergibt die Maria-Möller-Stitung zweimal jährlich einen mit 500 Euro dotierten Förderpreis an herausragende Promovenden der Medizinischen Fakultät Münster, deren Arbeiten sich mit der Früherkennung, Heilung oder Linderung von Krebserkrankungen befassen. Dr. Gerd Möller gründete die Stiftung im Gedenken an seine Frau Maria Möller, die 2006 nach mehrjährigem Kampf gegen den Brustkrebs verstarb.