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Nachruf Univ.-Prof. Dr. med. Georg Matthias Peters

Univ.-Prof. Dr. med. Georg Matthias Peters (Foto: FZ)

Mit großer Trauer und Betroffenheit erfahren wir vom vollkommen unerwarteten, tragischen Tod unseres hoch geschätzten Kollegen Univ.-Prof. Dr. med. Georg Peters, am 8. August 2018.

Georg Peters wurde am 11. März 1951 in Asperden am Niederrhein geboren. 1975 legte er in Köln sein medizinisches Staatsexamen ab und wurde dort 1976 promoviert, bevor er nach seiner Tätigkeit als Assistenzarzt 1982 die Anerkennung als Arzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie erhielt und für ein Jahr als DFG-Stipendiat an die University of Minnesota, Minneapolis, USA ging. Im Jahr 1985 habilitierte er sich und wurde 1986 in Köln zum Professor auf Zeit berufen. 1992 folgte er einem Ruf unserer Universität und leitete seitdem das Institut für Medizinische Mikrobiologie.

In seiner hiesigen Amtszeit nahm er zahlreiche Aufgaben in der fakultären und universitären Selbstverwaltung wahr. So leitete er 1996 bis 2002 das Programm „Innovative Medizinische Forschung“ IMF, von 2006 bis 2012 das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung IZKF und war bis 2015 Mitglied im Aufsichtsrat des Universitätsklinikums. Er war langjähriges Mitglied des Senats der Westfälischen Wilhelms-Universität und seit 2014 dessen Vorsitzender. Von 2003 bis 2008 war er Sprecher des Sonderforschungsbereiches 293, seit 2012 Sprecher (seit 2015 Co-Sprecher) des SFB 1009. Seit 2012 war er als Principal Investigator Mitglied des Excellenzclusters EXC2003 „Cells in Motion“; für die strategische Neuausrichtung des Clusters im Zuge der Exzellenzstrategie war sein Rat richtungsweisend. Mit Wirkung zum 31. August 2018 wäre er als Ordentlicher Professor pensioniert worden. Im Juli 2018 hat der Fachbereichsrat der Medizinischen Fakultät beschlossen, den Rektor um die Zuerkennung der Position eines Seniorprofessors für Georg Peters zu bitten.

Auf nationaler Ebene setzte Peters sich ebenfalls mit ganzem Herzen für die Belange der Wissenschaften ein und wurde von den Kollegen hoch geschätzt. So war er von 2004 bis 2012 gewähltes Mitglied des DFG Fachkollegium 204-„Mikrobiologie, Virologie und Immunologie“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft, zu deren Sprecher er im Jahr 2008 gewählt wurde. Im Jahr 2012 wurde er Senatsmitglied der DFG und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Forschungs- und gesundheitspolitische Rahmenbedingungen der klinischen Forschung“ sowie der „Ständigen Senatskommission für Grundsatzfragen in der klinischen Forschung“. Sein Fach Mikrobiologie vertrat er auch in vielen verschiedenen Gremien in Bundesinstituten, so war er u.a. seit 2009 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Robert-Koch-Instituts, stellvertretender Vorsitzender des Gemeinsamen Wissenschaftlichen Beirats des Bundesministeriums für Gesundheit, sowie Mitglied der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention.

Seine gesamte wissenschaftliche Karriere widmete Georg Peters der bakteriologischen Forschung, hier vor allem den Staphylokokken und den von diesen verursachten Erkrankungen, und wurde auf diesem Gebiet weltweit als exzellenter Experte anerkannt. Seine bahnbrechenden Forschungsergebnisse zur Rolle von Staphylokokken bei Fremdkörperinfektionen ebenso wie zur Bedeutung von Staphylokokken als multiresistente Erreger oder Krankenhauskeime führten zu Veröffentlichungen in den führenden medizinischen Zeitschriften. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Auszeichnungen und Preisen wurde seine Expertise u.a. durch die Wahl zum Chair der Gordon Research Conference on Staphylococcal Diseases 1993 ausgezeichnet. Peters war ein von Studierenden, aber auch beispielsweise in Summer Schools oder Workshops von Doktoranden und Weiterbildungsteilnehmern geschätzter Lehrer, der mehrfach mit dem Lehrpreis der Studierenden der Medizinischen Fakultät ausgezeichnet wurde. Er vertrat den Bereich Medizinische Mikrobiologie im Editorial Board des Deutschen Ärzteblatts.

