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VIVE: Startschuss für Projekt zu Langzeitfolgen von Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

Leitet das VIVE-Projekt: Dr. Gabriele Calaminus (Foto: privat)

Münster (mfm/mk) – Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 2.000 Kinder und Jugendliche an Krebs. Mittlerweile überleben dank fortgeschrittener medizinischer Möglichkeiten etwa zwei Drittel von ihnen ihre Krankheit – physische und psychische Folgen können aber dennoch auftreten. Das Ausmaß dieser Langzeitfolgen will nun ein Team deutscher Kinderonkologen um die münstersche Uni-Medizinerin Dr. Gabriele Calaminus mittels einer Studie herausfinden, um so für die jungen Patienten bessere Nachsorgemöglichkeiten zu erreichen.
„Die Beeinträchtigungen bei den Kindern entstehen hauptsächlich durch die medizinischen Behandlungen wie intensive Chemotherapie, Bestrahlungen und Operationen“, so Dr. Gabriele Calaminus von der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Münster. Sie leitet das Projekt VIVE, dessen Name in Französisch „Lebe!“ bedeutet. Bisher sei nicht umfassend bekannt, in welchem Ausmaß die ehemaligen Krebspatienten von Langzeitfolgen wie Herzschädigung, Amputationen, Unfruchtbarkeit oder psychischen Belastungen betroffen sind. Dies wollen Calaminus und ihre Kollegen von der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie nun herausfinden. Die vier beteiligten Standorte des Projekts erhalten insgesamt etwa 600.000 Euro von der Deutschen Krebshilfe, der Standort Münster wird mit knapp der Hälfte davon gefördert.
„Für die Datenbasis werden wir eine große Zahl ehemaliger Patienten, die jetzt im Erwachsenenalter sind - insgesamt etwa 9.000 Personen -, anschreiben und sie darum bitten, Fragebögen auszufüllen“, berichtet Katja Baust, Dipl.-Psychologin und Psychotherapeutin, die ebenfalls zu der Arbeitsgruppe gehört und VIVE gemeinsam mit Gabriele Calaminus koordiniert. Verschickt werden die Fragebögen über das Deutsche Kinderkrebsregister in Mainz; datenschutzrechtliche Belange werden streng eingehalten. Im März 2013 beginnt die Pilotphase der Studie, ab Januar 2014 startet die Hauptphase der Basiserhebung.
„Bis Ende 2015 werden dann zunächst die Antworten der Patienten wissenschaftlich ausgewertet, um im Nachgang die medizinischen Standards in der Betreuung der Langzeitüberlenden zu optimieren“, erläutert Baust. So soll beispielsweise Klarheit darüber geschaffen werden, ob bei jungen Erwachsenen, die eine Krebserkrankung überlebt haben, Vorsorgeuntersuchungen früher nötig sind oder sie sich regelmäßig von einem Facharzt untersuchen lassen sollten. „VIVE verfolgt das Ziel, die Lebensqualität und den Gesundheitszustand der ehemaligen Krebspatienten nachhaltig zu verbessern“, so Gabriele Calaminus.

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