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Ausbau einer wichtigen Schnittstelle: Martin Bögemann hat eine der wenigen Professuren für Uroonkologie

Verbindet mit seiner Professur die Urologie und die Onkologie: Prof. Martin Bögemann (Foto: FZ/E. Wibberg)

Münster (mfm/sw) – Der Name macht es bereits deutlich: Die Uroonkologie bildet die Schnittstelle zwischen Urologie und Onkologie. Praktisch ist sie ein sehr relevantes Feld, doch sieht die Realität in Forschung und Lehre anders aus: Nur wenige Universitäten widmen der Uroonkologie eigene Arbeitsgruppen, geschweige denn eine eigene Professur. Die Medizinische Fakultät der Universität Münster (WWU) gehört in diese Gruppe: Mit Prof. Martin Bögemann hat sie jetzt einen der bundesweit ersten W3-Professoren für Uroonkologie berufen. Der Stelleninhaber ist Experte auf diesem Gebiet: Seit 2015 leitet er den Bereich Uroonkologie der münsterschen Uniklinik für Urologie und Kinderurologie. Für die nächsten Jahre hat sich der 43-Jährige viel vorgenommen.

„Wir wollen die Expertise in der Uroonkologie noch erheblich ausbauen, um so letztlich den Patienten eine optimierte und individuell zugeschnittene Therapie zu ermöglichen“, beschreibt Bögemann sein Kernziel. Der Hintergrund: „Die Onkologie wird immer komplexer, das medizinische Wissen wächst immens, man braucht hier absolute Spezialisten“, so der Neuberufene. Sein Fachgebiet bilde einen großen Teil der Onkologie ab, von Prostatakrebs über Nieren- und Harnblasenkarzinomen bis hin zu Keimzelltumoren.

Auf die Frage nach seinen Forschungszielen hat der Professor eine klare Antwort: Das zentrale Stichwort laute „Präzisionsonkologie“: Statt jeden Patienten nach Standard zu behandeln, soll jeder Patient individuell und damit optimal behandelt werden. Dafür liegt ein großer Forschungsschwerpunkt auf der Weiterentwicklung von Medikamenten in klinischen Zulassungsstudien und der sogenannten Real-life-Forschung: Statt nur bei standardisierten Patienten wie in klinischen Studien wird die medikamentöse Tumortherapie bei „echten“ Patienten angewendet und die Wirksamkeit mit den Zulassungsstudien verglichen, denn „im echten Leben sind die Nicht-Idealpatienten in der Mehrzahl“, so Bögemann. Der gebürtige Westfale und Leiter der Urologischen Studienzentrale legt außerdem viel Wert auf Grundlagenforschung – wie der sogenannten „Liquid Biopsy“, der Untersuchung von Krebszellen, die aus einer einfachen Blutuntersuchung gewonnen werden können. Dies soll ohne klassische Biopsie eine Einschätzung der Krebserkrankung vor und während der Therapie ermöglichen. Das Ziel sind Biomarker, die die Wirksamkeit einer Therapie mit bestimmten Medikamenten beim jeweiligen Patienten vorhersagen können – ein weiterer Schritt Richtung Präzisionsonkologie.

Nach Medizinstudium und Promotion an der WWU erwarb Bögemann 2008 den Facharzttitel in der Urologie. Der ursprünglich aus Bork stammende Wissenschaftler ist Pionier auf seinem Gebiet, die Zahl seiner Zusatzqualifikationen groß: Über den Facharzttitel hinaus kann er sich Palliativmediziner nennen, hat eine Anerkennung für Medikamentöse Tumortherapie sowie fachgebundene Röntgendiagnostik und ist seit 2017 Mitglied des European Board of Urology. Die Forschungsschwerpunkte über den gesamten Berufsweg des Uroonkologen hinweg waren der Prostata-, der Nieren- und der Blasenkrebs.

Bei der neuen Position von Bögemann handelt es sich um eine Stiftungsprofessur, also um eine, die für einen bestimmten Zeitraum von einem externen Förderer finanziert wird. Im konkreten Fall handelt es sich dabei um das Neusser Pharmaunternehmen Janssen Cilag; dieses trägt die Kosten fünf Jahre lang. Detaillierte Verträge zwischen Fördergeber und Hochschule stellen sicher, dass bei Stiftungsprofessuren eine Einflussnahme auf die Stellenbesetzung oder die spätere Arbeit ausgeschlossen ist: Häufig wird – wie auch bei der neuen WWU-Professur – der Stifterverband beteiligt, der beide Seiten bei der Anbahnung und Abwicklung der Förderung unterstützt.

Prof. Andres Schrader, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie freut sich sehr über die Förderung der Uroonkologie durch Janssen Cilag und die Stellenbesetzung: „Ich habe mir immer gewünscht, dass wir Herrn Bögemann für diese neue Professur gewinnen können. Er ist ein international ausgewiesener Experte auf seinem Gebiet. Durch seine Berufung werden wir unsere Spitzenposition in der Behandlung urologischer Krebserkrankungen am Uniklinikum weiter ausbauen können“, so Schrader.