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Neue Ansätze in der Behandlung schwerer Lebererkrankungen: Dissertationspreis für Dr. Ramsi Siaj

Zusammen mit Dr. Ramsi Siaj freut sich auch Klinikdirektor Prof. Hartmut Schmidt über den Dissertationspreis (Foto: M. Dreischer)

Münster (mfm/mk) – Etwa 1.200 Lebertransplantationen werden jährlich in Deutschland durchgeführt, über 1.700 Patienten brauchen jedoch ein neues Organ. Um diesem dramatischen Mangel an Spenderorganen beizukommen, ist die Entwicklung von Alternativen wichtig. Der Nachwuchsforscher Dr. Ramsi Siaj aus der Klinik für Transplantationsmedizin des Universitätsklinikums Münster arbeitet an einer: Er entwickelte ein Modell der besonders schweren fulminanten Hepatitis, das die Evaluierung von auf der Transplantation einzelner Zellen basierenden Therapieverfahren zulässt. Außerdem wies Siaj experimentell nach, dass sich bestimmte Leberzellmoleküle dazu nutzen lassen, eine Erkrankung der Leber bis zu zwei Wochen früher als bisher zu diagnostizieren. Für diese herausragenden Erkenntnisse, die in mehreren Arbeiten veröffentlicht wurden, erhielt er einen von der Biotest AG mit 1.600 Euro geförderten Dissertationspreis.
Für sein Tiermodell arbeitete der Wissenschaftler meist mit Ratten, bei denen er mittels einer speziellen Diät die sogenannte fulminante Hepatitis auslöste, eine schwere Leberkrankheit mit tödlichem Ausgang. Nahezu alle Tiere, bei denen eine einmalige Transplantation durchgeführt wurde, starben. Die Lebern der Ratten hingegen, bei denen eine mehrfache Leberzelltransplantation vorgenommen wurde, gesundeten zum großen Teil vollständig.
Obwohl die Bedingungen durch die erhöhte Sterblichkeit der Ratten erschwert wurden, konnten durch die mehrfachen Zelltransplantationen Therapieerfolge erzielt werden, die bei einer einmaligen Transplantation ausblieben. Die sonst häufig bei solchen Studien durchgeführte Vorbehandlung der Empfängerleber erfolgte hier nicht, um eine größere Nähe zur klinischen Praxis herzustellen. Wegen der enormen Gesundheitsrisiken für die Patienten kann eine solche Vorbehandlung hier nämlich nicht durchgeführt werden. „Dadurch haben meine Erkenntnisse eine hohe klinische Relevanz“, berichtet Siaj über die Etablierung des Hepatitis-Modells, das in Zukunft für die Erprobung der Wirksamkeit stammzellbasierter Therapeutika eingesetzt werden wird.
Den Dissertationspreis der Biotest AG, vergeben von der wissenschaftlichen Leitung des Universitätsklinikums Essen, erhielt Siaj beim „24. Workshop für experimentelle und klinische Lebertransplantation und Hepatologie“. Er ist diplomierter Biologe, arbeitet aber seit 2008 als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Nachwuchsgruppe des Leiters der UKM-Transplantationsmedizin, Prof. Hartmut Schmidt. Mitbetreut wurde Siajs Promotion von Prof. Angelika Barnekow, die in Münster am Institut für Neuro- und Verhaltensbiologie die Abteilung Experimentelle Tumorbiologie leitet.
Zur Preisvergabe trugen neben Siajs Studie zur Zelltransplantationstherapie auch seine Erkenntnisse zur Frühdiagnose von Lebererkrankungen bei. Dabei fand der 33-jährige Wissenschaftler heraus, dass ein leberzellspezifisches Molekül, die sogenannte microRNA-122, den Ausbruch einer Leberentzündung bereits zwei Wochen früher anzeigt als bislang in der Diagnostik eingesetzte Biomarker. „Die microRNA-122 hat sich aber auch für die Überwachung des Therapieverlaufs als besonders gut geeignet herausgestellt“, schildert Siaj, „und diese Ergebnisse konnten bereits bei lebertransplantierten Patienten im Langzeitversuch bestätigt werden.“ Eine frühzeitige und sichere Diagnose von bevorstehenden Leberkomplikationen scheint so möglich, was wiederum neue Therapiemöglichkeiten eröffnet und die Prognose der Patienten verbessert.

Links zu den vier Studien der kumulativen Dissertationsschrift:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23112546
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23125884
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22140056
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20362556

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