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Erste Emmy-Noether-Bewilligung in der Bioethik: Dr. Alena Buyx leitet neue DFG-Nachwuchsgruppe an der WWU

Dr. Alena Buyx leitet die neue Emmy-Noether-Gruppe (Foto: privat)

Münster (mfm/nh) - Wie können medizinische Mittel gerecht verteilt werden? Dürfen Medikamente zur Verbesserung und Steigerung normal ausgeprägter menschlicher Eigenschaften und Fähigkeiten genutzt werden? Ist es vertretbar, eine „Wunschmedizin“ zu betreiben? Solche und ähnliche Fragen beschäftigen Dr. Alena Buyx und ihr Team: Die Biomedizin-Ethikerin ist Leiterin der neuen Forschungsgruppe „Politische Philosophie als Ressource der Normenbegründung in der Bioethik" an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU). Es handelt sind um die bundesweit erste Gruppe in der Bioethik, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in ihrem Emmy-Noether-Programm bewilligt hat.
Mit Hilfe von Denkweisen und theoretischen Konstrukten der politischen Philosophie will das interdisziplinäre Wissenschaftlerteam Antworten für die heutige Bioethik finden und Anstöße für die Praxis liefern. Die DFG fördert das Projekt bis 2016 mit rund einer Million Euro. Dessen Bedeutung resultiert nicht zuletzt aus der demographischen Entwicklung: Die Menschen werden immer älter und damit auch immer kranker. Das führt zu neuen Herausforderungen an das Gesundheitssystem und wirft nicht mehr nur medizinische Fragen auf.
Zudem wird die Medizin längst nicht mehr nur dazu genutzt, Krankheiten vorzubeugen oder zu lindern, sondern auch zur Verbesserung und Steigerung normal ausgeprägter menschlicher Eigenschaften und Fähigkeiten eingesetzt. Fachleute nennen dieses – kontrovers diskutierte - Phänomen „Enhancement“. Es mehren sich Hinweise darauf, dass bestimmte Berufsgruppen, beispielsweise Piloten, Medikamente nutzen, um ihr Schlafbedürfnis zu minimieren oder ihre Konzentration zu verbessern. Auch das Enhancement wirft Fragen auf, zu denen es bisher keine Antworten und Regelungen gibt.
Derzeit stellt Buyx für die geplanten Studien ein internationales Wissenschaftlerteam zusammen, das vier bis sechs Köpfe umfassen wird. Mit dem vereinten Wissen von Philosophen, Politologen und Medizinern will sie in ihrer Gruppe neue Lösungsansätze aus der langen Geschichte der Philosophie für die heutige Bioethik ableiten. „Wir wollen aber nicht Wissenschaft im Elfenbeinturm betreiben, mir ist ein Praxisbezug unserer Überlegungen sehr wichtig“, erklärt die 34-jährige. Sie will die Ergebnisse nicht nur international publizieren, sondern damit vor allem auch die öffentliche Diskussion anregen.
Die gebürtige Ibbenbürenerin arbeitete nach ihren Abschlüssen in Humanmedizin, Philosophie und Soziologie zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin der Universität Münster. Nach drei Jahren folgte sie 2008 einer Einladung der Harvard-Universität in Boston/USA, am dortigen Programm „Ethics and Health“ mitzuwirken. Danach konnte sie ihr Wissen zu Gerechtigkeitsfragen in der Gesundheitsversorgung und in Public Health als stellvertretende Direktorin des englischen Ethikrats anwenden. Fortbestehende Kontakte nach Münster und die Bewilligung der Noether-Gruppe führten sie schließlich 2012 zurück an ihre erste Wirkungsstätte.
Mit ihrem Emmy-Noether-Programm will die DFG jungen Nachwuchswissenschaftlern einen Weg zu früher wissenschaftlicher Selbständigkeit eröffnen. Promovierte Forscherinnen und Forscher erwerben durch eine in der Regel fünfjährige Förderung und die Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe die Befähigung zum Hochschullehrer. Antragsberechtigt sind Postdocs mit zwei bis vier Jahren Forschungspraxis nach der Promotion, zudem werden internationale Erfahrungen gefordert.
Weblink: http://www.uni-muenster.de/ENG-Normenbegruendung/index.html

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