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Potenzial der Supportivtherapie frühzeitig erkannt: Leukämie-Experte Prof. Jörg Ritter verstorben

Prof. Jörg Ritter im Jahr 1990 (Foto: WWU)

Die Westfälische Wilhelms-Universität Münster trauert um ihr Mitglied, den Universitätsprofessor i.R. für „Kinderheilkunde (Hämatologie/Onkologie)“ Dr. med. Jörg Ritter, der am 17. Juli 2019 im 75. Lebensjahr verstorben ist.

Jörg Ritter wurde am 29. Oktober  1944 in Friedberg/Hessen geboren. Nach dem Abitur 1964 studierte er Medizin in Freiburg, wurde dort 1970 promoviert und absolvierte auch seine ersten Berufsjahre in der Stadt. Nach der Approbation war er zunächst zwei Jahre lang als DFG-Stipendiat am Max-Planck Institut für Immunbiologie wissenschaftlich tätig. Seine Facharztweiterbildung zum Kinderarzt hat er am UKE in Hamburg begonnen und an der Kinderklinik Braunschweig fortgeführt. 1979 wechselte er nach Münster, um an der dortigen Klinik für Kinderonkologie zu arbeiten. Gemeinsam mit Ursula Creutzig war er Studienleiter der AML-Studiengruppe und hat das entsprechende Referenzlabor geleitet.

1982 wurde Jörg Ritter im Fach Kinderheilkunde habilitiert und zum Oberarzt ernannt. Zwei Jahre später folgte die Ernennung zum Professor auf Zeit und 1991 zum außerplanmäßigen Professor. Nach einer zunächst vertretungsweisen Übertragung des Amtes wurde Jörg Ritter 1992 endgültig auf die Universitätsprofessur für das Fach „Kinderheilkunde (Hämatologie/Onkologie)“ berufen. Mit  Erreichen der Altersgrenze trat er im Februar 2010 in den Ruhestand, engagierte sich aber weiter für seine Universität: Vom Rektorat  bis 2012 mit einer Seniorprofessur betraut, baute Jörg Ritter einen Studiengang zur klinischen Musiktherapie auf.

In seiner wissenschaftlichen wie auch klinischen Arbeit widmete sich Jörg Ritter insbesondere der Diagnostik und der Therapie der akuten Leukämien im Kinderalter, wobei die akute myeloische Leukämie (AML) einen besonderen Schwerpunkt bildete. Durch stetige Optimierung der Therapieprotokolle in großen vergleichenden Studien können heute 70 Prozent der Kinder mit AML geheilt werden. Jörg Ritter hat maßgeblich an der Konzeption neuer Chemotherapieprotokolle für diese Krankheit mitgewirkt und war einer der ersten, der erkannt hat, welch großes Potenzial in der Supportivtherapie liegt. Sein Oeuvre umfasst über 200 Publikationen, überwiegend zu Themen der Leukämie des Kindesalters und der Prophylaxe und Behandlung infektiöser Komplikationen der Therapie. Er hat unzählige wissenschaftliche und Fortbildungsvorträge gehalten und das Standardlehrbuch Pädiatrische Hämatologie und Onkologie herausgegeben. Zu seinen Auszeichnungen zählt der Kind-Philipp-Preis für Leukämieforschung, gemeinsam mit Günther Schellong und Ursula Creutzig (1989).

Die Universität Münster verliert mit Jörg Ritter einen anerkannten Forscher und engagierten Lehrer, einen hochgeschätzten Menschen und Kollegen, der sich bleibende Verdienste um die Wissenschaft an der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster erworben hat.

 

Der Rektor der Westfälischen Wilhelms-Universität, Johannes Wessels

Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Sven Meuth

Die Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin - Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, Claudia Rössig