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In der Natur ausgestorben, aber dank viel Alkohol „lebt“ er wieder: Forscher der Uni Münster entschlüsseln das Genom des Beutelwolfs

Dr. Liliya Doronina und PD Dr. Jürgen Schmitz ist es gelungen, die genaue Abstammung des ausgestorbenen Beutelwolfs zu rekonstruieren. (Foto: Christoph Steinweg, LWL)

Der ausgestorbene Beutelwolf im Zentrum der Genomrekonstruktion (Tierzeichnung: Jon Baldur Hlidberg)

Münster (mfm / ls) - Der vermutlich letzte starb 1936 in einem australischen Zoo in Tasmanien. Rund fünfzig Jahre später, 1982, wurde die Art offiziell für ausgestorben erklärt - Maßnahmen zu seinem Schutz kamen zu spät. Der Beutelwolf, wegen seiner dunklen Streifen auch Tasmanischer Tiger genannt, war das größte fleischfressende Beuteltier, das in modernen Zeiten auf dem australischen Kontinent gelebt hat. In einem internationalen Genom-Konsortium um Professor Andrew Pask von der Universität Melbourne lüfteten nun Forscher der Universität Münster die Geheimnisse der Abstammung des verschwundenen Vierbeiners.

Dr. Liliya Doronina und PD Dr. Jürgen Schmitz von der Medizinischen Fakultät der Universität Münster ist mit ihrer Arbeit ein großer Fortschritt in der Entschlüsselung der Abstammungs-geschichte gelungen: Trotz der generellen Schwierigkeit, aus den Fragmenten des Erbguts einer ausgestorbenen Art genügend brauchbare Information zu gewinnen, konnte das Konsortium ausreichend und zudem erstaunlich gut erhaltene DNA aus einem in Alkohol konservierten, 108 Jahre alten Beutelwolf-Jungtier isolieren und derart das gesamte Genom rekonstruieren.

Durch die oft beschriebene verblüffende äußere Ähnlichkeit mit dem australischen Dingo und generell den hundeartigen plazentalen Raubtieren ist der Beutelwolf das Paradebeispiel für konvergente Entwicklung. Eine solche basiert  nicht auf Abstammung, sondern der unabhängigen Anpassung an die - in diesem Falle raubtierartige – Lebensweise.

Bisher hatte der Mangel an molekularbiologischen Daten die Entschlüsselung der evolutionären Vergangenheit dieses einzigartigen Spitzenräubers verhindert. Die Rekonstruktion des Genoms ermöglicht jetzt aber, die verlorene Phylogenese, also die Stammesgeschichte des Beutelwolfs, im Zeitraum von vor etwa 34 Millionen Jahren bis in die Gegenwart nachzuvollziehen. So gelingt die Einordnung des Beutelwolfs in den Stammbaum noch lebender Beuteltiere.

Mit den Ergebnissen eines speziellen Analyseverfahrens bestimmter springender DNA-Sequenzen wurde in Münster die genaue Abstammungslinie des Beutelwolfs rekonstruiert. Die Forscher der Medizinischen Fakultät kamen zu dem Ergebnis, dass Beutelwölfe eindeutig die Schwesterfamilie der anderen Raubbeutelartigen sind, wie dem Tasmanischen Teufel und dem Ameisenbeutler. Das Konsortium hat darüber hinaus gezeigt, das trotz der sichtbaren Ähnlichkeit von Beutelwolf und Dingo sich die „karnivoren“ Gene unerwartet unterschiedlich evolviert haben und die Ähnlichkeit vermutlich mehr an der durch die Lebensweise angepassten Regulation der Gene liegt.

Genomanalysen stehen im Mittelpunkt der Forschergruppe an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster. Aus den gewonnenen Erkenntnissen wird die Phylogenese der Tiere und daraus die historischen Veränderung der Gene von Tier zu Mensch rekonstruiert. Insbesondere die Veranlagung für genetische Krankheiten wird als paläogenetisches Vermächtnis verstanden. Mit seiner Herangehensweise hat das Team um Priv.-Doz. Jürgen Schmitz immer wieder aufsehenerregende Erkenntnisse gewonnen. So wies es 2010 nach, dass das Wappen- und Lieblingstier der Australier, das Känguru, kein „Ureinwohner“, sondern via Abstammung aus Südamerika „eingewandert“ ist. Dieser Fund brachte Schmitz und seine Arbeitsgruppe in fast alle Medien des Kontinents.

Publikation:

Feigin et al. Genome of the Tasmanian Tiger Provides Insights into the Evolution and Demography of an Extinct Marsupial Carnivore. Nature Ecol. Evol. (doi: 10.1038/s41559-017-0417-y)

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