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Neues Verfahren macht Krankheitserreger zu Verbündeten des Körpers: WWU-Institut schließt Kooperationsvertrag mit US-Biomedizin-Firma ab

Arbeitsgruppenleiter Priv.-Doz. Dr. Christian Rüter im Labor (Foto: FZ / E. Wibberg)

Münster (mfm/sw) – Eine Absprache mit Vorteilen für beide Seiten nennt man Win-Win-Situation. Eine solche soll auch das Ergebnis eines langfristigen Kollaborations- und Lizenzvertrages sein, den das Institut für Infektiologie der Universität Münster (WWU) nun mit einem US-amerikanischen Biomedizin-Unternehmen abgeschlossen hat. Ziel der Kooperation mit Innate Biologics aus Philadelphia/PA in den USA ist es, die Therapiemöglichkeiten für entzündliche Hautkrankheiten sowie Autoimmunerkrankungen zu verbessern – und auf lange Sicht ein neues Medikament zu entwickeln. Der Fokus liegt auf bakteriellen Effektoren, genauer: auf einem jüngst entdeckten Ansatz für die Immuntherapie. Gearbeitet wird mit einer Protein-Familie, die von der Arbeitsgruppe um Priv.-Doz. Dr. Christian Rüter und den ehemaligen Institutsdirektor Prof. M. Alexander Schmidt erforscht wurde.

Bakterien – wie genau sie den Wirt, also den Menschen, krankmachen, untersucht die Infektiologie. Versucht das Immunsystem Krankheitserreger wie Bakterien zu bekämpfen, sendet es Botenstoffe aus, die die Blutgefäße erweitern – es kommt zu einer Entzündung. Während dies eine natürliche Reaktion auf Fremdkörper ist, finden Bakterien eigene Wege, das menschliche Immunsystem zu manipulieren: „Sie haben mittlerweile ein großes Repertoire, um das Immunsystem auszuschalten – dazu zählen sogenannte Effektoren und Toxine“, erklärt Dr. Rüter. Bei Effektoren handelt es sich um Moleküle, die eine Umwandlung von Proteinen und damit eine Aktivitätsänderung zur Folge haben. Dies hat die Forschergruppe auf eine Idee gebracht: Wenn man die Effektoren ausreichend untersucht und diese vom eigentlichen Pathogen, also dem Krankheitserreger, trennen kann, ließen sie sich therapeutisch nutzen – und derart Entzündungen bekämpfen. Die münsterschen Wissenschaftler erforschen mittlerweile eine gesamte Protein-„Familie“, die eine neue Behandlungsmöglichkeit bieten kann – auch bekannt unter CPE.

„Die Effektoren der Bakterien haben ganz unterschiedliche Funktionen. Bei uns geht es besonders um zellpenetrierende Eigenschaften - das bedeutet, dass die Zellmembran von den Effektoren durchdrungen werden kann“, so Dr. Christian Rüter über das Verfahren. Lizenziert wurde die sogenannte Familie der bakteriellen LPX-E3-Ligasen: Dabei handelt es sich um Enzyme, die die Übertragung des Proteins Ubiquitin auf ein anderes katalysiert – also die Verbindung beider herbeiführt. Das so markierte Protein wird unter anderem vom Entsorgungssystem der Zelle gebunden und abgebaut, so dass gezielt Entzündungsprozesse der Zelle abgeschaltet werden können.

Mit Hilfe der in Münster erforschten Protein-Familie sollen insbesondere Autoimmunerkrankungen der Haut behandelt werden können, wie Schuppenflechte (Psoriasis) und atopische Dermatitis. Dabei schadet das Immunsystem dem Körper, den es eigentlich verteidigen soll, und zerstört körpereigenes Gewebe – was durch die bakteriellen LPX-E3-Ligasen, welche ohne Hilfsmittel in die Zelle eindringen können und intrazellulär wirken, verhindert werden soll. Statt als Krankheitserreger zu wirken, werden die über viele Jahre der Evolution angepassten Effektoren nun so zum Vorteil des Erkrankten genutzt.

Das Ziel des Vertrages ist klar: ein neues Medikament entwickeln und auf den Markt bringen. Peter Mondics, Geschäftsführer und Mitbegründer von Innate Biologics, freut sich über den Abschluss des Kollaborationsvertrags: “Die Zusammenarbeit hat im letzten Jahr eine Reihe von klinischen Erkenntnissen hervorgebracht, die auf neuartige und wirksame Biologika – oder Biopharmazeutika – verweisen. Diese haben eines gemeinsam: Sie sind außergewöhnlich patientenfreundlich“. Für Menschen, die unter Krankheiten wie Psoriasis oder unter altersbedingten Hautkrankheiten leiden, mache diese Forschung an den sogenannten Cosmeceuticals einen gewaltigen Unterschied, so Mondics: Therapien für diese Fälle seien noch wenig bekannt. „Die Kooperation von Innate Biologics und der WWU ist also ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal auf einem sehr großen Markt“.

Innate Biologics ist eine US-amerikanische Firma, die sich auf die Entdeckung, Behandlung und Prävention von Entzündungen spezialisiert hat. Die Zusammenarbeit mit der WWU sei vor etwa einem Jahr entstanden, sagt Dr. Rüter: „Das Unternehmen ist auf uns zugegangen. Da haben wir nicht gezögert – und mit Unterstützung des fakultätseigenen Patentbüros Clinic Invent stand ein Jahr später der Vertrag“, so der Forscher. Das Projekt, das noch unter ihrem Vorgänger begann, wird auch von der neuen Institutsdirektorin Prof. Petra Dersch unterstützt. Kooperiert wird zudem mit weiteren Instituten der Medizinischen Fakultät der WWU: So ist Prof. Karin Loser, Leiterin des Bereiches „Experimentelle Dermatologie und Immunbiologie der Haut“ in der Uni-Hautklinik, maßgeblich an dem Projekt beteiligt.

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