Peters‘ Lebensanliegen waren einerseits die medizinische Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit und andererseits die Infektionsmedizin. Letztlich hatte Peters‘ Engagement immer die Unabhängigkeit akademischer Forschung und Lehre bzw. das Wohl des Patienten zum Ziel – und eben nicht künstliche, fach- oder hochschulpolitisch festgelegte und zu „verteidigende“ Bereiche. Er war immer ein engagierter Streiter für eine starke Vertretung der Medizinischen Mikrobiologie im akademischen Fächerkanon, anerkannte jedoch gleichermaßen die Bedeutung der klinischen Infektiologie ebenso wie die der Infektionsprävention, Epidemiologie und Hygiene. Sein konsequentes Engagement in Universität, Fakultät und den Vorständen ebenso wie sein Beitrag zum Austausch zwischen den Fachgesellschaften war Ausdruck dieser tiefen Überzeugungen. Freunde und Weggefährten ebenso wie Andersmeinende konzedieren ihm diese außerordentliche, perspektivisch geprägte Sichtweise und – bei aller Deutlichkeit und klaren Worten – geistige Unabhängigkeit von Gruppenansicht und (fach- oder hochschul-)politischem Fraktionszwang.

Peters, der aus seiner Herkunft aus einfachen, bäuerlichen Verhältnissen nie einen Hehl machte, verfügte jedoch auch über ein enormes Wissen und Erfahrung in nahezu allen gesellschaftlichen und humanitären Fragen. Vielleicht war es diese außergewöhnliche Verbindung von humanistischer Bildung, klarer ethischer Orientierung, tiefem Verständnis für politische Bedingungen und fachlicher Expertise, die ihn zu einem „natürlichen“ Ansprechpartner und Sprecher für Kommissionen, Gremien und Einrichtungen im infektionsmedizinischen, akademischen, forschungsfördernden und allgemeinpolitischen Bereich machte. Konsequenterweise hatte er immer auch ein profundes Verständnis für die globale Bedeutung von Infektionsmedizin und setzte sich gleichermaßen für die Förderung der Grundlagenforschung und Krankenversorgung national, europaweit und – insbesondere in ressourcenarmen Regionen – auch global ein.

Peters war jedoch nicht nur ein Menschenfreund, sondern auch ein Freundes-Mensch. Trotz oder gerade wegen seiner Extraversion hatte er ein starkes Bedürfnis nach Nähe und Kontakt zu den ihm persönlich nahestehenden Personen. Seine Loyalität, seine Unterstützung und sein Einsatz für Freunde, nahestehende Kollegen oder ähnlich Gesinnte führte Menschen unabhängig ihres akademischen oder sonstigen Rangs zu ihm auf der Suche nach Austausch, Rat und einfach auch nur Gemeinsamkeit. Die Anliegen junger Menschen, insbesondere des wissenschaftlichen Nachwuchses, waren ihm immer von besonderer Wichtigkeit, und die akademische Förderung junger Menschen wurden in seinem Institut genauso wie in der DFG-Gremienarbeit von ihm gelebt.

Peters war ein außerordentlicher Denker und Redner. Seine zum Teil messerscharfen Analysen äußerte er gerne von einem der hinteren Sitzplätze und erst am Ende einer zum Teil längeren Diskussion. Nicht selten gelang es ihm dabei, eine inhomogene, teilweise auch zerstrittene Gremienansicht zusammenzuführen, oder auch eine scheinbar überwiegende Meinung im Licht der von ihm vorgetragenen argumentativen Logik zu drehen und zu einer dann auch fundierten Beschlussfähigkeit zu führen. Trotz dieser – durchaus auch von ihm selbst wahrgenommenen – Begabung blieb er im Grunde ohne Dünkel und bescheiden. Jegliches Brimborium um seine Person war ihm zuwider, und sosehr er um die Kraft und Autorität, die ihm ein Amt verlieh, wusste und diese durch die Art seines Auftritts auch schützte, so war ihm klar, dass mit dem Ablegen der Glocke des Sitzungsvorsitzes er keinerlei weiteren Anspruch auf eine über die Amtswahrnehmung hinausgehende Bedeutungszuerkennung hatte.

Der Respekt vor seiner persönlichen Sphäre gebietet es, die Rolle seiner Familie an dieser Stelle nur kurz zu erwähnen. Alle, die ihn kannten, wissen von diesem seinem eigentlichen Daseinsgrund und von der unbedingten, uneingeschränkten Hingabe für seine Liebsten.

Durch den tragischen Tod von Prof. Georg Peters hat die Medizinische Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität nicht nur einen ihrer profiliertesten, engagierten Wissenschaftler verloren, der immer das Große und Ganze im Blick hatte, sondern auch einen Freund und loyalen Kollegen mit einem großen Herzen, der sich immer für die Belange anderer eingesetzt hat.

Das Dekanat und die Mitglieder der Medizinischen Fakultät sind schockiert und traurig über diesen tragischen Verlust. Wir werden Georg Peters immer ein ehrendes Andenken bewahren.

Univ.-Prof. Dr. Mathias Herrmann

 

Die Familie möchte im Stillen trauern und bittet von direkt an sie gerichteten Kondolenzbekundungen Abstand zu nehmen. Im Institut für Medizinische Mikrobiologie in Münster liegt ein Kondolenzbuch aus, in dem auch gerne z.B. Briefe von "Nicht-Münsteranern“ aufgenommen werden.

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