Neues Gen für männliche Infertilität beschrieben - M1AP

Herkunftsorte aller Autoren

F. Tüttelmann, M. Wyrwoll und C. Friedrich

Phänotypische Auffälligkeiten bei mutiertem M1AP

Ein Paradebeispiel internationaler und institutionenübergreifender Kooperation - mit 34 Autoren aus insgesamt 7 verschiedenen Ländern ist uns die Identifizierung und Charakterisierung eines neuen Gens gelungen, das mit männlicher Infertilität im Zusammenhang steht: M1AP. Dieses Gen codiert für das sogenannte meiosis 1-arresting Protein - schon der Name lässt eine relevante Funktion während der Ausbildung der Keimzellen vermuten. Obwohl es bisher noch kaum nähere Untersuchungen zu der entsprechenden Genfunktion gibt, bestärkt unsere Studie die Annahme einer unabdingbaren Rolle innerhalb der Meiose männlicher Keimzellen. 

 

Unter der federführenden Leitung von Frank Tüttelmann, Corinna Friedrich und Margot Wyrwollkonnte diese Entdeckung nun erfolgreich im hochrangigen American Journal of Human Genetics veröffentlicht werden (Link zur Publikation) und so einen wichtigen Fortschritt in der Aufklärung von Spermatogenese-Defekten leisten. Auf der Basis von DNA-Sequenzierungsdaten von circa 2000 untersuchten männlichen Probanden haben wir in vier Männern aus Münster, fünf Mitgliedern eine Familie aus der Türkei, zwei Fällen aus Portugal und jeweils einem Mann aus Gießen, Nijmegen und Newcastle pathogene Varianten in M1AP gefunden. Dabei zeigten alle Männer eine nicht-obstruktive Azoospermie, also das Fehlen von Spermien im Ejakulat aufgrund einer Spermatogenesestörung, oder wenigstens eine Cryptozoospermie, also der Nachweis von weniger als 1 Millionen Spermien pro ml Ejakulat, auf. Die phänotypische Charakterisierung des Hodens unterstützt diese Beschreibung durch den Nachweis unterschiedlicher Stadien des Keimzellarrests. Ähnliche Ergebnisse konnten in einem früheren Mausmodell gezeigt werden - auch hier blieb die vollständige Differenzierung der Keimzellen aus und führten zu infertilen, männlichen Mäusen.

 

Durch die Viezahl an Patienten, dem vorhanden Mausmodell und funktionellen Analysen konnte M1AP bereits jetzt als klinisch hoch validiert eingestuft werden und sollte deshalb in die wachsende Liste an relevanten Markergenen für männliche Infertilität integriert werden. M1AP wird deshalb unmittelbar in unsere genetische Routinediagnostik mit aufgenommen, sodass wir eine verbesserte genetische und reproduktive Beratung von Mann und Frau erreichen können.

 

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