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Dem Phantom auf den Zahn fühlen: Lehrsäle der Zahnklinik wurden für 6,6 Mio. Euro runderneuert

Zahnmedizinstudent Niko Krombholz (vorn) übt im modernisierten Phantomsaal die Anfertigung einer Amalganfüllung (Foto: tw)

Münster (mfm/tw) – Echte Zähne, falscher Kopf: Nach Komplettsanierung ihrer Ausbildungsräume lernen die Zahnmedizin-Studenten der Universität Münster nun noch praxisnäher, wie Löcher gefüllt und Wurzelkanäle behandelt werden. Ein Patient in den beiden runderneuerten „Phantomsälen“ kennt keinen Schmerz, ansonsten wird er behandelt wie in einer echten Praxis – obwohl er nur ein Kunststoffkopf ohne Körper ist. Die Kosten für Baumaßnahmen und Einrichtung beliefen sich auf insgesamt rund 6,6 Millionen Euro; die Finanzierung erfolgte aus Landesmitteln.
„Für unsere Studenten ist die Arbeit am Phantom die letzte Probe, bevor sie echte Patienten behandeln dürfen“, sagt Oberarzt Dr. Markus Kaup von der Poliklinik für Zahnerhaltung. Bevor die Studierenden – in ihrem sechsten Semester - bohren und füllen, „basteln“ sie ihr eigenes Phantom – gearbeitet wird in der zweiten Semesterhälfte mit echten Zähnen, die in vorgefertigte Hohlformen gesetzt werden. „Ein echter Zahn ist das beste Übungsobjekt, das es geben kann“, erläutert Kaup. Ihr „Lehrmaterial“ besorgen sich die Studierenden selbst, indem sie bei Zahnarztpraxen an ihren Heimorten danach fragen. „Schon seit Generationen werden in der zahnmedizinischen Ausbildung Zähne genutzt, die sich bei den Patienten nicht erhalten ließen“, so Kaup.
Die Phantomköpfe werden mit Kunststoffmasken so verkleidet, dass der Zugang zum Mund realistisch ist. Da die Behandlungsplätze wie heutige Zahnarztpraxen eingerichtet sind, läuft auch die Behandlung ähnlich: Das Phantom wird über die Einstelltasten des Zahnarztstuhls in die richtige Stellung gebracht und mit modernen Instrumenten behandelt. Im alten Phantomsaal war die Ausstattung deutlich schlichter und praxisferner – trotzdem nimmt der neue Saal nur ein Drittel der früheren Fläche ein, weil die Anordnung der Behandlungsplätze optimiert werden konnte. 60 Studenten können an eigenen Plätzen lernen und arbeiten. Der Saal wird von der Poliklinik für Zahnerhaltung und von der Poliklinik für Parodontologie genutzt. Mit dem neuen Saal kam ein technisches Highlight: eine digitale Röntgenanlage, bei der die Bilder direkt am Arbeitsplatzmonitor verfügbar sind.
„Die Lehre profitiert sehr davon, dass wir auf modernste Technik gesetzt haben“, sagt Kaup: „Der neue Saal hat sich bewährt, der Schritt zum echten Patienten ist einfacher geworden.“ Inzwischen hat der Saal noch einen „Zwilling“ bekommen. Der Saal in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik verfügt über 80 Arbeitsplätze und ist – den Anforderungen entsprechend – etwas schlichter ausgestattet. Die Studenten lernen hier schon ab dem ersten Semester, Kronen, Brücken und herausnehmbare Zahnprothesen anzufertigen.
Einer der Phantomsäle steht zur Besichtigung offen, wenn die Zahnklinik am 5. November zu einem „Tag der offenen Tür“ einlädt (Beginn: 13.30 Uhr). Für Studieninteressierte, Patienten und angehende Auszubildende gibt es jeweils eigene Programmpunkte. Eine Übersicht bietet die Website  http://klinikum.uni-muenster.de/index.php?id=zmk-infotag.

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